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»Oh wie schön ist doch die Welt, wenn man seine Klappe hält«

Zum Tod des ostdeutschen Illustratoren und Plakatkünstler Volker Pfüller

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Der Leipziger Künstler Volker Pfüller ist tot. Pfüller war einer der wichtigsten ostdeutschen Illustratoren und Plakatkünstler. Sein Werk umfasst zahlreiche Plakate und Bühnenbilder für das Theater als auch Kinderbücher. Nach langer Krankheit ist er nun im Alter von 81 Jahren verstorben.

Ende 2019 war im Haus des Buches die Ausstellung »Musenküsse« von Volker Pfüller zu sehen. Die Vergabe des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk im vergangenen Jahr bot mehr als genügend Anlass. Der Ausstellungstitel war dem gleichnamigen Buch entlehnt, das Pfüller 1987 gestaltet hatte und mit 22 ironischen Versen versah – wie etwa »Oh wie schön ist doch die Welt, wenn man seine Klappe hält.«

Neben dem Buch gab es in der Schau auf der kleinen Ausstellungsfläche am Gerichtsweg von Pfüller illustrierte Kinderbücher wie »Das Zauberhaus« und »Der kleine Ziegenbock«, »Die Haselmaus ist nicht zu Haus« oder Zeichnungen für »Das Magazin« aus den achtziger Jahren zu sehen. Neuere Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Lubok Verlag, bei dem Pfüller einige Künstlerbücher mit Original-Linolschnitten veröffentlichte.

Geboren 1939 in Leipzig, studierte Pfüller an der Fachhochschule für Angewandte Kunst Berlin-Oberschöneweide und an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee unter anderem bei Werner Klemke. Dort leitete Pfüller die Abteilung Bühnenbild und arbeitete von 1997 bis 2005 an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst als Professor für Illustration. Er beeinflusste eine ganze Reihe von Illustratoren von Thomas M. Müller über Atak bis zu Anke Feuchtenberger.

Pfüller schuf Bühnenbilder für das Deutsche Theater und die Volksbühne in Berlin oder die Münchner Kammerspiele und das Thalia Theater Hamburg. Er gestaltete zahlreiche Theaterplakate. Dass Pfüllers Arbeiten mehr sind als bloße Gebrauchsgrafiken, zeigen Ausstellungen im Kunstfeld wie 1986/87 in den Staatlichen Kunstsammlungen in Cottbus, in der Theaterplakate zu sehen waren. 1986 erhielt er den DDR-Kunstpreis.

Vor vier Jahren präsentierte Cottbus eine umfassende Schau mit dem Titel »Bilderlust« und Werken aus fünf Jahrzehnten. Gleiches und in Kombination mit den Arbeiten seiner Studentinnen und Studenten ist für Leipzig längst überfällig. Die letzte umfangreichere Ausstellung in seiner Heimatstadt war anlässlich seiner Emeritierung 2004 im Festsaal und in der Galerie der HGB zu sehen.

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