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Das Imperium schlägt zurück

Von Leipzig in die ganze Welt. Seit 15 Jahren versorgt Impericon die Metalcore-Szene mit Shirts und Shorts

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Von der Szene für die Szene: Vor 15 Jahren gründeten zwei Freunde einen Online-Shop für Merchandise, heute beschäftigt das Leipziger Unternehmen Impericon 80 Menschen und ist in der Metalcore-Szene so wichtig wie eine große Plattenfirma.

In dieser Szene, in dieser Halle ist kein Platz für Faschisten, Rassisten, Homophobe!« Tausende jubeln, als Stick to Your Guns auf dem Impericon-Festival ihr Statement verkünden. In Leipzig ist die Metalcore-Szene nicht nur fanmäßig gut aufgestellt: Hier sitzt ihr wichtigster Player weltweit. Der richtet auch erwähntes Festival jährlich auf der Neuen Messe aus, bei dem bis hin zur Wall of Death bewegungstechnisch alles drin und die Ohrtunneldichte so hoch wie nirgendwo sonst ist.

Impericon macht als Streetware-Firma und Lifestyle-Marke unternehmerisch alles richtig. Seit Jahren bindet der subkulturelle Klamotten- und Accessoiresvertreiber die Hard-, Metal- und Death-Core-Szene fest an sich. Das Leipziger Unternehmen bietet in Kooperation für viele Bands das Merchandise an. Und weil die Bilder auf den T-Shirts in der Szene ebenso zählen wie die Musik, ist eine Firma wie Impericon genauso wichtig wie eine Plattenfirma.

»Wir wurden im Conne Island sozialisiert«, sagt Martin Böttcher beim Treffen mit dem kreuzer im Firmensitz mit Blick auf die Deutsche Bücherei. Hier in einer Etage am Deutschen Platz residieren die Kreativabteilung und Verwaltung, das Lager liegt am Stadtrand. Böttcher hat gemeinsam mit seinem Freund Ulrich Schröter das Unternehmen 2004 gegründet – aus der Szene für die Szene, wie es so schön heißt. Böttcher stammt aus einem sachsen-anhaltinischen Ort rund eine Autostunde von Leipzig entfernt. Er kannte Stadt und Szene, als er hierher zog, um Wirtschaftsinformatik zu studieren. Nebenbei importierten die Freunde Merchandise-Artikel wie T-Shirts aus den Staaten. Dann entstand der Impuls, die Fan-Artikel für in Europa tourende US-Bands selbst zu machen, damit sie diese hier verkaufen konnte. Das ist günstiger, als sie über den Teich zu transportieren. Daraus entwickelten sich ein Geschäft und die Idee, einen Online-Shop für eine Nische anzubieten. Impericon war geboren. Den Ursprungsnamen Imperial Clothing mussten sie 2011 aufgrund eines Namenstreites ändern, der neue ist ein Kofferwort für »Imperial Conspiracy«. Unterdessen schmiss Böttcher seinen Job, betreibt seit 2008 das Unternehmen in Vollzeit.

»Wir haben die Musik komplett gelebt, waren nah dran, haben sie verstanden«, sagt Böttcher über den Erfolg. Einen »glücklichen Umstand« nennt er es, dass die australische Band Parkway Drive zum engen Impericon-Kreis zählt. Die haben sich unterdessen zu den Überfliegern des Genres entwickelt, Impericon erstellt ihren Merch. Auch gute Bekanntschaften zu lokaleren Ikonen wie Heaven Shall Burn aus Jena haben dem Unternehmen geholfen. Heute arbeiten 80 Leute bei Impericon, das auch ausbildet. Dass man im Musikbusiness arbeitet, sehe man vielen hier an, meint der Referent für Öffentlichkeitsarbeit Marcel Reichenbecher. Eine Affinität zu Metal und Punk sei nicht verkehrt. Ihn selbst luden die Chefs zum Bewerbungsgespräch einfach zum Impericon-Festival nach Leipzig. »Das Gespräch fand dort im VIP-Bereich statt und überzeugte mich. Wie hätte ich das absagen können?«

Das Festival ist eine logische Entwicklung. Ursprünglich diente es zur Markenbildung, wurde dann aber auch ein finanzieller Erfolg. Das Ein-Tages-Festival fand 2011 im Werk II statt, zog dann aufs Agra-Gelände und lärmt seit 2017 auf der neuen Messe herum. »Es ist als Kick-Off in die Saison gedacht«, sagt Reichenbacher. »Aber es ist als Indoor-Variante auch nicht so risikoreich wie Open-Air.« In dieser 
urbanen Jugendkultur liegt die Höchstphase im Alter zwischen 15 und 25 Jahren, sagt Böttcher. »Bei uns sollen sie ihre fünf besten Jahre erleben können.«

»Natürlich kann man sich die Frage stellen, was man eigentlich macht, wenn man bunte Shirts in der Überflussgesellschaft anbietet«, sagt Böttcher selbstkritisch. Aber dem Kapitalismus entkommt man nicht allein. Dabei ist die junge Szene auch eine Herausforderung und der Markt nicht konkurrenzlos. »Wir mussten uns öffnen«, sagt Gründer Martin Böttcher. Das Angebot wurde auf andere Musikbereiche ausgeweitet. »Man bekommt bei uns auch Slayer, Black Sabbath und Pink Floyd«, berichtet Böttcher, bevor er bestimmt wird: »Aber Freiwild kommt bei uns nicht in die Tüte!«

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