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Alt im Vollzug

Der demografische Wandel erhöht den Druck auf Sachsens Gefängnisse

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Die Justizvollzugsanstalten in Sachsen leiden unter chronischem Personalmangel. Nun könnte die steigende Zahl an Rentnern, die mit dem demografischen Wandel auch in den Gefängnissen ankommt, den Freistaat in Bedrängnis bringen.

Immer mittags kommt der »Schub-Bus« in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Leipzig an. Er bringt neue Gefangene aus ganz Sachsen – manche sind nur einige Tage wegen eines Gerichtstermins in Leipzig, andere bleiben hier, die meisten in Untersuchungshaft. Wer die knapp vier Meter hohen, glatten Betonmauern, die die JVA umrunden, passiert, steht im Innenhof der Anstalt, auf dem mehrere weiße Betongebäude verstreut sind. Ähnlich wie in einem kleinen Dorf gibt es ein Küchengebäude, eine Werkstatt, mehrere Wohngebäude, eine Sporthalle und ein Krankenhaus.

Es ist laut, Gefangene rufen sich gegenseitig aus den geöffneten Fenstern ihrer Zellen etwas zu. Um die Häuser herum liegt Müll: Essensreste, die die Inhaftierten aus ihren Fenstern geworfen haben. Der Weg zu den Zellen führt über mehrere Treppen auf lange, blassgelb gestrichene Flure. Große rote Digitaluhren zeigen die Zeit an. Dagmar Kuckelt, kurze rote Haare, resolutes Auftreten, arbeitet hier als Justizvollzugsbeamtin. Immer wieder muss sie die schweren gelben Gattertore mit einem langen Sicherheitsschlüssel aufschließen.

Im September 2019 sind 456 Gefangene in der JVA Leipzig untergebracht, das entspricht einer Auslastung von 90 Prozent. Weil in Gefängnissen immer einige Betten als Reserve vorgehalten werden müssen, gilt die JVA damit als voll.

Acht Inhaftierte in Leipzig sind 60 Jahre oder älter. Die Unterbringung von beeinträchtigten Menschen gestaltet sich in dem Leipziger Gefängnis schwierig: Die Gebäude sind nicht barrierefrei, das älteste Haus auf dem Gelände wurde 1913 erbaut. Es gibt eine…

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