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Hochgejazzt

Leipzig bekommt ein Festivalhaus, der Jazzclub zieht ein, die Cinématèque nicht

Die Vorderseite der Gottschedstraße 16 Größeres Bild

Neue Szene, Skala, Filmkunsthaus: Die Liegenschaft in der Gottschedstraße 16 hat schon einige Namen und Vorhaben kommen und gehen sehen. Nun gibt es eine neue Idee.

Die Entscheidung im Stadtrat vergangene Woche macht den Weg frei. Das Gebäude verbleibt im städtischem Eigentum und soll nach einer Sanierung zum »Haus der Festivals« werden. Gemeinnützige Kulturträger der Freien Szene sollen hier ihr Quartier haben. Der Saal soll dem Jazzclub als feste Spielfläche dienen.

Die Diskussion war moderat. Mit Verweis auf die nicht klar definierten Kosten beziehungsweise die Haushaltslage stimmten lediglich Vertreter der CDU und der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD, Heiko Bär, dagegen. Das sei ein Grundsatzbeschluss, sagt Kulturamtsleiterin Antje Brodhun auf kreuzer-Nachfrage. »Die Vorlage selbst hat keine finanziellen Auswirkungen. Es werden im Zuge des zu erwirkenden Planungsbeschlusses konkrete Aussagen zu den Kosten, Fördermöglichkeiten und Eigenmitteln getroffen. Anschließend erfolgt der Bau- und Finanzierungsbeschluss, als Basis für die praktische Umsetzung der Maßnahme.« Zum Beispiel soll die Finanzierung über Einnahmen durch die Gästetaxe geprüft werden.

Irritationen, dass die Cinémathèque nicht ins Gebäude einzieht, räumt Brodhun mit Hinweis auf die verschiedenen Planungsphasen aus. »Der Cinémathèque e.V. war lange integrativer Bestandteil und über längere Zeit Motor der Perspektiventwicklung Gottschedstraße 16. Nach Scheitern der Kaufbemühungen 2015 hat sich der Verein der Entwicklung alternativer Standorte gewidmet.« So wurde intensiv daran gearbeitet, das Filmkunsthaus auf dem Gelände der Feinkost-Genossenschaft zu etablieren. Nachdem dieser Plan scheiterte, suche die Cinémathèque nun ein neues Objekt.

»Das aktuelle Konzept eines Filmkunsthauses wäre derzeit mit einer Nutzung eines multifunktionalen Festivalhauses räumlich wie auch konzeptionell nicht kompatibel«, so Brodhun. »Zudem haben Vorstand und Geschäftsführung der Cinémathèque e.V. im Februar 2020 am Tisch der Bürgermeisterin deutlich gemacht, dass sie ihr Vorhaben bevorzugt auf einer privaten Liegenschaft entwickeln wollen.« Ein Konzept, dass der Verein für einen Standort an der Westseite des Hauptbahnhofs entwickelt, soll der Behördenleiterin zufolge bis Ende Juli vorliegen. Die eingestellten Fördermittel von Bund und Land könnten in zukünftige Haushaltsjahre übertragen werden. »Eine Bewilligung kann erst auf Antrag erfolgen; dieser ist derzeit noch nicht gestellt.«

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