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Für die Leinwand

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Die Auferstehung des Kinos wird mit einem fieberhaften Albtraum zelebriert: Der junge brasilianische Regisseur Alejandro Landes drehte in der kolumbianischen Wildnis einen kraftvoll-archaischen Abenteuerfilm. Berauschende Bilder, ein hypnotischer Soundtrack und die Riten der jugendlichen Protagonisten ergeben eines der faszinierendsten Kinoereignisse des Jahres.

Film der Woche: Auf einem entlegenen Plateau, irgendwo in den kolumbianischen Bergen trainiert eine Gruppe von Jugendlichen, die sich selbst »Monos« nennen, für den paramilitärischen Einsatz. In der menschenleeren Umgebung entwickeln sich Hirarchien und Machtkämpfe. Ein »Bote« sorgt ab und an dafür, dass die Disziplin nicht schleift. Eine amerikanische Ärztin dient als Geisel. Als die Situation ernst wird, ist die Gruppe gezwungen, sich tief in den Dschungel zurück zu ziehen. Das Gefüge droht auseinander zu brechen. Archaisch und wild sind die Riten, die von den Jugendlichen exerziert werden. Sie robben sich im Schlamm, tanzen um das Feuer. Vollkommen auf sich allein gestellt werden ihre ureigenen Triebe erweckt. Mit einer bemerkenswerten Gruppe junger Darsteller hat der brasilianische Regisseur Alejandro Landes ein filmisches Experiment in der entlegenen Wildnis des Chingaza Nationalparks gewagt. Das Ergebnis ist berauschend, mitreißend und in großartige Bilder gefasst. Motive von »Apocalypse Now« und William Goldings »Herr der Fliegen« vermischen sich zu einem Fiebertraum. Jasper Wolf fasst das Plateau über der Wolkendecke in atemberaubende Einstellungen, Mica Levis Score ist der pulsierende Herzschlag des Films. Alejandro Landes empfiehlt sich mit seinem zweiten Film als starke Stimme des lateinamerikanischen Kinos. Dafür gab es zahlreiche Preise bei Filmfestivals, unter anderem in Sundance und San Sebastian.

»Monos«: 8.–11.7., Cinémathèque in der Nato

Corinne ist abwesend. Seit ihr Mann starb, ist sie wie gelähmt von Trauer und kann ihrem Job als Musikproduzentin nicht mehr nachgehen. Die Erinnerungen verschlingen sie. Während ihrer Schwester Louise langsam das Verständnis für ihr Verhalten ausgeht, kommt Corinne einfach nicht mehr auf die Füße. Ein Auftrag in der Mongolei soll sie auf andere Gedanken bringen. Dort soll sie die Gesänge der Schamanen aufnehmen und lernt Oyun kennen. Bei einem Ritual erkennt die Schamanin, dass Corinne selbst Kräfte in sich birgt. Die Begegnung bleibt nicht ohne Spuren und zurück in ihrer Heimat erkennt Corinne, dass sie dem einmal eingeschlagenen Weg folgen muss, egal, was die anderen von ihr halten. Wir erleben die fremde Welt durch die Augen von Corinne. Die jahrhundertealten Riten wirken ungewohnt und mit dem Verstand kaum erfassbar. Fabienne Berthaud (»Barfuß auf Nacktschnecken«) öffnet das Bewusstsein des aufgeschlossenen Kinogängers für die Welt des Schamanismus. In kunstvollen Montagen visualisiert sie den Trancezustand. Cécile de France gibt sich der Rolle hin. Die zunehmende Außenperspektive hindert uns aber daran, das, was da mit Corinne passiert, vollends zu begreifen. Der Blick in »Eine größere Welt« schürt allerdings die Neugier, sich tiefer mit dem Thema und der Geschichte der realen Corinne Sombrun zu beschäftigen, die der Neurowissenschaft neue Blickwinkel offenbarte.

