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No new normal

Theater spielen unter Hygienevorschriften - wie kann das funktionieren? Stimmungen aus den Stadtbetrieben

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Sie wollen endlich wieder spielen – nur wie? Im Gegensatz zum Kino steht das Theater vor dem Problem, sein Personal noch einmal anders schützen zu müssen. Denn beim lauten Sprechen fliegen Tröpfchen und Aerosole besonders weit. Aber mit Maske und gehörigem Sicherheitsabstand auf der Bühne braucht sich der Vorhang überhaupt erst gar nicht zu heben. Ist ein Ende absehbar? Der kreuzer hat Stimmungen bei den drei städtischen Theatern eingeholt.

»Der Betriebsleitung der Oper Leipzig wird – aus politischer Richtung – geraten, davon auszugehen, dass bis zum 31. August mit keinem regulären Spielbetrieb zu rechnen sei.« Die Nachricht klingt zunächst hart. Damit ist die Spielzeit zu Ende. Immerhin ist das eine Perspektive. Vielleicht ist daher die Stimmung »verhalten optimistisch«, wie Sprecherin Patricia Grünzweig mitteilt. Sie hat sich im Haus, also in den jeweiligen Homeoffices der Mitarbeitenden, umgehört. »Für alle Künstlerinnen und Künstler, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist zu sagen, dass die große Mehrheit künstlerisch tätig sein will und sich ins Theater zurück sehnt/wünscht.« Das Ballett trainierte täglich gemeinsam via Videokonferenz auf Tanzbodenstücken, die ihnen aus der Oper nach Hause geliefert wurden. Sänger und Musiker arbeiteten von zu Hause aus an Übungen. Premieren sollen, wenn möglich, in die nächste Spielzeit verschoben werden.

Im Theater der Jungen Welt fährt man auf Sicht

Auch am Theater der Jungen Welt schaut man nach vorn – was soll man auch sonst machen. Derzeit wird an einer Alternative zur Brücken-Revue gefeilt, die den Abschluss der 18-jährigen Intendanz von Jürgen Zielinski bilden sollte. Kleinere Open-Air-Konzepte an den Juni-Wochenenden sind angedacht. Was konkret passieren wird, steht noch vor der Bekanntgabe. Wie bei allen Projekten zu Corona-Zeiten, muss man auf Sicht fahren und schauen, was unter Hygienevorschriften geht.

Nach digitalem Theater beim Schauspiel Leipzig wird es auch in Zukunft anders

Von Seiten des Schauspiel Leipzigs lautet die Perspektive »vorsichtig optimistisch«, so Pressesprecherin Esther Ningelgen. Premieren konnten auf den Herbst verschoben werden, derzeit wartet man die Hygienevorgaben der Regierung ab. Die Gastkünstler erhielten hier ebenso wie am Theater der Jungen Welt und an der Oper für April und Mai eine Gagenfortzahlung von 50 Prozent. Dann müssen sie, lässt sich aus der Logik des Marktes schlussfolgern, sehen, wo sie bleiben. Dramatische Literatur gibts bei den »AutorInnentagen« im Juni, wenn auch noch als Stream. Neben digitalen Proben, werden neue Sitzplatzverteilungen für die Säle erarbeitet und Maßnahmen eingeleitet, damit auch der Probebetrieb wieder losgehen kann. Denn wie alle anderen Theater und freien Gruppen in der Stadt, will auch das Schauspiel endlich wieder Theater machen. Oder so etwas Ähnliches? Ningelgens Botschaft dämpft die Erwartungen: »Aufgrund der veränderten Bedingungen wird das Theatererlebnis sicherlich ein anderes sein als vor der Corona-Krise, aber wir, allen voran unser Ensemble, freuen uns sehr darauf, endlich wieder live für unser Publikum spielen zu dürfen.«

»Boom L.E. – Ein Häuschen, das muss wandern...«, für die Termine schauen Sie bitte auf http://www.kreuzer-leipzig.de und http://ost-passage-theater.de

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