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Honig, Tanz und traurige Mädchen

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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…und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Das Kino ist bei gesellschaftlichen Themen gern mal einen Schritt voraus, akzeptiert und toleriert schon längst, während Politiker noch zweifeln und verteufeln. So gab es auch im letzten Jahr eine ganze Reihe Filme, die sich mit LGBTQI-Themen auseinandersetzten. Der Prager Frühling und das UT Connewitz haben daraus eine kleine, feine Auswahl getroffen, die sie wieder vom 9. bis 15. Januar im Rahmen der Queeren Filmwoche auf die Leinwand bringen. Darunter das Drama »Als wir tanzten« von Levan Akin, der schwedische Oscar-Beitrag, der nun endlich auch in Leipzig zu sehen ist. In dem ersten LGBTQI-Film der in Georgien spielt, geht es um den jungen Tänzer Merad, der an der Akademie des Georgischen Nationalballetts studiert und sich in seinen vermeintlichen Rivalen verliebt. Für seine eindrückliche Performance wurde der Hauptdarsteller Levan Gelbakhiani bereits vielfach ausgezeichnet und auch für den Europäischen Filmpreis nominiert. Auch in »Der Honiggarten – Das Geheimnis der Bienen« geht es um eine gesellschaftlich fast unmögliche Liebe, als sich die alleinerziehende Lydia im prüden England der 50er Jahre auf ihre Ärztin einlässt. In dem kanadischen Musical »The Making of Monsters« wird die Gewalt an einem schwulen Lehrer mit Hilfe von Musik erzählt – im UT Connewitz widmet sich die Gender-Wissenschaftlerin Natascha Frankenberger anhand des Films der Frage nach »Queerem Aktvismus und dem utopischen Potential eines Musicals«. Um Fetische geht es diesmal hingegen im Kurzfilmprogramm, das die Highlights des Berliner Pornfilmfestivals zeigt, dazu läuft auch der Gewinnerfilm des Festivals »Die traurigen Mädchen aus den Bergen«. Auch schillernde Gestalten der Szene kommen zu Wort, wie Jean Paul Gaultier im Dokumentarfilm »Freak & Chic«, Rosa von Praunheims neuer Film »Darkroom – Tödliche Tropfen« ist ebenfalls Teil des Programms, und Rami Malek ist nochmal in seiner oscarprämierten Performance als Freddy Mercury zu sehen – bevor er als Bösewicht bald James Bond das Leben schwer machen wird.

HANNE BIERMANN

»Queere Filmwoche«: 9. bis 15.1., Kinobar Prager Frühling, UT Connewitz

1968 ist Judy Garland am Ende. Der frühe Erfolg und der jahrelange Druck durch den Hollywood-Produzenten Louis B. Mayer haben Spuren hinterlassen. Judy ist Tablettenabhängig und Alkoholikerin. Das Showbiz hat sie längst abgeschrieben, ebenso ihr Mann. Ihre Launen und ihre Unzuverlässigkeit wurden allen irgendwann zu viel. Geblieben sind ihr nur noch die beiden Kinder. Um sie zu behalten, muss sie nach London und dort eine Reihe von Shows geben. Doch die Geister der Vergangenheit holen sie ein. Renée Zellweger wächst über sich hinaus. »Judy« ist ihr Film und ihre schauspielerisch stärkste Leistung. Eine Oscarnominierung dürfte ihr sicher sein. Der Film von Rupert Goold (»True Story – Spiel um Macht«) ist dagegen inszenatorisch eher auf Fernsehniveau. Eine Showbiz-Ballade ohne Glanz und Glamour und in der Charakterzeichnung abseits der Hauptfigur zu dünn. 

»Judy«: ab 2.1., Passage Kinos, Schauburg

Milchkrieg in Dalsmynni. Die Genossenschaft ist wie eine Familie für die Bauern im ländlichen Island. Sie ist da, wenn es nicht so gut läuft, nimmt ihnen die Milch ab und fängt verschuldete Höfe auf. Doch sie bestimmt auch die Preise und setzt Bauern unter Druck, um das Monopol zu halten. Diese Erfahrung macht nicht nur Inga. Nach einer familiären Tragödie steht sie alleine da, mit ihrem Hof und wehrt sich gegen die kollektiven Machenschaften. Engagiert, aber unaufgeregt schildert Grímur Hákonarson (»Sture Böcke«) die Geschichte einer starken Frau, die sich gegen die männliche Führungsetage zur Wehr setzt, einfühlsam verkörpert von Arndís Hrönn Egilsdóttir.

»Milchkrieg in Dalsmynni«: ab 9.1., Passage Kinos

Weitere Filmtermine der Woche

Ballon

(D 2018) – Filmreihe »Zeitgeschichte auf der Leinwand im Stasi-Kinosaal»

Zwei Familien wagten 1979 mit einem selbst gefertigten Heißluftballon – zu acht in einer winzigen Gondel – die Flucht aus der DDR. Daraus hat Bully nun einen Film gemacht. – Filmreihe »Zeitgeschichte auf der Leinwand im Stasi-Kinosaal«

9.1., 19 Uhr, Museum in der »Runden Ecke«

Shadow

Das erzählerisch-komplexe Historien-Drama von Zhang Yimou (»Hero«) erzählt von Krieg und Frieden im China zur Zeit der drei Königreiche. – Special

10.1., 22.45 Uhr, Cinestar (OmU)

1800 gramów

Komödie über die Geschichte von Ewa, die Familien für Waisenkinder sucht. – Polnisches Kino

11.1., 17 Uhr, Cineplex (OmeU)

Momo

Gelungener Märchenfilm nach dem Roman von Michael Ende über den Kampf eines Mädchens gegen böse Zeitdiebe. – Anfang mit Ende

11.1., 15 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Die unendliche Geschichte

Ein Junge gerät bei der Lektüre eines Fantasy-Abenteuers in die Handlung und soll das Land Phantasien vor dem alles verschlingenden »Nichts« retten. Aufwendige Verfilmung des Romans von Michael Ende. – Anfang mit Ende

12.1., 15 Uhr, Schaubühne Lindenfels

Lindenberg! Mach dein Ding!

