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Querdenker bleiben zu Hause

Der Aufruf der Querdenker in Leipzig zu demonstrieren, blieb (fast) folgenlos

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Für den 19.12. war in verschiedenen Corona-Leugner-Gruppen zu Demonstrationen aufgerufen worden. Neben den Gegendemonstranten sorgte auch die Polizei dafür, dass sich kaum jemand nach Leipzig traute.

Gegen Samstagmittag war klar, dass diesmal wohl kaum jemand gegen Corona auf die Straße gehen würde: Nur wenige waren den Aufrufen zur »Leipziger Corona-Spartakiade« mit Klatschen und Joggen in der Innenstadt gefolgt. Und auch die übrigen Aufrufe über den Ring und durch die Innenstadt zu spazieren, überzeugten kaum einen Corona-Leugner. Stattdessen dominierten Polizei und Gegendemonstranten das Straßenbild von Leipzig. Nach den Demonstrationen am 7.11 und 21.11, bei denen die Demonstranten nicht nur die Corona-Auflagen ignorierten, sondern auch die Polizei teilweise vollkommen planlos aussehen ließen, sollte es diesmal anders werden.

Das lag sicher auch an den Erfahrungen aus Dresden am 12. Dezember 2020, wo die Polizei hart durchgriff und Anreisen konsequent verhinderte. Mit mehreren Tausend Polizisten, Hunderten Metern Absperrungen in der Innenstadt, mehreren Wasserwerfern und Pferdestaffeln wollte die Polizei das in Leipzig wohl auch durchsetzen. Und so stoppte sie in Dölzig einen Reisebus, der zwar angeblich nur zur Gegendemonstration auf dem »Augustenplatz« wollte, das aber nicht glaubhaft vermitteln konnte. Dafür sorgten wohl auch ein Querdenken-Plakat und ein Schild der »Basisdemokratischen Partei«, die den Corona-Leugnern nahesteht.

Auch die Leipziger Zivilgesellschaft besetzte wieder die zentralen Plätze in Leipzig mit Kundgebungen, um der Querdenken-Bewegung keinen Raum zu geben. So fand auf dem Augustusplatz eine Kundgebung des »Bündnis für Solidarität« statt. Verschiedene ihrer Beiträge kritisierten die Coronapolitik: Sei es, dass Menschen in Kurzarbeit Mieterhöhungen für ihre Wohnungen zahlen müssten oder die Folgen der Isolation und Einsamkeit für die psychische Gesundheit, Corona träfe alle.

Verwirrung auf der Suche nach Protest

Zwar waren Beobachter wegen der geringeren Mobilisierung und der fehlenden Anmeldung einer Demonstration schon am Freitag davon ausgegangen, dass diesmal deutlich weniger Querdenker nach Leipzig kommen würden. Am Ende waren sie aber vor allem eins: deutlich in der Unterzahl. Selbst die anwesenden Journalisten übertrafen die Anzahl der Querdenker. Von der Polizei und den Gegendemonstranten ganz zu schweigen.

Foto: Tarek Barkouni

Eine Streamer-Gruppe um Stefan Bauer aus der Querdenken-Bewegung bewegte sich zwar in der Innenstadt, geriet aber schon vorher in eine Maßnahme der Polizei. Rund eine halbe Stunde später musste Bauer dann auch den Augustusplatz verlassen. Er hatte auf der Demonstration provoziert.

In den Telegram-Gruppen herrschte währenddessen hauptsächlich Verwirrung. Es zirkulierten zahlreiche Alternativpläne. Mal sollten sich alle in Markkleeberg treffen, mal sollten am Torgauer Platz 50 Querdenker demonstrieren. Dann riefen wieder andere auf, nach Halle oder Gera zu fahren, weil dort weniger Polizisten und »Antifas« seien. Schlussendlich stellten sich aber alle Nachrichten entweder als Fake oder folgenlos heraus.

Und so wurden die Querdenker zunehmend frustriert und verlagerten Aktionen auf die Gegendemonstrationen. Einer wurde von der Polizei vom Platz begleitet, nachdem er mit einem lauten »Buuuh« das Demonstrationsgeschehen begleitet hatte. Eine Gruppe aus vier Personen jenseits der 50, von denen einer recht offen das rechtsextreme Compact-Magazin unterm Arm trug, traf das gleiche Schicksal, nachdem sie mehrfach verweigerten, die Maske richtig aufzusetzen.

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