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Let’s Dok!


Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Am 28.10. fällt der Startschuss für die 62. Auflage des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm. Dann werden die Leinwände im Hauptbahnhof, im Multiplex und in den vielen Programmkinos für eine Woche wieder zum Spiegel der Realität. Daneben gibt es ein politisches Symposium, Virtual Reality im »Neuland« und Kino im Knast. Begleitend zum Festival gibt es auch wieder Einblicke, Rezensionen und Festivalberichte im Dok Blog.
> »62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm«: 28.10.–3.11., Cinestar, Hauptbahnhof Osthalle, Passage Kinos u. a.

Film der Woche: Der Auftakt würde sich auch gut in einem Film der Serie »OSS« machen, wo Jean Dujardin als Superagent James Bond-Klischees karikiert: Auch Santi (Vincent Elbaz) ist so ein Supercop und legt die Bösewichte in einer perfekten Choreographie der Reihe nach um, ohne sich auch nur das Handgelenk zu verstauchen. Doch die Szenen bebildern nur die Gutenachtgeschichte, die Yvonne (Adèle Haenel) ihrem Sohn allabendlich erzählt. Ihr Mann kam vor zwei Jahren ums Leben und gilt in den Augen der Bewohner ihrer Heimatstadt an der Côte d’Azur als Held. Doch als ein Verbrecher die Kommissarin als Witwe von Santi erkennt, zerbricht für Yvonne eine Welt. Ihr Mann, jene Lichtgestalt, machte gemeinsame Sachen mit der französischen Unterwelt. Wegen ihm sitzt der einfache Angestellter Antoine (Pio Marmai) seit acht Jahren unschuldig hinter Gittern. Als er freikommt ist er ein Wrack. Seine Frau Agnès (Audrey Tautou) erkennt ihn kaum wieder. In seiner Verzweiflung stürzt sich Antoine von einer Brücke und als Yvonne ihn rettet, sieht er ausgerechnet in ihr eine Heldin. Fortan hat sie alle Hände voll zu tun, den durchgeknallten Antoine vor sich selbst zu bewahren. Der actionreiche Auftakt setzt den absurd-komischen Ton für Pierre Salvadoris (»Liebe um jeden Preis«) Film, führt aber gleichzeitig in die Irre. Der etwas platt betitelte »Lieber Antoine als gar keinen Ärger« verzichtet auf Brachialkomik und setzt den Gags eine feinfühlige Auseinandersetzung mit Schuld und den Folgen eines Justizirrtums entgegen. Wie lebt man weiter, nachdem einem das Leben geraubt wurde? Diese Frage beschäftigt Antoine und Yvonne gleichermaßen, basiert doch auch ihr Leben auf einer Lüge. Eine clever gestrickte französische Komödie mit gut aufgelegten Darstellern und viel Situationskomik.
> »Lieber Antoine als gar keinen Ärger«: ab 24.10., Passage Kinos

Die 17-jährige Yara stammt aus einer albanischen Familie, arbeitet in Hamburg in einem Lebensmittelladen, kümmert sich um die jüngere Schwester und leidet unter dem machohaften Gehabe des älteren Bruders Bekim. Als Yara die Bekanntschaft mit der etwas älteren Kiki macht und sich schließlich in diese verliebt, sind die Probleme bereits vorprogrammiert. Bekim und Yaras Vater heißen die lesbische Liebe nicht gut und wollen das Mädchen mit einem Nachbarn zwangsverheiraten. Daraufhin nehmen die beiden jungen Frauen in »Bonnie & Clyde«-Manier Reißaus, was ihnen in den sozialen Netzwerken zwar viele Bewunderer, aber auch viele neue Probleme einbringt. In Ali Hakims Langfilmdebüt »Bonnie & Bonnie« schwingt viel düstere Romantik mit. Insgesamt durchweg professionell gestaltet und überzeugend gespielt, wenngleich sich die konventionelle Geschichte in ihrer Dramaturgie eher an Fernsehstandards orientiert. Ausführliche Kritik von Frank Brenner im aktuellen kreuzer.
> »Bonnie & Bonnie«: 24., 29.–31.10., 5./6.11., Cineding

Weitere Filmtermine der Woche

Das Filmriss Filmquiz
… denn sie quizzen nicht, was sie tun!  Wenn Bruce Willis auf alles außer Tiernahrung Prozente gibt, klingeln euch die Ohren? Ihr pfeift das Lied vom Tod unter der Dusche? Das einzige Gebet, dass ihr auswendig vorbeten könnt, ist Ezekiel 25:17? Dann seid ihr hier zuhause. Hier dürft ihr Kinonerd sein und werdet belohnt: tonnenweise Merchandise aktueller Kinoproduktionen warten auf euch. Groovy Baby!

