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Brandaktuell

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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… und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Der kleine, feine Verleih Grandfilm bringt in dieser Woche einen äußerst wichtigen Film vorzeitig ins Kino. Eigentlich sollte »What you gonna do when the world is on fire« erst Ende des Jahres starten. Der brandaktuelle Dokumentarfilm, der an verschiedenen Beispielen Rassismus und Gewalt in den USA an der afroamerikanischen Bevölkerung zeigt, ist täglich in den Passage Kinos zu sehen und einmalig am Freitag im Open Air Kino in der Spinnerei.

»What you gonna do when the world is on fire«: ab 23.7., Passage Kinos, 24.7., Luru Open Air

Das inspirierende Sportdrama ist ein eigenes Subgenre des amerikanischen Films. Meist nach dem immer gleichen Erfolgsrezept gekocht, entwickeln sich die Produktionen regelmäßig zu Publikumserfolgen im Heimatland, während man hierzulande eher den Kopf schüttelt. Die US-amerikanische Begeisterung für Football, Basket- oder Baseball ist für die meisten Europäer schwer nachvollziehbar. Filme wie »The Blind Side«, »Coach Carter«oder »Moneyball« nehmen, zumeist auf wahren Begebenheiten beruhend, einen abgehalfterten Trainer, der eine drittklassige Mannschaft durch Teamgeist zum Sieg führt und dabei über sich selbst hinaus wächst. Die Spannung ergibt sich dabei durch den Spielablauf, bei dem das Publikum um jeden Punkt zittert, quasi von selbst.

Auch »Out of Play: Der Weg zurück« vertraut im Kern auf dieses Rezept, fügt dem Sportdrama aber eine tiefere Ebene hinzu. Im Kern ist Gavin O‘Connors Film nämlich ein Suchtdrama. Jack Cunningham (Ben Affleck) hat sich an das Ritual gewöhnt: Das erste Bier morgens unter der Dusche, Hochprozentiges in der Thermoskanne bringt in durch den eintönigen Arbeitsalltag auf dem Bau und der Tag endet entweder in der Stammkneipe, wo er sich bis zur Besinnungslosigkeit zulaufen lässt oder daheim, wo er trinkt bis entweder der Biervorrat leer ist oder er ins Koma fällt. Am nächsten Tag beginnt das Spiel von vorn.

Dabei hat Jack eine liebenswerte Familie, doch wenn sich seine Schwester Beth (Michaela Watkins) oder seine Ex-Frau Angela (Janina Gavankar) erkundigen, wie es ihm geht, macht Jack dicht. Er trinkt, um zu vergessen – bis ihn die Vergangenheit einholt und ihm eine zweite Chance offeriert: Er soll das Basketballteam seiner alten High-School trainieren, denn Jack war einst der hoffnungsvolle Star der Schule. Als ihm die Argumente ausgehen, den Job abzulehnen, willigt er ein. Was er vorfindet, ist ein Haufen selbstverliebter Halbwüchsige, von denen sich jeder einzelne in den Vordergrund spielen will. Bis auf den stillen Brandon (Brandon Wilson), in dem ein wahres Talent schlummert. Jack geht unerwartet in seiner Rolle als Mentor für die Kids auf, bis ihm einfällt, was er eigentlich vergessen wollte.

Betäubt und voller Zynismus begegnet Jack der Welt und ist wahrlich kein Charmebolzen. Ben Affleck spielt ihn distanziert und in sich gekehrt. Der Grund für sein Verhalten trifft den Zuschauer unerwartet und ins Herz. Es ist Afflecks überzeugende Darstellung eines Alkoholkranken, die über den ein oder anderen Drehbuchschnitzer und den genretypisch eher konventionellen Handlungsablauf hinwegsehen lässt. Den Spielszenen messen Drehbuchautor Brad Ingelsby (»Run All Night«) und Regisseur Gavin O‘Connor, mit dem Affleck bereits den ungewöhnlichen Killer-Thriller »The Accountant« inszenierte, erfreulicherweise nicht zu viel Raum ein, die Biographien der Spieler bleiben größtenteils Nebensache. »Out of Play« konzentriert sich voll auf Jacks Schicksal und seinen Kampf, sich aus der lähmenden Depression zu befreien.

»Out of Play: Der Weg zurück«: ab 23.7., CineStar

Georgien ist in Sachen homosexueller Emanzipation noch auf dem Stand der Bundesrepublik Deutschland von vor dreißig oder vierzig Jahren. »Als wir tanzten« ist nun der erste Film des Landes zu dieser Thematik, und da verwundert es nicht, dass er bei seiner Premiere von homophoben Protesten überschattet wurde. Der georgische Tanzchoreograf, der die mit Traditionen brechenden und für konservative Menschen nicht akzeptablen Tanzszenen des Films gestaltete, wollte aus Gründen der Diskriminierung im Abspann nicht namentlich genannt werden. Die Hintergründe bei der Entstehung von »Als wir tanzten« zeigen, wie wichtig es ist, dass Filme wie dieser gedreht werden, die sich gegen überholte Traditionen stellen und dem Publikum vor Augen führen, dass nicht alles schlecht ist, was von der breiten Masse (noch) verdammt wird. Merab und sein Bruder David sind schon von Kindesbeinen an begeisterte Tänzer, beide können sich nun Hoffnung machen, ins nationale Tanzensemble aufgenommen zu werden. Harte Konkurrenz erwächst den beiden in Irakli, einem Neuzugang in der Tanzgruppe ihrer Akademie. Ungeachtet der zwangsläufig aufkommenden Rivalität nähern sich Merab und Irakli zaghaft aneinander an – und erkennen schließlich, dass sie mehr füreinander empfinden als Freundschaft. »Als wir tanzten« liefert interessante Einblicke in eine uns weitgehend unbekannte Kultur. Hinzu kommen überzeugende Tanzszenen und eine verhalten schöne Liebesgeschichte.

