Startseite / Kultur / Scham-Schule

Scham-Schule

Jenseits der Norm: Im Lofft startet eine Feier der Körperformen

Größeres Bild

Die Normierung von Körpern, das Zeigen von rein normierten Körperbildern in Medien, Filmen und Werbung erzeugt einen oft krank machenden Druck, unter dem alle Geschlechter stehen. »School of Shame« untersucht die Mechanismen von Scham und feiert die Körperformen.

»Unsere Körper werden nicht länger gebraucht, um andere Dinge herzustellen, sondern wir modellieren die Körper jetzt«, sagte die Psychoanalytikerin Susi Orbach mal im Gespräch mit dem Autor. »Würde ich diese Körperstörungen eine verbreitete Krankheit nennen? Ja! Es ist eine kulturelle Krankheit. Aber wir tun uns schwer damit, zu erkennen, dass wir ständig neue Körper kreieren wollen, die niemals stabil oder ausgeglichen sein können.« Die Normierung von Körpern, das Zeigen von rein normierten Körperbildern in Medien, Filmen und Werbung erzeugt einen oft krank machenden Druck, unter dem alle Geschlechter stehen. Wer den Normen nicht entspricht fühlt häufig Scham, ja schämt sich, sie selbst oder er selbst oder sier selbst zu sein. Das ist ein Skandal!

Diese Einstellung stand am Anfang von »School of Shame«, einer Kooperation von Polymora Inc. und dem Tanzlabor. Darin untersuchen fünf Perfomerinnen, zum Teil kennen sie sich bereits aus früheren Produktionen, die Mechanismen von Scham. Gedankliche Fluchtlinien bilden etwa Queerness und die Gleichrangigkeit verschiedener Körpertypen. Jede der fünf hat ihre Erfahrungen und Ideen mit eingebracht, die sich zum Mosaik aus Tanz und Gesang fügen.

Beim Probenbesuch Anfang Oktober in der Villa zeigt das Kollektiv kleine Einblicke in die noch unfertige Fassung. Ein Monolog an Monica Lewinsky ist zu sehen, der auch nach 20 Jahren die Affäre mit Bill Clinton wie ein ekliges Etikett anhängt. Eine Perfomerin singt und tanzt zum Song »Ich find dich scheiße«. Später genießt sie – in einer Gruppenszene zu »Such a Shame« – wie mittels Fön ihre langen Haare fliegen. Die anderen schmiegen sich zärtlich ineinander zu Gruppentanzfiguren. Es ist ein Spiel auch mit dem voyeuristischen Blick, dem sich diese Selbstbewussten aussetzen. Die Schule der Scham wird hier zur mutigen wie körperlich-sinnlichen Feier der Diversität, ein Fest, sich so zu nehmen, wie man ist, und darauf zu bestehen, sich für seinen Körper nicht schämen zu müssen.

> »School of Shame«: 28.11 (Premiere), 29./30.11., 20 Uhr, Lofft

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare