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Pippi hat Geburtstag

Vielfältig: Der Oettinger-Verlag feiert mit »Pippi Langstrumpf« seine erfolgreichste Kinderbuchheldin

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Unzählige Bücher überfluten den Markt. Linn Penelope Micklitz und Josef Braun helfen einmal wöchentlich auf »kreuzer online« bei der Auswahl. Diesmal taucht Familienredakteur Josef Braun in »Pippi Langstrumpf. Heldin, Ikone, Freundin« tief ein, in die Welt des Mädchens, das schon mit seinem ersten Auftritt alles auf den Kopf stellte.

Es ist nicht schwer Pippi Langstrumpf zu mögen. Das Mädchen mit den zwei roten Zöpfen, das stets mit den Füßen auf dem Kissen einschläft und schon mal sein Pferd hochhebt, gehört zu den beliebtesten Kinderbuch-Protagonistinnen der letzten Jahrzehnte. Das beweisen Übersetzungen, Verkaufszahlen, aber eben auch die persönlichen Erinnerungen vieler Menschen, die mit den Büchern von Astrid Lindgren aufgewachsen sind. In einem Text beschreibt der 1986 verstorbene Verleger Friedrich Oettinger wie er die schwedische Autorin kennenlernte. Kurz nach dem Krieg sah die literarische Landschaft in Deutschland ziemlich trist aus. Ein Besuch in Schweden sollte Oettinger Einblick in die Weltliteratur gewähren. Bald fand er sich in einem Stockholmer Buchladen wieder und bekam ein Kinderbuch in die Hand gedrückt. »Ein kleines, unscheinbares Buch«, so schildert er es in seinen Erinnerungen. Oettinger gefiel das Buch und es kam zur Begegnung mit Astrid Lindgren. Die fand zwar, dass der Verleger etwas heruntergekommen aussah, erlaubte ihm aber dennoch ihre Arbeiten in Deutschland zu verlegen.

Fünfundsiebzig Jahre später würdigt Oettingers Verlag nun Pippi Langstrumpf. In Kapiteln wie »Das Revolutionäre an Pippi Langstrumpf«, »Pippi in Deutschland« oder »Pippi international« werden die Auswirkungen von Pippi Langstrumpf auf die Nachkriegs-Gesellschaft untersucht. Neben zahlreichen Essays und Artikeln, kommen dabei auch individuelle Eindrücke nicht zu kurz. Die Palette prominenter Persönlichkeiten in »Pippi Langstrumpf« reicht von Pippis erster Synchronsprecherin Eva Mattes, über die Schriftstellerin Ulrike Draesner bis zur ehemaligen First Lady Michelle Obama. Bilder und Briefe von Lindgren selbst, sowie Faksimiles ergänzen das Jubiläums-Buch. »Zu viel Gelehrsamkeit kann selbst den Gesündesten kaputt machen«, wird Pippi darin an einer Stelle zitiert. Dennoch wäre ein Artikel, der die Debatte um rassistische Begriffe in den Langstrumpf-Büchern einordnet, wünschenswert gewesen. So ist »Pippi Langstrumpf« vor allem die Feier einer Ikone. Die strahlt allerdings auch heute noch so hell, wie zu der Zeit als Astrid Lindgren ihrer Tochter zum ersten Mal von ihr erzählte.

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