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Die Kinostarts der Woche im Überblick

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Trotz Corona startet das DOK Leipzig – sogar im Kino, aber Zuschauer können auch die Sofavariante wählen. Außerdem mit den Empfehlungen für die kommende Woche.

Die Zeiten sind nicht optimal für ein Publikumsfestival wie das Dok Leipzig. Schlangestehen und Kinogucken mit Abstand ist eben nicht dasselbe. Außerdem gibt es keine Flieger, die die Filmemacher nach Leipzig bringen, und der Seeweg ist zu aufwendig. Nur gut, dass wir in einer vernetzten Welt leben – und wenn die Leute nicht zum Dok kommen können, kommt das Dok eben zu ihnen nach Hause. So gibt es in diesem Jahr erstmals die Möglichkeit, nahezu alle Filme vom Sofa aus zu streamen – und das ganze zwei Wochen lang. »Das Kino hat für uns aber immer noch Priorität«, sagt Christoph Terhechte, der herausgeforderte neue Festivalchef. Daher werden alle Filme auch erst mal im Kino gezeigt. Im Anschluss soll es dann Live-Diskussionen mit den Filmemachern per Videoschalte geben, an denen man auch von daheim aus teilnehmen kann – wenn denn alles klappt. »Die Technik wird mit heißer Nadel gestrickt. Ich kann nur hoffen, dass alles so ablaufen wird, wie wir uns das vorgestellt haben«, gab Terhechte bei der Online-Pressekonferenz zu. Ob das was wird und ob es sich lohnt, das erfahren Sie wie immer zur Festivalwoche im kreuzer-Dok-Blog.

Dok Leipzig: 26.10.–1.11., Cinestar, Passage Kinos, Schauburg
& online auf dok-leipzig.de
Den kreuzer-dok-Blog finden Sie unter: http://dokblog.kreuzer-leipzig.de/

Leningrad 1945: Tagsüber arbeitet Iya in einem Krankenhaus, wo die Kriegsverserten landen, verwundete, paralysierte, wie sie selbst traumatisierte menschliche Trümmer. Abends kümmert sich die großgewachsene Frau, die von allen immer nur »Bohnenstange« genannt wird, liebevoll um den aufgeweckten Pashka. Doch ihre Anfälle, in denen sie davon gleitet, nehmen Überhand, und schließlich das Leben des kleinen Kerls. Kurz darauf kehrt Masha heim von der Front. Sie ließ Pashka zurück, um den Tod ihres Geliebten rächen. Nun ist sie allein und besessen davon, wieder ein Kind zu bekommen, an dem sie sich festhalten kann. Deshalb schmiedet sie einen perfiden Plan und Iya hat keine Wahl als ihr dabei zu helfen. In langen Einstellungen bewegt sich die Kamera durch das Haus der Frauen, in dem jedes Zimmer von unzähligen Überlebenden bevölkert wird. Dem Hunger stellt der junge Regisseur Kantemir Balagov den Überfluss der Familie des naiven Sasha entgegen, der eine Leidenschaft für Masha entwickelt. Die detailgenaue Ausstattung, in kräftigen Farben, kunstvoll ausgeleuchtet, und nicht zuletzt die großartigen schauspielerischen Leistungen geben ein intensives Gefühl für die Zeit, für die klirrende Kälte und bittere Armut jenes Nachkriegswinters im zerbombten Leningrad. Darüber hinaus lässt Balagov den Zuschauer immer wieder rätseln, was sich im Kopf seiner schweigsamen Figuren regt, in denen die Bilder des Kriegs tiefe Spuren hinterlassen haben.

»Bohnenstange«: ab 22.10., Passage Kinos, 9., 17., 26./27.11., Cinémathèque in der Nato, ab 12.11., Schaubühne Lindenfels

Pablo Larraín ist ein Freigeist. Bei seinen Filmen weiß man nie, was einen erwartet. Er rekonstruierte den Widerstand der »No«-Bewegung gegen Pinochet in körnigem VHS-Bild, widmete sich den Biographien von Pablo »Nerruda« und »Jackie« Kennedy und dem Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche (»El Club«) mit unkonventionellen erzählerischen Mitteln. So ist auch »Ema« schwer in eine Schublade zu packen. Schon im Vorspann wagt der Chilene den Spagat zwischen berauschenden Bildern einer Tanzperformance, erfüllt von Freiheit, Bewegung und Schönheit, und einer unaussprechlichen familiären Tragödie: Das Kind, das Ema gemeinsam mit ihrem Mann, dem Choreographen Gastón, adoptierte, versuchte Emas Schwester umzubringen. Es war offensichtlich nicht das erste Mal, dass Polo auffällig und Ema überfordert reagierte. Für sie ist im ersten Moment klar, Polo muss gehen. Doch ihre Muttergefühle lassen sie nicht ruhen und so heckt sie einen perfiden Plan aus. So konsequent wie Ema ihr Ziel verfolgt, inszenierte auch Larraín seinen Film. Als fiebrige Mischung zwischen Tanz und Aktionismus ist »Ema« ein Film über weibliche Selbstermächtigung, kompromisslos bis zum Ende. Ein Film voll Leidenschaft, der sich der rationalen Betrachtung immer wieder entzieht. Das macht den Zugang zu den Figuren nicht immer einfach. Die eindrucksvolle Körpersprache seiner Hauptdarstellerin Mariana Di Girólamo fasziniert aber bis zum cleveren Schlussakt.

