Startseite / Kultur / Kino bewegt

Kino bewegt

Die Kinostarts der Woche im Überblick

Zwei Frauen liegen aneinandegekuschelt im Bett Größeres Bild

Diese Woche lenkt unser Autor Lars Tunçay seinen Blick auf einen Filmabend der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Außerdem dabei: Die Geschichte zweier Frauen, die ihre Beziehung vor der Welt und den eigenen Kindern geheim halten müssen und die Suche eines jungen Musiktalentes nach seinen jüdischen Wurzeln.

Die HGB bringt Kino in Bewegung: Eine Initiative aus Künstlern schickt Filme aufs Land, um sie einem neuen Publikum zu öffnen. Am Freitag geht die Reise weiter, diesmal nach Taucha. Gezeigt werden vier Filme aus den vergangenen 30 Jahren, bei denen es um persönliche Familiengeschichten, Fremdheit und Zugehörigkeit in einem Leipziger Box-Gym, einen kalifornischen Flugzeugschrottplatz und west-östliche Landschaften um 1990 geht. Mit dabei ist die Filmemacherin des preisgekrönten Kurzfilms »Maman Maman Maman« von 2019, Lucia Margarita Bauer. Eine Übersicht der gezeigten Filme gibt es hier.

»Kino in Bewegung«: 7.8., 20.30 Uhr, Marktplatz Taucha

Nina und Madeleine sind seit vielen Jahren ein Paar. Seit einiger Zeit leben sie Tür an Tür in einem Appartementhaus. Sie haben eine tägliche Routine entwickelt, um ihre Beziehung vor anderen zu verbergen und sich trotzdem nahe zu sein. Doch die Türen sind immer geöffnet und Ninas Wohnung ist verwaist, weil sie sich bei »Mado«, wie sie Madeleine liebevoll nennt, eingerichtet hat. Gemeinsam träumen sie von einem Lebensabend in Rom, der Stadt, in der sie sich einst trafen. Der Verkauf der Wohnungen ist vorbereitet, nun muss Mado nur noch ihre beiden erwachsenen Kinder informieren. Doch die ahnten nie etwas von der Beziehung zu Nina und dem Schmerz, den die jahrzehntelange Ehe mit ihrem Mann, dem Vater ihrer Kinder, für Madeleine bedeutete. Die Enttäuschungen, die unausgesprochene Geheimnisse nach sich ziehen, aber auch die Hilflosigkeit in einer geheimen Beziehung sind die Grundthemen von Filippo Meneghettis Langfilmdebüt. Behutsam und sinnlich erzählt er von einer Liebe zwischen zwei Frauen, die auch in der Gegenwart im Verborgenen bleiben muss, von verletzten Gefühlen und fehlenden Freiheiten, als Nina schließlich verwehrt wird, sich um ihre Partnerin zu kümmern. Erzählt im ruhigen Ton von Michael Hanekes »Liebe«, jedoch mit einem flammenden Plädoyer für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare. Besonders Barbara Sukowa trägt dabei die schauspielerische Last mit Bravour.

»Wir beide«: ab 6.8., Passage Kinos

London in den Fünfzigern: Am Abend des großen Konzerts, das seinen Durchbruch als Violinist bedeuten könnte, verschwindet Dovidl spurlos. Sein »Bruder« Martin versteht nicht, wie er ihn und seinen Ziehvater ohne ein Wort zurücklassen konnte, nach allem, was sie für ihn getan haben. Mit 9 Jahren kam der jüdische Junge in die Familie. In ihm schlummerte ein Musiktalent, doch in seiner Heimatstadt Warschau tobte der Krieg. Jahrzehnte später macht sich Dovidl auf die Suche nach seinen jüdischen Wurzeln und Martin folgt den Spuren seines Freundes. Basierend auf dem Debütroman des Musikjournalisten Norman Lebrecht erzählt der kanadische Regisseur François Girard (»Die rote Violine«) von jüdischer Identität und Freundschaft. Die drei Zeitebenen sind geschickt miteinander verwoben, vor allem die Kinderdarsteller überzeugen, der Score von Howard Shore (»Herr der Ringe«) reist mit. Nach der kraftvollen Ouvertüre zieht »The Song of Names« den Zuschauer hinein bis zu einem Finale, das etwas zu kurz kommt, um die emotionale Kraft gänzlich auszuspielen.

