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Das Ende ist nah

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Das Kinojahr geht zur Neige und bevor die Oscars diktieren, was international die besten Filme des Jahres gewesen sein sollen, legt die Kinobar ihr Best-of vor. Jarmush und Tarantino gehören dazu, klar. Aber auch »Parasite« und der »Joker«. »Der goldene Handschuh« überrascht, »Bohemian Rhapsody« eher nicht. Auf »Systemsprenger« können sich derweil alle einigen. Jetzt muss die Academy nachziehen.
> »Best of 2019«: Kinobar Prager Frühling

Film der Woche: Es muss sich gut anfühlen, so beliebt zu sein wie Klaus Schwab. Menschen aus aller Welt treffen sich zwischen den weißen Gipfeln der winterlichen Schweizer Alpen, und sie alle scheinen sich zu freuen, wenn sie aus dem Fahrstuhl steigen und dem lächelnden, älteren Herrn freudig erregt die Hand schütteln. Auch untereinander scherzen sie oft, wenn sie in ihren maßgeschneiderten Anzügen Konferenzen in oft brüchigem Englisch abhalten. Aber so richtig können sie sich alle ja doch nicht leiden, sonst wären sie alle wohl kaum hier, in Davos, in diesem »globalen Dorf«, beim Weltwirtschaftsforum (WEF).

Als solches bezeichnet ebenjener Klaus Schwab das Treffen der Eliten aus Wirtschaft, Politik und anderen Bereichen, das seit den frühen Siebzigern einmal jährlich in dem kleinen Städtchen in Graubünden stattfindet. Schwab entwickelte damals die Idee hierzu: Sei es nicht sinnvoll, wenn es einen Ort gäbe, an dem so viele Mächtige wie möglich zusammenkommen, um zu reden, bevor die Waffen sprechen? Ähnliche Formate, wie die G7- oder G20-Gipfel, wurden erst später etabliert; dem Treffen in Davos wohnt also eine gewisse Exklusivität inne.

Medienvertreter sind seit jeher Teil der mehrtägigen Veranstaltung, ein unabhängiger Blick hinter die Kulissen galt bislang jedoch als Träumerei. Der Film »Das Forum« wirbt dafür, diese Barriere nun erstmals und nach fünfjähriger Vorbereitung durchbrochen zu haben. Und tatsächlich: Verhandlungen zwischen Donald Trump und Bayer-CEOs, oder spontane Gespräche zwischen Umweltaktivist und Ex-US-Vizepräsident Al Gore bekommt man so nicht alle Tage zu sehen.

Im Mittelpunkt des Films steht der bereits erwähnte Klaus Schwab, der immer wieder in Einzelinterviews seine Gedanken zum WEF in Worte fasst, historische Erinnerungen verrät und manch Anekdote fallen lässt. Hört man ihm zu, dann merkt man, dass es ihm in erster Linie nicht um messbare Ergebnisse geht, mit denen im Gepäck die Gäste aus allen Winkeln des Globus am Ende des Gipfels wieder abreisen. Vor allem geht es darum, überhaupt miteinander zu sprechen.

Doch es gibt sie: Stimmen, denen das nicht mehr reicht. Speziell in Fragen der Klimapolitik sei rasches Handeln in globalen Dimensionen wichtiger denn je; so oder so ähnlich klingt das bei Greta Thunberg oder Jennifer Morgan, Leiterin von Greenpeace International. Beide machen keinen Hehl daraus, dass sie sich nicht viel davon erhoffen, beim WEF zu sprechen, dass sie kein Vertrauen in die handelnden Ökonomen und Politiker besäßen. So stolz, wie Klaus Schwab erzählt, dass der Gipfel bald plastikfrei über die Bühne gehen werde, so ratlos wirkt er schließlich in einer der letzte Sequenzen des Films, die ihn beim Vorlesen eines Briefs von Thunberg an ihn zeigt.

»Das Forum« ist ein guter Film, doch sollte man nichts von ihm erwarten, was er nicht leisten kann. Dieser Film, der ohne einordnende Kommentare aus dem Off auskommt, zeigt zwar Szenen hinter den Kulissen, doch wissen die Gezeigten natürlich zu jedem Zeitpunkt, dass die Kamera läuft. ALEXANDER KULLICK
> »Das Forum«: 11./12., 17., 22./23.12., Cinémathèque in der Nato

Den Roman »Motherless Brooklyn« von Jonathan Lethem zu verfilmen, ist ein Akt der Liebe für Edward Norton. Das merkt man seiner zweiten Regiearbeit nach der Komödie »Glauben ist alles« (2000) an. Wohl kaum ein Regisseur hätte sich an einen 50er Jahre Krimi mit einer Hauptfigur, die an Tourette leidet, herangetraut. Der Schauspieler übernahm die Rolle gleich selbst und inszenierte eine warmherzige Hommage an den Film Noir, eine Ode an die Underdogs. Als sein Boss Frank Minna (Bruce Willis) getötet wird, ermittelt Privatdetektiv Lionel Essrog (Norton) in einem Bestechungskrieg, in dessen Mittelpunkt der Baumogul Moses Randolph (Alec Baldwin) steht. Vor den Augen des gutmütigen Lionel entwickelt sich ein Krimi, der alle Genreregister zieht: Zwielichtige Typen mit Hut, laszive Damen in Jazzclubs und korrupte Cops im pulsierenden Herzen von New York.
> »Motherless Brooklyn«: ab 12.12., Regina Palast, Schauburg

Die 42-jährige Schauspielerin Mareile zieht sich aus dem Vorabendprogramm zurück und tauscht ihre Fernsehkarriere gegen ein Provinztheater. Die 17-jährige Nina hat ihr Abi sausen lassen und strebt eine Karriere als Model in Mailand an. Zwei spannende Lebenswege, denken sich auch Leonie Stade und Annika Blendl. Die jungen Filmemacherinnen nehmen einen 100.000 Euro Kredit von einem schmierigen Typen an und begleiten die beiden Frauen mit der Kamera. Doch mit den Fehlschlägen und geplatzten Träumen ihrer Protagonistinnen wächst auch der Druck bei den Regisseurinnen – und so schalten sie sich proaktiv selbst in die Handlung ein. »All I Never Wanted« ist Spielfilm und Doku zugleich, dramaturgisch stark und an manchmal schwer erträglich. Ein erschreckender, weil realistischer Einblick in die Branche, die einige abschrecken dürfte, die als Berufswunsch »irgendwas mit Medien« angeben. Ausführliche Kritik von Alexander Kullick im aktuellen kreuzer.
> »All I Never Wanted«: ab 12.12., Passage Kinos

Weitere Filmtermine der Woche
Das Filmriss Filmquiz
…denn sie quizzen nicht, was sie tun!  Wenn Bruce Willis auf alles außer Tiernahrung Prozente gibt, klingeln euch die Ohren? Ihr pfeift das Lied vom Tod unter der Dusche? Das einzige Gebet, dass ihr auswendig vorbeten könnt, ist Ezekiel 25:17? Dann seid ihr hier zuhause. Hier dürft ihr Kinonerd sein und werdet belohnt: tonnenweise Merchandise aktueller Kinoproduktionen warten auf euch. Groovy Baby!
> 12.12., 21 Uhr, StuK Studentenkeller

Keeping & Saving – Or How to Live
Die Filmreihe Smallfilms zeigt Filme aus dem Archiv des DOK Filmfestivals. Diesmal geht es um das Sammeln und welche Bedeutung Dingen zugeschrieben wird. Die Regisseurin Dinga Sinke untersucht in ihrem Dokumentarfilm die unterschiedlichen Beziehungen des Menschen zum Materiellen und fragt auch nach einem zukünftigen Szenario das von virtuellen Clouds bis zu kollektiven Eigentümern reicht.
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12.12., 19 Uhr, Galerie für Zeitgenössische Kunst

Die Feuerzangenbowle


Alle Jahre wieder gibt es den Klassiker, in dem sich Heinz Rühmann als Gymnasiast tarnt, um nie gemachte Pennälerstreiche nachzuholen.
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13.12., 19 Uhr, KOMM-Haus

Horror Double Feature


Horror-Doppel jeweils in der englischen Originalsprachfassung bzw. mit Untertiteln: Eine Gruppe Menschen versteckt sich in einem Farmhaus vor einer Horde blutrünstiger Zombies. (The Night of the Living Dead, im Foto). Ein traumatisierter Mann arbeitet verkleidet als Weihnachtsmann, wo er bald die Rute gegen ein scharfes Beil tauscht (Silent Night, Deadly Night).
> 13.12., 21.15 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