> 24.10., 21 Uhr, StuK – Studentenkeller



Lateinamerikanische Tage


Eigentlich sind es ja schon einige Jahre mehr, die der Verein Sudaca uns alljährlich mit spannenden neuen Produktionen aus Lateinamerika versorgt. Aber seit zehn Jahren sind es nicht mehr ausschließlich argentinische Filme, die im Oktober über die Leipziger Leinwände flimmern, sondern auch Produktionen etwa aus Mexiko oder der Dominikanischen Republik. Eine Woche lang zeigen kurze und lange Spiel- und Dokumentarfilme die Vielfalt der Filmlandschaft.
> »Lateinamerikanische Tage«: 17.–26.10., Schaubühne Lindenfels, Cineding, Kinobar Prager Frühling, Mühlstraße 10 und  PEISSNITZHAUS in Halle

Eldorado – The Struggle for Skouries 
Der Film dokumentiert den Kampf der Bevölkerung gegen Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen bei Europas größtem Bergbauprojekt. – Globale
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24.10., 20 Uhr, Geschwister-Scholl-Haus

European Outdoor Film Tour 


Kurzfilmprogramm mit Outdoor- und Abenteuerdokus.
> 24.10., 20 Uhr, Werk 2/Halle A

Porträt einer jungen Frau in Flammen 


Auf einer abgelegenen Insel in der Bretagne am Ende des 18. Jahrhunderts entwickeln sich Gefühle zwischen der Pariser Malerin Marianne und der künftigen Braut und ehemaligen Klosterschülerin Héloïse. Céline Sciamma gelingt mit ihrem Historienfilm eine sehr heutige Reflexion über weibliches Begehren, weibliche Blicke und eine unmögliche Liebe.
> 25.10., 20 Uhr, Passage Kinos

Hotel Deutschland 


1989, das Jahr der Wende. Der Tübinger Dokumentarfilmer Stefan Paul macht sich auf den Weg in seine alte Heimatstadt Leipzig, um der Wende zuzuschauen, den Aufbruch aufzuspüren. In der Musikszene, unter Künstlern, auf der Straße, in Gesprächen. Am 26.10. erzählt der Regisseur in der Ratstonne persönlich von dem, was er vorfand.
> 26.10., 20 Uhr, Moritzbastei

Nieznajomi 
Während des Abendessens beschließt eine Gruppe von Freunden ein Spiel zu spielen. Sie müssen eingehende Nachrichten auf ihren Telefonen anzeigen und Anrufe in den Freisprechmodus schalten. Schnell stellt sich heraus, dass alle Geheimnisse haben. – Polnisches Kino
> 26.10., 17 Uhr, 27.10., 20 Uhr, Cineplex

Cleo 


Amélie in Berlin: Märchenhafte Liebesgeschichte in der Hauptstadt, visuell einfallsreich inszeniert. – Filmreihe »Sommerlochopfer«
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27.10., 17 Uhr, Schauburg

Fisherman’s Friends 
2010 landete eine Gruppe von Fischern aus Cornwall einen Überraschungshit in den britischen Top 10 mit einem Album aus Shantys. Die musikalische Komödie erzählt ihre Geschichte ziemlich frei, aber mit entwaffnendem Charme.
> 27.10., 17 Uhr, Regina Palast

Lola rennt 


Dreimal wiederholt sich der Versuch einer jungen Frau, ihrem Freund aus der Patsche zu helfen – mit jeweils unterschiedlichem Ergebnis. Berlin-Kultfilm. – im Rahmen von »Call me by your Phone« mit Einführung.
> 27.10., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmeU)

Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte 


Der 1942 in Kärnten geborene österreichische Schriftsteller und diesjährige Literaturnobelpreisträger Peter Handke avancierte dank Werken wie »Publikumsbeschimpfung« oder »Die Angst des Tormanns beim Elfmeter« zum Popstar der schreibenden Zunft. In ihrem Dokumentarfilm untersucht Regisseurin Corinna Belz, wie der Autor schreibt, wie er seine Beobachtungen in Kunst verwandelt und mit den großen Fragen ringt.
> 27.10., 15 Uhr, 29.10., 21 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Russisches Kino: »Text« (R 2019; OF)
Russisches Kino im Original ohne Untertitel – diesmal mit dem Thriller »Text« in dem ein Mann der sieben Jahre lang unschuldig im Gefängnis saß vergeblich versucht, in sein altes Leben zurückzukehren. Stattdessen bekommt er das Handy des Mannes in die Hand, der ihn einst hinter Gitter brachte und verliert sich zunehmend im Leben seines Feindes.
> 27.10., 17,30 Uhr, Cineplex, 17 Uhr, Cinestar, Regina Palast

Fear and Loathing in Las Vegas 


Nach dem Roman des Kult-Reporters und Drogen-Freaks Hunter S. Thompson, der in den siebziger Jahren den »Gonzo-Journalismus« erfand. – Montagskino
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28.10., 20.30 Uhr, Dr. Hops

Im inneren Kreis 
Iris P. führte enge Freundschaften und ging intime Beziehungen mit Menschen ein, die sie zugleich ausspionierte. Als Verdeckte Ermittlerin »Iris Schneider« forschte sie jahrelang die linke Szene und die »Rote Flora« in Hamburg aus. – Frei Raum
> 28.10., 19 Uhr, Cineding