FRANK BRENNER

»Als wir tanzten«: ab 23.7., Passage Kinos, Kinobar Prager Frühling

Thomas Alva Edison war nicht nur ein genialer Erfinder. Er war auch verdammt gut darin, seine Errungenschaften zu vermarkten. 1880 hatte er eine Glühbirne, die mehr als 14 Stunden Licht schenkte, zur Marktreife geführt. Gleichzeitig hatte er einen Weg gefunden, ganze Städte mit seinen Kupferleitungen zu verkabeln und sie mit Gleichstrom zu versorgen. Allerdings hatte diese Methode einen Nachteil: Sie war teuer. Sein Mitbewerber Charles Westinghouse setzte auf Wechselstrom und damit auf einen Weg, kostengünstig über viele Kilometer hinweg Strom zu liefern. Seine Methode war allerdings nicht ganz ungefährlich und so setzte Edison alles daran, den Konkurrenten zu diskreditieren – erst recht als die Regierung auf die Möglichkeit einer »würdigen Tötung« durch Elektrizität aufmerksam wird. Eine Geschichte, die viel Potential für großes Kino birgt, aus der Regisseur Alfonso Gomez-Rejon (»Ich, Earl und das Mädchen«) jedoch nur einen soliden Film machte. Und das obwohl er wirklich alle Mittel zur Verfügung hat: Ein mitreißender Score von Dustin O’Halloran (A Winged Victory for the Sullen), eine kunstvolle Kameraarbeit von Chung Chung-hoon (»Die Taschendiebin«) und eine großartige Besetzung: Benedict Cumberbatch legt seinen Edison als eine Mischung aus »Doctor Strange« und »Sherlock« an. Michael Shannon ist als Westinghouse auch schauspielerisch ebenbürtig. Was fehlt, sind die Zwischentöne. »Edison« ist spannend inszeniert, aber der Funke will nicht so recht überspringen.

»Edison – Ein Leben voller Licht«: ab 23.7., Passage Kinos, Cineplex, CineStar, Regina Palast

Weitere Filmtermine der Woche

DOK Sommerkino: Das Forum
Marcus Vetter blickt hinter die Kulissen des Weltwirtschaftsforums. Auftakt der Sommerkino-Reihe des Dok Leipzig.
23.7., 20 Uhr, Parkbühne im Clara-Zetkin-Park

Sea of Shadows – Der Kampf um das Kokain des Meeres
Eine drohende Katastrophe in einer der spektakulärsten Landschaften der Welt ist Auslöser für eine einzigartige Rettungsaktion. Wenn mexikanische Drogenkartelle und die chinesische Mafia kollaborieren um den seltenen Totoaba-Fisch im Golf von Kalifornien zu wildern, bedrohen ihre Methoden das gesamte maritime Leben der Region – inklusive das des extrem seltenen Vaquita, einer Unterart der Wale.
23.7., 21.30 Uhr, Kinosommer im Felsenkeller

Willkommen zu Hause – Distillery. 20 Jahre Clubgeschichte
Der Film taucht ein in den Mikrokosmos der Leipziger Club-Legende Distillery und verleiht Veranstaltern, DJs und Partygästen in exklusiven Interviews eine Stimme.
23.7., 21.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island

Leviathan
Ein ganzes Jahr haben die Regisseure Lucien Castaing-Taylor und Verena Paravel zusammen mit Hochseefischern aus England auf dem Meer verbracht. Dabei haben sie mit ihrer Kamera den harten Alltag der Besatzung des Schiffes in audiovisuell einmaliger Art festgehalten.
22.–24.7., 20 Uhr, Cinémathèque in der Nato

Jojo Rabbit
Deutschland während des Zweiten Weltkriegs: Der kleine Jojo Betzler ist ein aufrechter HJler. Da er die Tage meist allein verbringt, hat er sich einen imaginären Freund erschaffen: Adolf Hitler persönlich. Der ist aber ganz und gar nicht erfreut, als Jojo ein jüdisches Mädchen kennenlernt. Herrlich schwarze Adaption des Romans von Christine Leunens.
24.7., 16 Uhr, Cineplex

Yummy
Horror-Komödie für Zombie-Fans.
24.7., 19.40 Uhr, Cinestar

Swingersi
Beziehungskomödie aus Polen. – Polnisches Kino im OmeU
25.7., 17 Uhr, Cineplex (OmeU)

The Fall
Der verletzte Stuntman Roy freundet sich im Krankenhaus mit der achtjährigen Alexandria an. Er beginnt, ihr eine abenteuerliche Geschichte zu erzählen, in deren Verlauf die Grenzen zur Realität immer weiter verschwimmen. Ein fantasievoller Bilderrausch über die Macht des Geschichtenerzählens von Tarsem Singh.
25.7.–27.8., 20 Uhr, Cinémathèque in der Nato (OmU)

Traumreise durch Südamerika
Eine Reise durch Südamerika, die in den tiefen Regenwäldern am Äquator beginnt und 8000 Kilometer südlich in Patagonien endet. – Fernblick
26.7., 13 Uhr, Passage Kinos

Futur Drei
Mit der Rückkehr des Kinos gibt es heute Abend auch endlich wieder queeres Kino in der Passage: Im Drama »Futur Drei« treffen drei junge Iraner in Deutschland aufeinander und erleben zusammen einen unvergesslichen Sommer. – Queerblick
29.7., 20 Uhr, Passage Kinos

Léon – der Profi
Luc Bessons Kultfilm mit Jean Reno als schweigsamer Killer und Natalie Portman in ihrem ersten Leinwandauftritt.
29.7., 20 Uhr, Cineplex

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