Recht formelhaftes und viel zu langes Biopic der St.-Pauli-Jahre von Udo Lindenberg. – Preview am 8.1. und am 13.1. Vorpremiere in Anwesenheit von Udo Lindenberg, Regisseurin Hermine Huntgeburth und Hauptdarsteller Jan Bülow

13.1., 19.30 Uhr, Cinestar

Verkauftes Land

In einer Mischung aus Spielszenen und Interviews erinnert der vielfach preisgekrönte Fernsehregisseur Horst Königstein an einen der leitenden Mitarbeiter der Treuhand, den 2001 an den Folgen eines Schlaganfalls verstorbenen Klaus Schucht. In der Reihe »Das Ende einer Volkswirtschaft: Die Rolle der Treuhand«

13.1., 19 Uhr, Zeitgeschichtliches Forum

Bis dann, mein Sohn

Drei Jahrzehnte in drei Stunden: Der Berlinale-Gewinner legt den Wandel der Volksrepublik offen, zeigt, wie Politisches ins Private ragt. Eine brillant verwobene Zeitreise, nun endlich auch in Leipzig im Original. Am 14.1. außerdem mit kurzer Einführung durch Philipp Niemietz (Konfuzius-Institut Leipzig).

14.1., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Die Bergkatze

Stummfilm-Groteske in vier Akten von Ernst Lubitsch. – Stummfilmimprovisation mit Tilo Augsten am Klavier

14.1., 19.30 Uhr, Hochschule für Musik und Theater am Dittrichring

Exit

In »Exit« geht die Regisseurin Karen Winther der Frage nach, was ihr und einer Gruppe ehemaliger Extremisten als Weckruf diente, Gewalt und Radikalismus hinter sich zu lassen. Intime Gespräche mit ehemaligen deutschen, französischen, dänischen und amerikanischen Extremisten führen sie zur Hauptfrage: Was hat uns dazu gebracht unseren Lebensverlauf zu ändern? – Grassi Unterwegs/Re:Orient, mit Gespräch

14.1., 19 Uhr, Theatrium

También la lluvia

Ein Filmteam reist nach Bolivien, wo soziale Unruhen ausbrechen, als die Wasserversorgung privatisiert werden soll. Bildgewaltiges, vorzüglich gespieltes Drama, das im Rahmen einer klug konstruierten Film-im-Film-Geschichte auf mehreren Ebenen über vergangene und gegenwärtige Formen von Ausbeutung reflektiert. – Cine Español mit Einführung

14.1., 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels (OmU)

Unter dem Pflaster ist der Strand

Die Nachwirkungen der Studentenrevolten von 1968 in Deutschland aus der Sicht von zwei Beteiligten. Zentraler Film der deutschen Frauenbewegung und der 68er-Bewegung. – Auf der Suche – 11 Filme von Frauen aus der DDR sowie der BRD vor und nach 1990

14.1., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Vom Gießen des Zitronenbaums

Die Absurdität des Nahost-Konflikts und mittendrin ein Filmemacher: Bissig-humorvolle Auseinandersetzung mit dem Zustand unserer Welt. – am 14.1. Preview in Anwesenheit des Regisseurs Elia Suleiman

14.1., 20 Uhr, Passage Kinos

Das Vorspiel

Die Geigenlehrerin Anna setzt sich für den talentierten Jungen Alexander ein. Dadurch vernachlässigt sie zunehmend ihre eigene Familie. Starker Mix aus Charakterstudie, Familiendrama und psychologischem Thriller. – am 15.1. Preview in Anwesenheit der Hauptdarstellerin Nina Hoss und der Regisseurin Ina Weisse

15.1., 19 Uhr, Passage Kinos

Morgen sind wir frei

Im Februar 1979 fegt die »Islamische Revolution« über den Iran. Die ostdeutsche Chemikerin Beate folgt ihrem Ehemann Omid, einem in der DDR lebenden iranischen Dissidenten, voller Liebe und Hoffnung in dessen Heimat. Doch nach der anfänglichen Aufbruchsstimmung wird das Leben für Beate und ihre Tochter Sarah zum Drama.

15.1., 20 Uhr, Ost-Passage Theater

The Vénérable W

Porträt des geistigen Führers der extremistischen Buddhisten in Burma. – Screening Religion, mit Gespräch

15.1., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmeU)

Frauenfußball in Kabul. Ein Tor für die Freiheit

Fußball für Mädchen ist für viele afghanische Familien ein Tabu. Damit ist Madina Azizi als Spielerin und als Trainerin einer Mädchenmannschaft konfrontiert. Arte-Dokumentation mit Einführung.

16.1., 16 Uhr, Frauenkultur

Weathering with You

Auf magische Weise erzählt Anime-Auteur Makoto Shinkai (»Your Name«) alltägliche Jugendgeschichten mit einem Twist. In seinem neuen, fantasievollen Film trifft ein Junge vom Land auf ein mysteriöses Mädchen, das das Wetter beeinflussen kann.

16.1., 20 Uhr, Cineplex, Cinestar, Regina Palast

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