»Eine größere Welt«: ab 9.7., Passage Kinos

Suzi Quatro ist die Königin des Rock‘n‘Roll. Sie war die erste Frau, die sich in der Glamrockszene einen Bass umhing und damit Millionen Menschen erreichte. Gerade ist die Detroiterin 70 Jahre alt geworden. Gründe genug also, einen Dokumentarfilm über die Musikerin zu drehen, die so viele andere Musikerinnen beeinflusste. Einige von ihnen – unter anderem Debbie Harry, Tina Weymouth und Joan Jett – kommen in der Doku des australischen Filmemachers Liam Firmager zu Wort und erzählen, wie wichtig Quatro für ihr eigenes Schaffen war. Und doch bleibt die Sängerin von Hits wie »Can the Can« und »48 Crash« überraschend blass. Denn der lobpreisende Film jagt chronologisch durch ihr Leben, viele Statements sind nichtssagend, es fehlt an lustigen, traurigen, überhaupt bewegenden Anekdoten. Ein bisschen Dramatik kommt durch den familiären Konflikt auf, dass Suzi Quatro, die zusammen mit ihren Schwestern in einer Garagenband anfing, später alleine Karriere machte. Doch sowohl persönliche als auch spannende Fragen zur Rockgeschichte – vom Umgang mit Geschlechterrollen über Gemeinheiten des Business bis zu würdevollem Altern – werden kaum thematisiert, obwohl die Sängerin dazu bestimmt einiges zu erzählen hätte. »Suzi Q« zeigt keine Königin des Rock‘n‘Roll, sondern nur eine nette Frau im Leder-Jumpsuit.

JULIANE STREICH

»Suzi Q.«: am 10.7., Passage Kinos

Ein Mann und eine Frau lernen sich kennen. Er ist Rennfahrer, sie Skriptgirl beim Film. Beide wollen den Neuanfang. Doch es ist zu früh. Am Ende trennen sie sich, bevor ihre Beziehung richtig beginnen konnte. Claude Lelouch hat nach dieser relativ simplen Geschichte bereits drei Spielfilme gedreht. Immer mit derselben Besetzung. Dabei landete er gleich mit der ersten Verfilmung »Ein Mann und eine Frau« einen Publikumserfolg. Dennoch war dem französischen Regisseur nie dieselbe Aufmerksamkeit vergönnt, wie seinen Nouvelle-Vague-Kollegen. Die meisten seiner Filme sind mit der Zeit in den Hintergrund geraten. Nun kehrt er zu seinen Wurzeln zurück. Der Rennfahrer Jean-Louis Duroc lebt mittlerweile in einem Altenheim. Abseits der Anderen sitzt er im Garten und gibt sich Tagträumen hin. Als seine ehemals große Liebe Anne Gauthier erfährt, wie es um Duroc steht, besucht sie ihn. In den Gesprächen mit ihm, wird beider Vergangenheit erneut lebendig. Man tut diesem Film kein Unrecht, wenn man sagt, dass alles an ihm auf Sentimentalität ausgelegt ist. Hinzu kommen die Verweise auf Lelouchs vorangegangene Arbeiten. Aufnahmen der in die Jahre gekommenen Jean-Louis Trintignant und Anouk Aimée, stehen neben solchen aus den Sechzigern. Auch wenn die Handlung bisweilen etwas dürftig ist: letztlich ist »Die schönste Zeit unseres Lebens« vor allem eine nostalgische Feier ihrer langen Karrieren.

JOSEF BRAUN

»Die schönsten Jahre eines Lebens«: seit 2.7., Passage Kinos

Weitere Filmtermine der Woche:

Brot
Aus dem einfachen Grundnahrungsmittel Brot ist ein Markenprodukt mit immer mehr Sorten und Anbietern geworden. Der Film bietet authentische Einblicke in die heutige Welt des Brotes. – am 8.7. mit anschl. Filmgespräch mit Manfred Schellin (Biochemiker) und Pascal Rubertus (Handwerks-Bäckerei Backstein)
8.7., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Spuren – Die Opfer des NSU


Acht Jahre nach den Suiziden der Mörder nimmt Aysun Bademsoy in ihrem Dokumentarfilm die Perspektive von drei der zehn betroffenen Opferfamilien des NSU-Komplex ein – jenen der ermordeten Mehmet Kubasik, Enver Simsek und Süleyman Tasköprü. Dabei macht sie auch auf die lange Tradition rechter Morde in der deutschen Geschichte aufmerksam.
8.7., 21 Uhr, Ost-Passage Theater

Stummfilmtage auf der Warze
Das Wanderkino ist wieder zu Gast auf der Warze im Clara-Zetkin-Park.

Wandernde Flöhe – Die Kleinen Strolche / Der Fuhrmann des Todes (Auszug) / Einmal leicht drüber / Jetzt oder nie
9., 15.7., 21.30 Uhr

Das Lächeln der Madame Beudet / Sherlock, jr.