»The Song of Names«: ab 6.8., Passage Kinos, Cineplex

Weitere Filmtermine der Woche

Globale 2020

Fire in the blood


Der Dokumentarfilm zeigt, wie die westlichen Regierungen und Pharmakonzerne Afrika kostengünstige AIDS-Hilfe vorenthalten. – Globale


8.8., 20 Uhr, Caracan. Bar & Grill



Verdrängung hat viele Gesichter


Das Problem der Gentrifizierung am Beispiel Berlin Treptow. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hat das »Filmkollektiv Schwarzer Hahn« den Kiez mit der Kamera begleitet. In einem Mix aus Interviews, Aufnahmen von Baustellen, Demonstrationen und Versammlungen zeichnet der Film ein konkretes Bild und steht stellvertretend für viele andere Stadtteile mit gleichen Problemen. – Globale


12.8., 20 Uhr, Gieszer 16



Uta


Im Mutterleib für tot erklärt, kam Uta Pilling ganz ohne Reflexe auf die Welt. Erst mit neun Monaten war sie vollständig reaktionsfähig. Das war ihr Eintritt ins Leben. Es ist ein steiniges Leben, über das sie uns erzählt. Das Porträt einer Straßenmusikerin, die uns begreifbar macht, dass Glücklichsein kein Zustand, sondern eine Fähigkeit ist. – Premiere, Globale


13.8., 20 Uhr, Richard-Wagner-Hain

Der Wasserkrieg & Before the coup


Zwei Dokumentarfilme zur Situation in Bolivien: Wie die Bevölkerung den »Wasserkrieg« gegen den US-Investor gewann und »Before the Coup« von Diego Gonzales, der Präsident Evo Morales noch wenige Tage vor dem Putsch interviewte. – Globale
14.8., 20 Uhr, Wagenplatz Toter Arm

Die roten Schuhe


Ein Meisterwerk des Ballettfilms um eine junge Tänzerin, hin- und hergerissen zwischen der Leidenschaft des Tanzes und einer verbotenen Liebe. Die wohl berühmteste Arbeit des Regie-Duos Powell/Pressburger nach dem Märchen von Hans Christian Andersen. – Let’s Dance! Tanz im Film


8.8., 20 Uhr (OmU)




Shorts Attack: Fisch liebt Vogel


Kurzfilmprogramm: 12 Filme in 86 Minuten. Tiere in außergewöhnlichen Lebenslagen.
9.8., 20 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden


Absurd-komisches Kino aus Spanien im Freaky Monday.
10.8., 21 Uhr, Passage Kinos

Der geteilte Himmel


Die Verfilmung von Christa Wolfs Roman lehnt sich formal an die französische Nouvelle Vague an und lief in der DDR zunächst sehr erfolgreich. Heute gilt der Film als eine der ambitioniertesten und zugleich kritischsten DEFA-Produktionen. – Jahrestag Mauerbau 13. August 1961
13.8., 18.30 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Leipzig stands with Hong Kong
Die Bewohner von Hongkong gehen gegen das autoritäre Regime der Kommunistischen Partei Chinas und die schleichende Erosion ihres Rechtes auf freie Meinungsäußerung auf die Straße. Die Hongkonger Filmemacher Willis Ho und Lo Chun-yip haben unterschiedliche Facetten der Protestbewegung in einer Reihe von Kurzfilmen eingefangen.
13.8., 20 Uhr, Galerie KUB

Marona’s Fantastic Tale
Nach einem Unfall erinnert sich die kleine Hündin Marona-Sara-Ana-die-Neunte an all die verschiedenen Herrchen, die sie nacheinander hatte und bedingungslos liebte. – DOK-Leipzig Sommerkino
13.8., 20 Uhr, Parkbühne im Clara-Zetkin-Park

Die BMX-Bande
Jugendfilm aus den Achtzigern, in dem eine sehr junge Nicole Kidman coole Stunts mit dem BMX-Bike macht. – Filmnächte Scheibenholz zu Gast im Cineplex


14.8., 16 Uhr, Parkbühne im Clara-Zetkin-Park

Love Sarah



Charmante britische Geschichte von Freundschaft, Verlust und Gaumenfreuden. – Preview
14.8., 21 Uhr, Sommerkino auf der Feinkost

World Taxi


In »World Taxi« steigt der Filmemacher Philipp Majer und mit ihm das Publikum in fünf Taxis rund um den Globus und lauscht den Geschichten der Chauffeure und ihrer Passagiere.


14.8., 19 Uhr, Kinosommer im Felsenkeller

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare