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»Notlage ist uns bewusst«

Die Stadt sucht nach Hilfen für die Kulturbranche - und hofft auf den Bund

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Die Kultur- und Veranstaltungsbranche traf es in den vergangenen Tagen mit voller Wucht. Wurden Großveranstaltungen, wie die Leipziger Buchmesse vor zwei Wochen noch vorsorglich abgesagt, änderte sich die Situation in Sachsen schlagartig Ende der vergangenen Woche.

Veranstaltungen über 1.000 Teilnehmer sind verboten, Theater und Clubs in der Stadt schlossen vorsorglich, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu behindern. Montag schränkte die Bundesregierung schließlich ein, welche Geschäfte noch öffnen dürfen.
Die Veranstaltungseinschränkungen haben für die betroffenen Branchen hohe Einnahmeausfälle. Weitreichende wirtschaftliche Folgen, die auch in der Stabssitzung des Oberbürgermeisters am Montagabend thematisiert wurden, wie der kreuzer erfuhr.

»Wir suchen einen rechtlich möglichen Weg, Fördermittel auch bei pandemiebedingt abgesagten Projekten nicht zurückzufordern. Die drohende Notlage der Kulturakteure ist uns sehr bewusst«, sagte Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke.

Die Stadt Leipzig allein werde den bereits eingetretenen und vor allem noch bevorstehenden wirtschaftlichen Ausfall bei Künstlerhonoraren und Veranstalterkosten jedoch nicht ausgleichen können, sagte Jennicke weiter. »Es braucht ein unkompliziertes und auf die konkreten Bedarfe abgestimmtes Hilfsprogramm vom Bund und auch vom Freistaat.« Sie erwarte einen Vorschlag für ein Sofortprogramm sobald die Behörden aus dem akuten Krisenabwehrmodus wieder herausgetreten seien. Wann dass der Fall ist, ist bislang aber noch nicht abzusehen.

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  1. Norbert K. | 18. März 2020 | um 16:30 Uhr

    Mit Verlaub, die Kultur- und Veranstaltungsbranche wird die nächsten Wochen kein Thema sein. Es wird alle gleich treffen, große Unternehmen wie Selbständige. Schauen wir heute nach Mailand, wer denkt dort an Kultur oder Shopping, dass die Scala geschlossen ist oder der Gucci-Laden in den Galerien? Wir haben alle im Luxus gelebt, dazu gehört auch eine übermäßige Subventionierung der Kulturbetriebe.
    Die Stadt Leipzig finanziert laut Haushalt den Eigenbetrieb Oper Leipzig mit 50Mio € (Gewandhaus ist separat zu betrachten) jährlich für ein sehr begrenztes Besucherpublikum (270.00 Gäste in 2018 !). Und die Ausgaben sind in den letzten Jahren unter Herrn Jung erheblich gestiegen. Kreativpersonal wurde großzügig und vollständig subventioniert, während Intensivschwestern und Pflegekräfte im Schichtbetrieb arbeiten, sich wegen geringer Bezahlung und mangels Zeit wahrscheinlich nicht einen einzigen Opernbesuch pro Jahr leisten können und an den Premierewochenenden oft arbeiten müssen. Es wird jetzt viel sichtbar werden.
    Es geht um das pure MenschenLeben. Es wird sich in Kürze herausstellen, ob die Anzahl der verfügbaren Intensivbetten und Beatmungsgeräte auch mit der Anzahl des verfügbaren Fachpersonals übereinstimmt. Puppentheater und sonstiges nicht notwendiges Entertainment u. a. der Brot-und-Spiele Fußball muss heruntergefahren werden (für RB hat es eine Zeit gedauert, die Lage zu begreifen, der Stadt Leipzig war es nicht möglich, das CL-Spiel abzusagen!), Yoga und Selbstfindung spielen in einer diesen Ausnahmesituation keine Rolle mehr, zumindest für die, die die Situation erkennen.

    Entschuldigung kreuzer! Die Verhältnismäßigkeit Kultur und Veranstaltungen gegenüber einem seit Jahren desolaten Gesundheitssystem nicht erörtern zu können, wird absehbar eine Lehre sein. Man kann nur hoffen, dass sich das unterbezahlte Pflegepersonal und die Ärzte nicht wie andere Berufsgruppen (mittlerweile verbeamtete Lehrer*innen z. B.) in dieser Zeit unterbezahlt fühlen, zum Streik aufrufen und lässig mal die Arbeit sein lassen, aus gutem Grund, weil keine Schutzausrüstung verfügbar ist (siehe https://kreuzer-leipzig.de/2020/03/06/erschoepft/) und sie sich selbst krank melden, um sich und die eigene Familie zu schützen.

    Unsere Kulturbürgermeisterin Jennicke wird mittlerweile auch zuhause sein, frohfroh verbeamtet wird jedes Monatseinkommen weitergezahlt. Auch sie wird sich in Verzicht üben müssen „Sie erwarte einen Vorschlag für ein Sofortprogramm“. Ob für sie allerdings bei nun geringerer Arbeitszeit das gleich gilt, wie für die freien Kulturschaffenden? kreuzer sei kritisch!

    Wünschen wir uns beste Gesundheit und viel Kraft.
    Das ist kein Theater, es ist die Wirklichkeit!