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Die Kinostarts der Woche im Überblick

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…und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Der Reiz des Remakes beschäftigt die Cinémathèque in einer neuen Reihe. Neuinterpretationen gibt es im Kino immer wieder. Der Fokus liegt aber weniger auf den kommerziellen, mehr auf den künstlerischen Versuchen, einer bekannten Geschichte neue Seiten abzugewinnen. Ein Jahr lang zeigt die Cinémathèque monatlich einen Film und sein Remake. Dazu gibt es eine filmwissenschaftliche Einführung. Den Auftakt machen der aktuelle Kinofilm »Freies Land« von Christian Alvart und dessen spanische Vorlage »La isla mínima«.

»Freies Land«: 23., 27.–29.1., »La Isla Minima«: 21., 23., 29.1., Cinémathèque in der Nato

Film der Woche: Aschfahle Gesichter und ein Gewirr aus Gängen und Geröll sind alles, was der britische Soldat Schofield noch um sich herum wahrnimmt. Erschöpft irrt er in den Schützengräben im nordfranzösischen Niemandsland umher, bis ihn sein Freund Blake mit zum Divisionsgeneral nimmt, der sie auf eine Mission schickt, deren Ausgang über Leben oder Tod von 1.600 Kameraden entscheiden könnte. Nach der spektakulären Eröffnungsszene von »Spectre« hat Regisseur Sam Mendes nun einen kompletten Film als Plansequenz angelegt: »1917« sieht aus, als sei er in einer einzigen, ununterbrochenen Kamerafahrt gedreht. Tatsächlich wurde hier und da geschickt geschnitten und getrickst, die Wirkung dieser logistischen Meisterleistung schmälert das aber nicht. Intensiv lässt sich miterleben, welchem Wahnsinn die unbedarften jungen Männer einst ausgesetzt waren. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»1917«: CineStar, Cineplex, Regina Palast, Passage 

Die Situation ist absurd, im Grenzgebiet zwischen Israel und Palästina. Das spiegelt sich auch im Alltag von Elia Suleiman wider. Der Nachbar steht ungefragt in seinem Garten und beschneidet die Zitronenbäume, damit sie besser wachsen. Ein Anderer berichtet alkoholbeseelt von einer riesigen Schlange, die ihm aus einer Reifenpanne geholfen hat. Suleiman hat seine Eltern begraben und nun hält den Filmemacher nichts mehr in seiner Heimat. Also packt er die Koffer und reist nach Paris und New York, um Geldgeber für seinen neuen Film zu finden. Dabei muss er feststellen, dass die Situation im Rest der Welt nicht weniger verrückt ist als die in seiner Heimat.
All das beobachtet Suleiman mit stoischer Ruhe. Seine kunstvoll arrangierten Tableaus fordern den Zuschauer heraus. Auf den ersten Blick ergeben viele der Szenen keinen Sinn. Im Ganzen fügen sie sich jedoch zu einer Reflektion über die Situation in seinem Heimatland.

»Vom Gießen des Zitronenbaums«: ab 16.1., Passage Kinos


Man sieht Marcelo die Ereignisse jener Nacht an. Seinen gebückten Gang, den Hut tief ins Gesicht gezogen und jedes Mal, wenn es irgendwo knallt, zuckt er zusammen. Der alleinstehende Farmer ist nicht mehr derselbe, seit eine Gruppe Viehdiebe in seine Ranch einfiel und die gesamte Herde mitgehen lies. Der 30-Jährige hat die Farm von seinem Vater geerbt. Die Schwester wohnt in der Großstadt und kommt nur selten zu Besuch. Marcelo kenn sich aus mit den Tieren. Sie sind seine Leidenschaft, auch jenseits der Hügel, wo sich Cowboys auf den Stieren als Rodeoreiter feiern lassen. Hier kommt Marcelo langsam wieder auf die Beine. Doch die Bilder der Nacht kommen wieder, wenn er die Augen schließt. Eine wahre Geschichte ist es, die Helvécio Marins Jr. hier als Ausgangspunkt für sein Porträt der ländlichen Bevölkerung seiner Heimat Brasilien wählte. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»Querência – Heimkehren«: ab 16.1., Cineding

„Querencia“ Helvécio Marins Jr. -EXCERPT

Häusliche Gewalt ist in vielen italienischen Familien immer noch weit verbreitet. Doch allmählich beginnt ein Umdenken. Auch für die 58-jährige Fiorella. Sie beschließt nach 40 Jahren Ehe ihren Mann zu verlassen, reicht die Scheidung ein, und macht sich auf den Weg sich selbst und ihre Freiheit zu finden. Ihre Tochter Valentina begleitet sie mit der Kamera. Herausgekommen ist ein schmerzhafter, schonungslos ehrlicher Blick in ein Leben und eine Abrechnung mit patriarchalen Strukturen. Ein bemerkenswerte Dokumentarfilm, der unter die Haut geht und Spuren hinterlässt. 