»Ema«: ab 22.10., Passage Kinos

Weitere Filmtermine der Woche

11. Lateinamerikanische Tage
Aktuelles lateinamerikanisches Kino: Das umfangreiche Programm besteht aus über 20 Lang- und Kurzfilmen, zudem gibt es Workshops und Filmgespräche.bis 25.10., Schaubühne Lindenfels, Cineding, Mühlstraße 14

Toxic Business
Internationale Chemiekonzerne verkaufen in Kenia giftige Agrarpestizide, die in Europa längst verboten sind. Denn viele ihrer Wirkstoffe sind krebserregend und stellen eine große Gefahr für Natur und Umwelt dar. – Filmgespräch u. a. mit Marius Stelzmann (Geschäftsführer »Coordination gegen BAYER-Gefahren«) – Globale
22.10., 20 Uhr, Neues Schauspiel Leipzig

Frida Kahlo
Dokumentation über eine der bedeutendsten weiblichen Ikonen der Kunstwelt.– Einführung: Kristin Klemann (Kunsthistorikerin) – Kunst trifft Film
25.10., 16 Uhr, Passage Kinos

Goodbye, America
Episodenfilm über russische Einwanderer in den USA… – Russisches Kino im Original
25.10., 17 Uhr, Cineplex (OF)

Schlaf
Eine Frau träumt immer wieder von schrecklichen Dingen, die alle in demselben Ort geschehen. Als sie herausfindet, dass der Ort wirklich existiert, fährt sie dorthin um dem Grauen ihrer Träume auf die Spur zu kommen.
25.10., 18.30 Uhr, Passage Kinos

Wildherz
Seit sie 16 Jahre alt ist reist die inzwischen 20-jährige Simone durch Europa. Doch irgendwann bemerkt sie, dass sie dabei ist sich zu verlieren – Premiere in Anwesenheit der Protagonistin
25.10., 19 Uhr, Regina Palast

Neubau
Der schwule Transmann Markus lebt in der Uckermark, um sich so besser um seine pflegebedürftigen Großmütter kümmern zu können. Doch je länger er dort lebt, desto mehr sehnt er sich nach der Unabhängigkeit und der queeren Community einer Großstadt wie Berlin. – mit Vorfilm
26.10., 19 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Words of Bandits
Seit der Schließung der Grenze zwischen Frankreich und Italien im Jahr 2015 ist das Roya-Tal zum Symbol des Ungehorsams geworden. In dieser Enklave, in der Migranten auf eine bessere Zukunft hoffen, ist die Solidarität der Bewohner zu einem Akt des Widerstands geworden. – Im Anschluss Filmgespräch mit Aktivisten (Globale)
26.10., 20 Uhr, Neues Schauspiel Leipzig (OmeU)

The Dragon Dentist
Nonokos Aufgabe ist es, für die Dentalpflege des Drachen, des mächtigen Wächter des Landes, zu sorgen. – Anime-Night
27.10., 20 Uhr, Cineplex, Cinestar

The Unanswered Ives – American Pioneer in Music
Dokumentation über den amerikanischen Komponisten Charles Ives.
27.10., 20 Uhr, Horns Erben

Survivors – Hope and Resilience in the Time of Ebola
»Survivors« berichtet über die bemerkenswerten Geschichten dreier Sierra Leoner während der Ebola-Epidemie 2014-2016. Ausgehend von sehr persönlichen Geschichten im Epizentrum der Epidemie teilt der Film mutig die individuelle Tapferkeit und Menschlichkeit der Menschen, die sich in einer sich entfaltenden Krise befinden. – (Globale)
28.10., 20 Uhr, Ost-Passage Theater

Fluten
Der Leipziger Georg Pelzer erzählt in seinem ersten Langspielfilm von einem Typen, der sich in Lügen verrennt und dabei seine Beziehung aufs Spiel setzt. – Premiere mit dem Filmteam, anschl. Gespräch
29.10., 20 Uhr, Kinobar Prager Frühling

Schwesterlein
Film über eine Geschwisterbeziehung, die auf dem Kopf steht, als der Bruder an Leukämie erkrankt. Fortan setzt seine Schwester, eine gefeierte Theaterautorin alles daran ihren Bruder noch einmal auf die Bühne zu bringen…Premiere in Anwesenheit der Darsteller Nina Hoss und Lars Eidinger, sowie der Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Veronique Reymond
29.10., 20 Uhr, Passage Kinos

The Forum
Marcus Vetter blickt hinter die Kulissen des Weltwirtschaftsforums. – (Globale)
29.10., 20 Uhr, Felsenkeller

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