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»Nur einmal im Leben«

Der Direktor Ronny Maik Leder über die aktuelle Situation des Naturkundemuseums

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Im August 2018 stoppte die Stadt den geplanten Umzug des Naturkundemuseums auf die Spinnerei: Es wäre zu teuer. Wieder einmal mussten große Pläne zur Modernisierung des Museums geändert werden. Was passierte seitdem? Ein Gespräch mit dem Museumsdirektor Ronny Maik Leder.

kreuzer: Die Stadt betont, dass sie ein »überregional ausstrahlendes Naturkundemuseum« haben möchte. Spüren Sie und die Institution etwas davon?

RONNY MAIK LEDER: Zunächst habe ich mit Übernahme meiner Direktorenschaft betont, dass ich ein solches Museum entwickeln möchte. Hier und da war es auch notwendig, erst einmal über die wahre Bedeutung unseres Hauses zu informieren und die Türen für den weiteren Weg aufzustoßen. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass ich für meine Arbeit volle Rückendeckung von Seiten der Stadtverwaltung genieße.

kreuzer: Wann fällt eine Entscheidung über den Standort?

LEDER: Die Entscheidung wird wohl noch in der ersten Hälfte des Jahres 2020 bekannt gegeben werden. Ihr ging ein tiefgreifender Untersuchungsprozess voraus, bei dem innerstädtische, stadteigene und denkmalgeschützte Immobilien auf Eignung geprüft worden sind. Dabei hat die Stadtverwaltung lediglich die Vorgaben des Stadtrates umgesetzt.

Wichtig ist zu erwähnen, dass diesmal weitestgehend die Bedürfnisse des Museums Berücksichtigung fanden und in einen Anforderungskatalog überführt wurden, welcher im Anschluss von einem aus einem Wettbewerb hervorgegangenen Planungsbüro sachlich nüchtern abgearbeitet wurde. In diesem Prozess wurde größte Aufmerksamkeit der Objektivität gewidmet und nach Sachkriterien geurteilt. Das Ergebnis wird daher auch die beste Lösung für das Naturkundemuseum widerspiegeln und ist gleichsam als ideal zu bezeichnen, auch für mich.

kreuzer: Wie hat sich das Haus im letzten Jahr entwickelt? Konnten Sie trotz Schwebezustand einige Projekte angehen?

LEDER: Das Naturkundemuseum befand sich nach meinem Dafürhalten in keinem Schwebezustand. Wir haben die Zeit intensiv genutzt, um die Weichen in die richtige Richtung zu stellen.

Man hat als Direktor nur einmal im Leben die Chance, ein solches Projekt zu verwirklichen, da heißt es öfters mal kurz innehalten, neu nachdenken und die optimale Lösung finden, bevor man sich vergaloppiert.

Ein Naturkundemuseum ist ein unglaublich komplexes Gebilde. Eine falsche Entscheidung projiziert und potenziert sich in verschiedene Ebenen. Insofern ist es völlig egal, ob es ein, zwei Jahre länger dauert, wenn das endgültige Resultat dem Idealzustand gleichkommt. Und dass wir einige Projekte angehen konnten, beweist ja schon die Berichterstattung der letzten Wochen und Monate. Zahlreiche Projekte im und außerhalb des Stammhauses, Kooperationen mit anderen Kultureinrichtungen wie der Schaubühne Lindenfels, knapp 70.000 Besucher im Jahr. Mehr muss ich eigentlich nicht sagen, tue es aber trotzdem: Mit dem Beginn unseres dynamischen Interventionskonzeptes in den Ausstellungen im Frühjahr 2019 und der vierteiligen Staffel »Expedition 4 x 6« vor dem Haus haben wir eine neue Ära eingeleitet und den Weg zum neuen Naturkundemuseum aufgezeichnet.

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