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Das Kollektiv Hazy Borders im Gespräch über ihre Arbeit zum Thema Zirklusion

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Penetrieren oder Umkreisen: Das Kollektiv Hazy Borders spielt mit der Denkperspektive. Mit dem kreuzer sprechen Alexandra Ivanciu, Anna Lebedeva, Tess Marschner und Lea Matika über die Bedeutung der Zirklusion für ihre Performance und ihr Leben.

kreuzer: Wer sind Hazy Borders?
Hazy Borders: Wir sind ein fluides Kollektiv. Wir interessieren uns für die Verschiebung von Grenzen verschiedener gesellschaftlicher Konzepte. Viele von uns studieren in der Fotografieklasse von Tina Bara an der HGB.

kreuzer: Wie lassen sich Fotografie und Performance verbinden?
HB: Unsere Klasse ist offen gehalten, es geht nicht nur um Fotografie. Viele arbeiten multimedial zu queeren und körperbezogenen Themen. Wir sehen das eher als einen Vorteil, nicht ausschließlich aus dem Theater zu kommen. Daher kommt unsere Betrachtung von Theater als installativer Raum.

kreuzer: Was ist Zirklusion?
HB: Der Neologismus wurde von Bini Adamczak geprägt. Er bildet das Gegenstück zum Begriff der Penetration, also dem Eindringen. Es bedeutet so viel wie umkreisen oder umschließen. Man wechselt dadurch sofort die Perspektive des Denkens. Wenn man das gesamtgesellschaftlich betrachtet, ist das einfach eine ganz andere Herangehensweise an Welt. Es macht einen Unterschied, ob man etwas durchstößt oder ob man Dinge umkreist. Jeder kann das Konzept unabhängig von Geschlecht auf den eigenen Körper anwenden und sich selbst dazu entscheiden, aktiv oder passiv zu sein. Zirklusion ist für uns ein Denkwerkzeug, nicht nur in Bezug auf Sexualität.

kreuzer: Was bedeutet das für Sie persönlich?
HB: Frauen können sich durch dieses Konzept sehr empowered fühlen. Es stärkt gerade die Menschen, die normalerweise als passiv begriffen werden.

kreuzer: Wie würden Sie Ihre Performance beschreiben?
HB: Es ist eher eine performative Installation. Dahinter steckt die Idee, mit Kunst zu interagieren. Das ist auch etwas, das bei uns passiert. Unsere Körper reagieren auf die Dinge, die Videos und das Publikum. Wir werden einen lustvollen Raum kreieren. Es ist nicht unsere Absicht, jemanden zu erziehen. Wir freuen uns, wenn das Publikum Bock hat, die Diversität von Begehren empathisch mit uns nachzuvollziehen.

kreuzer: Wird der Abend verstörend sein?
HB: Das hoffen wir doch. Am besten verstörend und angenehm zugleich.

> »Just a Circlusion«: 20.–22.1., 20 Uhr, Lofft

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