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Gesucht: Langer Atem für soziales Engagement

Nachbarschaftszentrum Ostwache: soziokulturelles Engagement vs. Bürokratie

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Seit Jahren steht die alte Feuerwache Ost leer. Und seit Jahren steht ein Verein mit einem fertigen Nutzungskonzept für das Gebäude in den Startlöchern. Doch das geplante Nachbarschaftszentrum scheitert bislang an bürokratischen Hürden. Mittlerweile wäre man bereits über einen groben Zeitplan froh.

Die Branddirektion Ost in Anger-Crottendorf: Ein großer Gebäudekomplex samt Innenhof, direkt gegenüber der einstigen Fabrik Karl Krause. Brände gelöscht werden von hier aus schon lange nicht mehr. Lediglich ein Nebengebäude wurde in den letzten Jahren noch als Büro genutzt. Seit Ende 2018 steht der Komplex vollständig leer.

An Ideen für das Areal mangelt es seit Jahren nicht. Dass trotzdem noch immer kein neues Leben in das Gebäude gezogen ist, scheint das Ergebnis von bürokratischen Hindernissen innerhalb der Stadtverwaltung zu sein.

Bereits Ende 2015 hatte sich auf Initiative des Quartiersmanagements eine Interessengemeinschaft gefunden. Schnell habe sich ein fester Personenkreis aus Anwohner*innen, Kreativen und Engagierten etabliert, und selbstständig ein Nutzungskonzept für die alte Feuerwache erarbeitet, sagt Michel Roßner. Der 28-jährige ist Vorstand des Vereins Ostwache Leipzig, der sich Anfang 2017 aus der ersten Interessengemeinschaft entwickelte.

Laut ihrem bereits Ende 2015 erarbeiteten Konzept, soll die Ostwache in ein nachbarschaftliches Zentrum verwandelt werden: Gewerbe, Kulturschaffende und gesellschaftliche Initiativen sollen unter einem Dach zusammen kommen. Angedacht sind unter anderem eine freie Kindertagesstätte, Holzwerkstätten, Sportinitiativen, feste Räume für Bands und Vereine. Auch Räume, die flexibel für Tagungen und als Treffpunkt für Initiativen genutzt werden können, sieht das Konzept vor. In der ehemaligen Garage sollen ein Nachbarschaftscafé wie auch ein großer Veranstaltungssaal eingerichtet werden.

Doch aktuell sind das allenfalls Zukunftspläne, sagt Michel Roßner. Zwar konnte der Verein in den vergangenen Jahren einige Hoffeste auf dem Gelände veranstalten, den Zugang zu einem Nebengebäude habe man jedoch erst nach drei Jahren bekommen. Ein Grund für die Verzögerung: Die Ausschreibung für den Einbau einer notwendigen Feuerschutztür nahm mehr als 10 Monate in Anspruch. Auch aktuell steht dem Verein für Sitzungen nur ein kleiner Raum zur Verfügung. »Die Verschleppung des Prozesses ist fatal für die nachbarschaftliche Initiative«, sagt Vereinsvorstand Roßner. in den letzten fünf Jahre seien zahlreiche Interessierte und Engagierte abgesprungen. »Mit einer permanenten Ungewissheit ein konkretes Projekt zu planen führte bei vielen zu Frustration. Es kommen zwar immer wieder neue motivierte und interessierte Menschen dazu, aber es ist für alle Vereinsmitglieder ein zäher und anstrengender Prozess«, erklärt er. Neue Engagierte blieben deswegen oft nicht lang dabei.

Die Vereinsmitglieder zeigen sich vor allem verunsichert durch intransparente Handlungen der Stadt. Das Liegenschaftsamt, das nach der Branddirektion für die ehemalige Feuerwache zuständig wurde, habe keine Bereitschaft gezeigt, mit dem Verein über ein Nutzungskonzept zu sprechen. »Besonders aufgrund dessen, dass es einen offiziellen Stadtratsbeschluss gibt, in dem festgehalten wurde, dass der Ostwache Leipzig e.V. in die Planungen mit einbezogen werden soll, wundern wir uns schon sehr über diese Art«, sagt Vereinsvorstand Roßner.

»Die Projektarbeit macht der Verein Ostwache e.V.«, bestätigt auch die Stadt auf kreuzer-Anfrage. Zuständig sei von Seiten der Stadt Leipzig allerdings mittlerweile das Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung. Anfang Februar antwortete die Stadt zudem auf eine Stadtratsanfrage der Grünen, es sei erklärtes Ziel, in diesem Jahr Verfahren ämterübergreifend so voran zu bringen, dass »die Nutzung der ehemaligen Feuerwache Ost als Nachbarschaftszentrum im Sinne des Ostwache e.V. umgesetzt werden kann«. Wie genau dies im laufenden Jahr tatsächlich umgesetzt werden soll, wird jedoch nicht ausgeführt. Stattdessen heißt es, »Partizipationsprozesse über einen langen Zeitraum aufrecht zu halten, gestaltet sich oft schwierig«. Zudem sei laut Stadt eine Vermietung der Nebenflächen an Gewerbetreibende geplant.

Für viele der engagierten Anwohnerinnen und Anwohner und Kreative, die auf die Räumlichkeiten angewiesen sind, scheint der jahrelange Prozess kaum noch tragbar. Die Vereinsmitglieder von Ostwache wünschen sich, endlich loslegen zu können. »Dafür brauchen wir aber klare Ansprechpartner bei der Stadt und mehr Transparenz«, sagt Vereinsvorstand Roßner. Von der geplanten Vermietung einzelner Flächen erfährt Roßner erst im Gespräch mit dem kreuzer. »Das verunsichert ein mal mehr«, sagt er. Ursprünglich wollte man das leerstehende Gebäude längst wieder mit Leben gefüllt haben, mittlerweile wäre man bereits über einen groben Zeitplan froh.

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