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Der Weg des Erinnerns

Die vierte Station der Leipziger Sportroute ist eröffnet

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Mit der Leipziger Sportroute wird in der Stadt an jüdisches Leben sowie das enge Verhältnis von Sport und Politik erinnert. An insgesamt 22 Stationen sollen dafür Tafeln und Stelen aufgebaut werden. Nun wurde die vierte Station an der Delitzscher Straße eingeweiht, was einige Besucher angezogen hat.

Bunt leuchtet seit gestern eine Stele am Eingang eines Baumarktes an der Dübener Landstraße im Norden der Stadt. Sie erinnert an den Sportplatz des jüdischen Sportvereins Bar Kochba. Er kaufte in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts das gegenüberliegende Gelände und richtete dort einen Sportplatz ein. 1938 musste sich der Verein zwangsauflösen.

Seit 2016 ähnelt das Gelände einer Mondlandschaft mit vereinzelt rumliegenden Geröllmassen. Damals entsorgte der Eigentümer die letzten Reste des jüdischen Sportplatzes, welche die vergangenen Jahrzehnte unbehelligt überstanden hatten. Die Aufregung in der Stadt als auch das Interesse an dem Platz wurden größer. Seit zwei Jahren erinnert in der Elsterstraße eine Tafel an den Verein.

Vier Jahre später ist das Interesse immer noch groß. Bei der Eröffnung sind im Gegensatz zu den Einweihungen der ersten drei Stelen der Sportroute Leipzig deutlich mehr Menschen anwesend – von Bundestagsabgeordneten wie Monika Lazar, Mitgliedern des Sportausschusses und Stadträten, Mitglieder vom SV Makabi Leipzig, der Landesrabbiner Zsolt Balla, der Ehrenvorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Leipzig Rolf Isaakson als auch Vertreter vom 1. FC Lokomotive Leipzig.

Das freute Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke sehr. Sie sieht es als Zeichen, dass Sport immer viele Menschen berühren. »Sehr wichtig« findet sie die Einweihung und die Erinnerung, denn »Sport verbindet«. Zudem erinnert die Stele an das laufende Projekt der Stadt zur Einrichtung und Wiedereröffnung des seit 30 Jahren geschlossenen Sportmuseums. Die Gespräche mit RB Leipzig gehen bald in die nächste Runde wie Skadi Jennike frohen Mutes erklärte. Die bisherigen Pläne sehen vor, dass das Museum um das ehemalige Zentralstadion eingerichtet wird. Dort wurde es 1977 als erstes seiner Art in Deutschland auch eröffnet. Und RB besteht darauf, dass wenn Spiele zur Fußball-Europameisterschaft 2024 stattfinden – das Stadion keine Baustellen mehr besitzen soll.

Da passt es auch, dass zur Eröffnung sowohl die langjährige und ehemalige Leiterin des Sportmuseums Gerlinde Rohr anwesend war als auch der seit heute im Amt befindliche neue Direktor dieser bedeutsamen Sammlung Aiko Wulff.

»Es ist geschehen und darf nie vergessen werden«, mit den Worten erinnerte der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde Küf Kaufmann an die Situation der Ausgrenzung und Zerstörung. Denn es darf nicht vergessen werden, dass Leipzig im Nationalsozialismus eine Vorreiterrolle einnahm und viel früher als andere Kommune jüdischen Menschen den Zugang zu öffentlichen Orten verbot. Die Stele, auf der die Entwurfszeichnung von Wilhelm Haller zum Sportplatz zu sehen ist, soll ihm zufolge die heutige und zukünftige Generationen warnen.

Dazu kann das gerade erschienene Buch »Im Sportgeist gegen die Entrechtung« von Yuval Rubovitch und Gerlinde Rohr über die Geschichte des jüdischen Sports in Leipzig beitragen. Aber auch der aktive Sport – wie der 2005 gegründete Sportverein Makabi Leipzig, der sich auf Bar Kochba beruft. In diesem Sommer hätte das »6. Internationale interkulturelle Fußballbegegnungsfest« ausgerichtet vom Familienportal Tüpfelhausen stattfinden sollen. Corona kam dazwischen. So wird das Turnier um den Max & Leo Bartfeld Pokal der internationalen Jugend ebenso verschoben wie das Spiel einer israelischen Profiauswahl gegen den Regionalligisten BSG Chemie Leipzig und die Ausstellung über Opfer des NS-Terror- und Gewaltregimes.

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