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Editorial 03/20

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der März-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe erzählt, was es im neuen Heft über ein verpasstes Millionengeschenk an die Feinkost zu lesen gibt und richtet ein paar klare Worte an die Chefs der Leipziger Volkszeitung.

Quo vadis – wohin gehst du, Feinkost? Mit dieser Frage beschäftigen wir uns im Schwerpunkt dieser Ausgabe. Das Feinkost-Gelände mit seiner berühmten Löffelfamilie direkt an der Karl-Liebknecht-Straße ist seit spätestens Mitte der neunziger Jahre ein Wahrzeichen der Leipziger Alternativkulturszene.

Ebenjene Szene kämpfte jahrelang um den Erhalt der prägnanten Leuchtreklame und schließlich des ganzen Geländes – und zwar erfolgreich. Unter dem Schlagwort »Milieuschutz« durfte der riesige Gebäudekomplex im schon immer pulsierenden Herzen des Leipziger Südens 2004 von einer Genossenschaft gekauft werden. Damit war die Feinkost dem Immobilienmarkt entzogen, ermöglichte ihren Mitgliedern eine alternative Form des Wirtschaftens in kleinen Läden sowie Handwerksbetrieben und behielt bis heute ihren morbiden Charme. Anfang des letzten Jahres kam diese Alternativkulturszene in Form des Vereins Cinémathèque Leipzig dann zurück – mit dem Plan, auf den umfangreichen bisher ungenutzten Flächen der ehemaligen Konservenfabrik ein großes Arthousekino mit Filmkunstzentrum und überregionaler Ausstrahlung zu errichten. Für alle überraschend stellten Bund und Land bis zu 21 Millionen Euro Fördergeld für das Projekt in Aussicht. Ein Geschenk für Leipzig, dachten viele – und waren dann nochmals überrascht, als die FeinkostGenossenschaft den Plan mit einer Absage beendete. Was steckt dahinter? Warum machen die das? Diesen Fragen gingen die kreuzer-Redakteure Lars Tunçay und Tobias Prüwer in unserer Titelgeschichte (S. 14) nach.

Einige Überraschung gab es auch in der Redaktion kurz vor Drucklegung des letzten Heftes, als plötzlich eine sehr groß aufgezogene neue Gastronomie-Kolumne in der Leipziger Volkszeitung erschien. »Aufgetischt«, stand da in roten Lettern und in übergroßer Schrift: »Ab sofort stellt LVZ-Genussexpertin Petra Mewes regelmäßig neue Restaurants vor«. Tja, nun ist es aber doch so, dass Frau Mewes eigentlich kreuzer-Gastro-Redakteurin ist – und zwar seit 25 Jahren.

Petra ist freie Journalisten, sie kann sich ihre Arbeitgeber aussuchen, wie sie möchte. Und der kreuzer kann leider nur sehr schlecht zahlen. Darum mag hier auch keiner böse sein, wir haben nach einigem Hin und Her eine für alle befriedigende interne Lösung gefunden.

Bleibt die Außenwirkung, denn so manche Leserin oder mancher Leser könnte denken, es würde sich hier um eine Kooperation des kreuzer mit der LVZ handeln. Dies ist nicht der Fall. Das ist bedeutsam, weil es hier um die Medienvielfalt in der Stadt geht, ebenso wie um unsere Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit – Werte, die wir im kreuzer hochhalten. Tatsächlich hat die Leipziger Volkszeitung ohne Absprache mit dem kreuzer-Verlag gehandelt. Und auch intern, hört man hinter vorgehaltener Hand aus der LVZ, sorgte diese Personalie, die externe Lösung, für Erstaunen. Hat man selbst kein kompetentes Personal für die Übernahme eines derart hochgehängten neuen Schwerpunktes »Gastro« im Lokalen? Denn offenbar steckt ein Strategiewechsel dahinter, der von ganz oben kommt – nämlich von Hannah Suppa, Madsacks »Chefredakteurin für regionale Innovation«. Madsack ist der Hannoveraner Medienkonzern, zu dem die LVZ gehört. Wenn diese »Innovation« aber schlicht darin besteht, Kompetenz hinterrücks beim örtlichen Stadtmagazin einzukaufen, dann würde ich ja mal überlegen, ob Frau Suppa das viele Geld wirklich wert ist, das sie verdient. Fakt ist, diese Aktion der LVZ zeigt – wie vieles in letzter Zeit – die Not und Einfallslosigkeit der schon lange nur noch Lahmen Volkszeitung. Ihren offenbar schwer erschlafften und ideenlosen Chefs Björn Meine (Lokales) und Jan Emendörfer (Chefredaktion) kann ich nur zurufen: Zieht euch eure Leute selbst ran und lasst den kreuzer in Ruhe arbeiten, ihr Flaschen!

Zuletzt noch eine Bitte um Entschuldigung: Der aktuelle kreuzer kommt eingeschweißt in eine Folie. Das ließ sich nicht umgehen, weil unsere Buchmessenbeilage, das :logbuch, diesmal so dick ist, dass man sie aus technischen Gründen nicht mehr beilegen kann. Die Folie ist grundwasserneutral, recyclebar und verbrennt bei der Müllverbrennung ohne Bildung von Schadstoffen. Ich wünsche mir, dass Sie trotzdem Freude haben an unserem :logbuch, an 100 Seiten Literatur – redaktionell betreut vom großartigen Team Linn Penelope Micklitz und Benjamin Heine.

Einen schönen Leipziger März wünscht

ANDREAS RAABE

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