Stummfilmtage auf der Warze mit Tobias Rank (Piano) mit dem französischen Avantgardefilm »Das Lächeln der Madame Beudet« von Germaine Dulac und Buster Keatons »Sherlock, jr.«
10.07., 21.30 Uhr

Pat und Patachon auf hoher See / Die Babywäsche – Fünf kurze Filme mit den Kleinen Strolchen / Der Einwanderer / Das Bleichgesicht
11.7., 21.30 Uhr

Nanuk, der Eskimo
Der bedeutendste Dokumentarfilm der Frühzeit des Kinos. – Stummfilmtage auf der Warze mit Sebastian Pank (Saxofon/Bass-Klarinette), Tobias Rank (Piano)
12.7., 21.30 Uhr

Der Fuhrmann des Todes
Eine Umfrage unter schwedischen Filmkritikern kürte den einflussreichen Stummfilm nach dem Roman der Schriftstellerin Selma Lagerlöf im Jahre 2012 zum »besten schwedischen Film aller Zeiten«. – Stummfilmtage auf der Warze mit Anja Kleinmichel (Piano/Synthesizer)

13.7., 21.30 Uhr

Faust, eine deutsche Volkssage
Expressionistische Stummfilmadaption von Friedrich Wilhelm Murnau (»Nosferatu, eine Symphonie des Grauens«), die Motive aus dem Volksbuch »Historia von Doktor Johann Fausten – dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler« (1587) mit Elementen aus den Dramatisierungen des Stoffes durch Christopher Marlowe und Goethe verwebt. – Stummfilmtage auf der Warze mit Richard Siedhof (Piano)
14.7., 21.30 Uhr, Warze im Clara-Zetkin-Park

Der Ladenaufseher / Polizeibericht Überfall / Regen / Nachbarschaft im Klinsch
16.7., 21.30 Uhr

Polizei / Was tragen die Schotten darunter / Flitterwochen im Fertighaus
17.7., 21.30 Uhr

Im Namen des …
Pater Adam übernimmt eine kleine Gemeinde in der polnischen Provinz und baut dort ein Zentrum für Jugendliche auf. Die Begegnung mit einem exzentrischen jungen Mann, der im Ort als Außenseiter gilt, lässt unterdrückte Sehnsüchte in ihm wach werden. Der Teddy-Gewinner der Berlinale 2013 erzählt eindrucksvoll vom inneren Kampf eines katholischen Priesters. – im Rahmen des CSD Leipzig
13./14., 17.7., 20 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Uferfrauen
Die Leipzigerin Barbara Wallbraun erzählt berührend vom lesbischen L(i)eben in der DDR – im Rahmen des CSD mit anschl. Gespräch mit der Regisseurin Barbara Wallbraun
13.7., 18 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Heute oder morgen
Ménage-à-trois in einem Sommer in Berlin. – im Rahmen des CSD mit Vorfilm
14.7., 19.30 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Rafiki
In Kenia steht Homosexualität noch immer unter Strafe, und so müssen die beiden jungen Frauen im Film für ihr Glück kämpfen. Der erste kenianische Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde, ist eine charmante Liebesgeschichte und ein lebendiges Porträt der jungen Generation Kenias. – im Rahmen des CSD mit Einführung von der Aidshilfe Leipzig
14.7., 21.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island•

Couch Connections
Christoph Pehofer reiste um die Welt und schlief auf den Sofas unterschiedlichster Gastgeber. Premiere in Anwesenheit des Regisseurs.
15.7., 16 Uhr, Kinobar Prager Frühling, 21.30 Uhr, Sommerkino auf der Feinkost

Let’s talk about …
Erotisches Kurzfilmprogramm im Rahmen des CSD Leipzig.
15., 16.7., 19 Uhr, Cinémathèque in der Nato

I am not a witch
Die achtjährige Shula wird fälschlicherweise der Hexerei beschuldigt und in ein Camp verfrachtet. – mit them. Einführung: Verfolgung von »Hexen« in afrikanischen Ländern
16.7., 19 Uhr, Frauenkultur

Surf Film Nacht
Die Surf Film Nacht schafft Raum für Geschichten vom Wellenreiten und dem Lebensgefühl, das der Tanz mit dem Meer mit sich bringt. Heute mit »Trouble: The Lisa Andersen Story« – Chas Smiths Doku über die viermalige Weltmeisterin, ihre rastlose Jugend und ihren Status als Pionierin und Ikone des Frauensurfens. Wie immer mit Vorfilm.
16.7., 21.30 Uhr, Sommerkino auf der Feinkost

Leif in Concert – Vol. 2
Die Barfrau Lene plant nach einer Auszeit zur Wiederöffnung ihrer kleinen Kneipe ein Konzert mit dem dänischen Musiker Poorboy, der mit bürgerlichem Namen Leif heißt. Christian Klandts (»Little Thirteen«) neuer Film ist eine Liebeserklärung an die Musik und an dieses heimelige Gefühl, das es nur in dieser einen Kneipe gibt. – am 17.7. Premiere in Anwesenheit von Gästen im Sommerkino im Felsenkeller
17.7., 21.30 Uhr, Felsenkeller

Wenn die Gondeln Trauer tragen
Nicolas Roegs Meisterwerk aus Horror und Trauerverarbeitung.
17.7., 21.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island

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