Punishment Park 


Peter Watkins entwirft in seinem hochpolitischen Film eine Dystopie zur Zeit des Vietnamkriegs, wo Kriegsgegner in einem Straflager interniert werden. Dort haben sie die Wahl zwischen Haft oder einem dreitägigen Lauf durch die Wüste – ohne Wasser. – Paradoks mit Einführung und Director’s Statement
> 28.10., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OF)

Killer of Sheep 


Das Schwarzen-Ghetto Watts in Los Angeles in den siebziger Jahren: Charles Burnetts meisterhafter Film gibt keine einfachen Lösungen vor, aber mit dokumentarisch genauen Bildern wird gezeigt, wie Lebensmut über das soziale Elend siegt. – Paradoks mit Einführung
> 29.10., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmU)

Dragonfly Eyes 


Ein Spielfilm, ausschließlich zusammengesetzt aus dem echten Material verschiedener Überwachungskameras. Xu Bings formales Experiment erzählt eine surreale Liebesgeschichte, die einer seltsam entrückten Wirklichkeit entrissen ist, und reflektiert gleichzeitig kunstvoll über den Terror der Überwachung im öffentlichen Raum und den Verlust der Privatsphäre. – Paradoks mit Einführung
> 29.10., 21 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmU)

In den letzten Tagen der Stadt 
Es ist 2009, zwei Jahre vor der ägyptischen Revolution: Der 35 Jahre alte Filmemacher Khalid will einen Film über seine Heimatstadt Kairo drehen, obwohl dort sein Leben in Gefahr ist. – Paradoks mit Einführung
> 30.10., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmU)

We Live in Silence / Soleil Ô 


Zwei Filme über koloniale Denkweisen, die wirtschaftliche wie kulturelle Ausbeutung, Lebensbedingungen, Entfremdung und allgegenwärtigen Rassismus. – Paradoks mit Einführung
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31.10., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmU)

Scary Stories to Tell in the Dark 


Klassischer Grusel um eine Gruppe Jugendlicher, die in ein verfluchtes Haus eindringen und den Geist einer mordenden Geschichtenerzählerin beschwören.
> 28.10., 21 Uhr, Passage Kinos (OmU)

Tolkien 
Biopic über den »Herr der Ringe«-Autor J. R. R. Tolkien, das sich auf die Kriegsjahre und die Beziehung zu seiner Frau Edith konzentriert. – Filmleben
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28.10., 17.30, 20 Uhr, Cineplex

Anna Göldin – Letzte Hexe 


Der Film basiert auf den wahren Begebenheiten um die letzte Hinrichtung einer »Hexe« in der Schweiz im Jahre 1782, was europaweit Protest und Empörung auslöste. – zum 285. Geburtstag von Anna Göldin
> 29.10., 19 Uhr, Frauenkultur

Penguin Highway 


Der Viertklässler Aoyama-kun untersucht das plötzliche Auftauchen von Pinguinen überall in seinem Dorf. – Anime Special
> 29.10., 20 Uhr, Cineplex

Terror in Dresden / Das Gemeinschaftsbild / Vor allem aber bin ich Nomade – Der Maler A.R. Penck in Dresden
Rahmenprogramm zur Ausstellung »Point of No Return« in der MdbK
> 29.10., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Three Times 


> Drei Geschichten über Frauen, Männer und die Liebe in drei verschiedenen Zeiten – 1911, 1966 und 2005 – von dem vielfach preisgekrönten Meister Hou Hsiao-hsien. – im Rahmen der Filmreihe: Begierde
> 29.10., 19.15 Uhr, Konfuzius-Institut Leipzig (OmeU)

Driving Europa 


Mit dem Gefühl, Europa driftet auseinander, begeben sich Ina, Felix und Tim auf eine außergewöhnliche Reise. Sie verlegen ihre Hamburger WG in einen selbst ausgebauten Van. Ihr Ziel: In jedem EU-Land mit den unterschiedlichsten Menschen über deren Hoffnungen und Ängste hinsichtlich der Europäischen Union zu sprechen.
> 30.10., 21 Uhr, Ost-Passage Theater

Ein Gauner und Gentleman 


Eine Schauspielerlegende nimmt ihren Hut: Robert Redford ist noch einmal in einer maßgeschneiderten Hauptrolle zu sehen, als gealterter Bankräuber mit Charme, Witz und Charakter. – Kinokränzchen mit Kaffee und Kuchen
> 30.10., 14 Uhr, Cineplex

Kaufen für die Müllhalde 


Der Dokumentarfilm geht dem Phänomen der geplanten Obsoleszenz nach und wirft einen kritischen Blick auf die moderne Wegwerfgesellschaft. – Mittwochsattacke/Globale
> 30.10., 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels

System Error 


Der Kapitalismus bestimmt alle Lebensbereiche und diktiert ewigen Wachstumszwang. Alle sehen, dass die Ressourcen der Erde schwinden und die Umwelt immer mehr kaputtgeht, aber trotzdem ist der Widerstand gegen die kapitalistische Art der Warenproduktion gering. – Postwachstum – Was kannst Du tun?
> 30.10., 19 Uhr, Kinobar Prager Frühling

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