The Man from Earth


Der angesehene Professor John Oldman gibt nach zehn Jahren seine Stelle auf. Auf einem letzten Treffen wollen sich Freunde und Kollegen von ihm verabschieden. Der Biologe Harry kommt, die Theologin Edith, der Anthropologe Dan, die Historikerin Sandy, der Archäologe Art, die Studentin Linda und der Psychiater Dr. Will Gruber. Keiner von ihnen weiß, wieso John geht. Bald erfahren sie sein Geheimnis. – Unikino Kaleidoskop im Hörsaal 4
> 13.12., 18 Uhr, Campus Augustusplatz

Jak Poslubic Milionera


Polnisches Kino in der Originalfassung mit englischen Untertiteln, diesmal mit der Komödie »Jak Poslubic Milionera«, in der es um Menschen geht, die mithilfe eines Kurses die ganz große und möglichst auch reiche Liebe finden möchten.
> 14.12., 17 Uhr, Cineplex (OmeU)

Spur der Steine


Manfred Krug sorgt als Zimmermann mitsamt seiner Brigade auf einer Großbaustelle für anarchische Stimmung. »Der Film gibt ein verzerrtes Bild unserer sozialistischen Wirklichkeit wieder«, schrieb Neues Deutschland. Kein Wunder, dass die exzellente Gesellschafts-Satire gleich nach ihrer Premiere verboten wurde. – DEFA-Klassiker verbotene DDR-Filme
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14.12., 16 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Leonardo: Die Werke


Exhibition on Screen: Aufnahmen aus der National Gallery in London, wo die größte Ausstellung von Gemälden von Leonardo Da Vinci stattfand, die es je gab. – Kunst trifft Film anlässlich des 500. Todestages von Leonardo da Vinci
> 15.12., 11.30 Uhr, Passage Kinos

Gorillaz: Reject False Icons


Dokumentation über die erfolgreichste virtuelle Band der Welt. – Cinestar Special
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16.12., 20 Uhr, Cinestar

Best of Kurzsuechtig 2019
Am kürzesten Tag des Jahres steht wie immer die große Kunst des kurzen Films im Spotlight. Die Schaubühne serviert dazu eine Rolle mit den besten Kurzfilmen Mitteldeutschlands, den Gewinnern des diesjährigen Kurzsuechtig-Filmfestivals.
> 18.12., 21 Uhr, Ost-Passage Theater

Der Blonde


In einem Vorort von Buenos Aires ist Gabriel gerade bei seinem Kollegen Juan eingezogen. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich unerwartet eine leidenschaftliche Beziehung. – Queerblick
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18.12., 19.30 Uhr, Passage Kinos (OmU)

Horror-Doppel mit Donis
Nicht nur die politische Situation in Österreich sorgt derzeit für Angstzustände. Auch der Genrefilm lebt im Nachbarland. Höchste Zeit für ein Ösi-Horror-Spezial mit dem perfiden Psychothriller »Ich seh, ich seh« und Monsterhorror mit »Blutgletscher«.
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18.12., 20, 22 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

The Children of Vank


Die Nachkommen der wenigen Überlebenden des Völkermordes an den Armeniern zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Dersim. – Screening Religion mit Regiegespräch
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18.12., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmeU)

Edward mit den Scherenhänden


Ein künstlicher Mensch, der Scheren statt Hände hat, gerät in eine amerikanische Durchschnittsfamilie und verliebt sich in die Tochter des Hauses. Dunkles Märchen von Tim Burton. – MoritzKino
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19.12., 20 Uhr, Moritzbastei

Mensch Meier. Echt jetzt?


Was wäre, wenn du im Skiurlaub der Freundin auf einer wilden Hüttenparty den Heiratsantrag machst, wenn du am letzten Arbeitstag vor den Ferien im Büro eingeschlossen wirst, wenn du deiner Mutter die Politkarriere versaust? Antworten bieten die Shorts Attack. (Filmstill: »Enough«)
> 19.12., 20 Uhr, UT Connewitz

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