»Una Primavera«: ab 16.1., Cineding

Jedes Jahr sterben 3 Millionen Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums – alle 10 Sekunden ein Mensch. Das sind mehr als durch Verbrechen, Verkehrsunfälle und illegale Drogen zusammen. Warum trinken wir? Was macht Alkohol mit unserem Organismus? Und wer ist dafür verantwortlich, dass Alkoholkonsum gefördert wird, anstatt verdammt und als das deklariert, was es ist: Ein Rauschgift? Andreas Pichler geht in seiner Dokumentation dem globalen Konsum nach, spricht mit Wissenschaftlern, Lobbyisten und trockenen Alkoholikern. Dadurch entsteht ein facettenreicher, manchmal allerdings etwas redundanter Blick auf das System Alkohol. Ein Einblick in ein stetig wachsendes weltweites Problem. 

»Alkohol – Der globale Rausch«: ab 18.1., Kinobar Prager Frühling

Weitere Filmtermine der Woche

Frauenfußball in Kabul. Ein Tor für die Freiheit

Fußball für Mädchen ist für viele afghanische Familien ein Tabu. Damit ist Madina Azizi als Spielerin und als Trainerin einer Mädchenmannschaft konfrontiert. Arte-Dokumentation mit Einführung.

16.1., 16 Uhr, Frauenkultur

Weathering with You

Auf magische Weise erzählt Anime-Auteur Makoto Shinkai (»Your Name«) alltägliche Jugendgeschichten mit einem Twist. In seinem neuen, fantasievollen Film trifft ein Junge vom Land auf ein mysteriöses Mädchen, das das Wetter beeinflussen kann.

16.1., 20 Uhr, Cineplex, Cinestar, Regina Palast

19.1., 17 Uhr, Cineplex, Regina Palast, 19.30 Uhr, Cineplex (OmU), 20:05 Uhr, Cinestar (OmU)

Heldenstadt Anders – Der Festivalfilm

Das Festival »Heldenstadt Anders« versammelte im September 17 Untergrund-Bands aus der DDR auf der Bühne und 39 auf 3 LPs. Nun folgt der Film zum Festival.

17.1., 20.30 Uhr, UT Connewitz

Russisches Kino

Russisches Kino im Original ohne Untertitel. Diesmal mit der Fantasy-Komödie »Servant« in der ein verwöhnter Oligarchen-Sohn nach einem Unfall im Russland des 19. Jahrhunders erwacht.

17.1., 22.15 Uhr, Cinestar (OF)

Psy 3: W imie zasad

25 Jahre war Franz Maurer im Gefängnis. Jetzt kehrt er zurück in ein Polen, dass er nicht mehr wiedererkennt und in dem seine alten Prinzipien nichts mehr gelten. – Polnisches Kino im Original

18.1., 17 Uhr, Cineplex (OmeU)

Schalom Genossen – Juden in der DDR

Rolf Isaacsohn (Ehrenvorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig), Nina Rothermundt (verantwortliche Redakteurin der Dokumentation) und Wolfgang Aull (leitender Redakteur, 3sat)

20.1., 19 Uhr, Ariowitsch-Haus

Das Schiff der verlorenen Menschen

Durch das spontane Auslaufen seines Schiffes zwingt der herrische Kapitän Vela einen jungen amerikanischen Doktor, mit nach Brasilien zu segeln. Als sie während der Fahrt die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes retten, versucht der Doktor die reiche Amerikanerin Ethel Marley vor dem gefürchteten Seemann und der Mannschaft zu verstecken. – Ballet Mécanique 7

21.1., 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Glaube, Liebe, Hoffnung

Der vierte Film des Leipzig-Zyklus von Andreas Voigt begleitet eine Gruppe radikaler Jugendlicher. – anschl. Diskussion zu Umbruchserfahrungen und rechten Kontinuitäten in Ostdeutschland mit Regisseur Andreas Voigt und Alexander Leistner

21.1., 19 Uhr, Conne Island

Welcome to Sodom – Dein Smartphone ist schon hier

Rund 250.000 Tonnen ausrangierte Computer, Smartphones, Drucker und andere elektrische Geräte türmen sich zu einem riesigen Berg: Agbogbloshie – Accra, Ghana, ist eine der größten Elektro-Müllhalden der Welt.

22.1., 20 Uhr, Ost-Passage Theater

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