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Mehr Zeit fürs Studium

Studierende leiden unter der Corona-Pandemie. Sie fordern deshalb eine Verlängerung der Regelstudienzeit

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Anfang April hat das Semester in Sachsen wieder begonnen. In die Hochschulen durften die Studierenden bisher allerdings nicht. Die Auswirkungen auf die Studiensituation wird immer deutlicher, weswegen Forderungen nach einer Verlängerung des Studiums laut werden. In Sachsen soll das jede Hochschule für sich entscheiden

Anfang Mai sollte die Präsenzphase wieder starten – daraus wird nun doch nichts. Nur vier Tage vor dem geplanten Start des Studiums erreicht die Studierenden der Universität Leipzig die digitale Botschaft des Prorektors: »Trotz aller Hoffnungen, und in Abwägung vorliegender Fakten und rechtlicher Regelungen ist absehbar, dass ein Präsenzstudium im Sommersemester grundsätzlich nicht möglich sein wird«. Die Online-Lehre wird in diesem Semester der Regelfall an der Universität Leipzig sein. Auch die übrigen Leipziger Hochschulen bleiben weitestgehend geschlossen, nur in Ausnahmefällen sollen Präsenzveranstaltungen angeboten werden.

Was bedeutet das für die Situation der Studierenden in Leipzig? »Niemand kann gerade garantieren, dass die Lehre dieses Semester auch nur ansatzweise akzeptabel wird«, sagt Lasse Emcken, Student an der Universität Leipzig und Teil des Bündnis Solidarsemester 2020. Viele Studierende müssten sich mit digitalen Alternativen arrangieren, zum Beispiel den Audiokommentaren ihrer Professoren zu Vorlesungsfolien. »Das ist für Viele super demotivierend«, sagt Emcken. Einige Veranstaltungen laufen über Videokonferenzen, für die es einer stabilen Internetverbindung bedarf. Für ihn ist klar: »Reine Online-Lehre kann die Präsenzlehre nicht ersetzen.« Dennoch wird sie die vorrangige Form der Lehre in diesem Semester darstellen.

Auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie für Studierende weisen Studierendenverbände in dem bundesweiten Bündnis Solidarsemester 2020 hin: Etwa siebzig Prozent der Studierenden arbeiten neben dem Studium, für sie fallen diese finanzielle Einkünfte während der Pandemie oft weg. Wer keinen Anspruch auf BAföG hat und auf Sozialleistungen angewiesen ist, muss das Studium entweder beenden oder ein Urlaubssemester einlegen und Hartz VI beantragen. In ihrem Forderungskatalog zur Lage der Hochschulen geht es um eine angemessene Semestergestaltung, Beschäftigungsbedingungen und Digitalisierung, zentrale Forderung ist die Verlängerung der Regelstudienzeit. Allen während der Corona-Pandemie immatrikulierten Studierenden würde auf diese Weise ein zusätzliches Semester Zeit zum Studieren gewährt. »Damit ist für Studierende die Wahlfreiheit hergestellt, anhand ihrer persönlichen Situation zu entscheiden, ob sie dieses Semester studieren oder nicht«, erklärt Emcken.

Die Entscheidung liegt bei den Universitäten

In Sachsen setzt man derweil auf Hochschulautonomie. Bereits Mitte April hielt die Landesrektorenkonferenz und das Wissenschaftsministerium fest, keine zentralen Vorgaben für sächsische Hochschulen zu machen: »Sie würden den Hochschulen die Flexibilität nehmen, auf die unterschiedlichen Herausforderungen jeweils angemessen zu reagieren«, sagt der Vorsitzende der Konferenz Klaus-Dieter Barbknecht. Im Klartext: Jede sächsische Hochschule soll selbst entscheiden, ob die Regelstudienzeit verlängert wird. Da die Entscheidung nicht auf der Landesebene stattfinden wird, muss sie in den zentralen Gremien der Hochschulen gefällt werden. »Wichtige Regelungen wie diese müssen sicherstellen, dass sich diese Ausnahmesituation nicht negativ auf das Studium tausender Studierenden auswirkt«, sagt Emcken.

An der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur ist es bereits entschieden: Die Regelstudienzeit wird um ein Semester erhöht, »um entstehende Verzögerungen auszugleichen«, wie es auf der Website heißt. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst heißt es auf Nachfrage des kreuzer: »Wir sind absolut dafür«, – entschieden sei allerdings noch nichts. An der Universität Leipzig hingegen wird am 5. Mai auf Antrag des Senators Christopher Hermes im Senat über eine Verlängerung der Regelstudienzeit entschieden. Hier brauche es Regelungen, meint Hermes, »die den Studierenden erleichtern, dieses Semester wahrzunehmen oder ihre Veranstaltungen auf das kommende Semester zu verschieben.«

Update: Am 5. Mai verabschiedete der akademische Senat der Universität Leipzig eine Erklärung, »dass auf Antrag (ohne weitere Voraussetzungen) das Sommersemester 2020 nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet wird und Fristen für Prüfungsleistungen großzügig gehandhabt werden.«

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