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Auf Regen folgt Sonnenschein

Das Jahr 2021 für die Leipziger Gastronomie

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Im neuen Jahr kann die Leipziger Gastronomie nicht einfach da weitermachen, wo sie vor der Pandemie stand. Unter den Wieder- und Neueröffnungen könnte es aber auch schöne Überraschungen geben

Es sieht ernst aus: Dem Dehoga zufolge, das ist der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, hatte die bundesweite Gastronomie zwischen März und August 2020 40 Prozent weniger Umsatz als im selben Zeitraum des Jahres 2019. Wir erinnern uns: Der erste Lockdown begann Mitte März, Mitte Mai öffneten Kneipen, Restaurants und Bars wieder. Für einige begann damit ein starkes Geschäft, die Leute wollten ausgehen, die Freisitzregelungen wurden großzügig gehandhabt. Die Zeit der Großzügigkeit zeigte sich nicht nur in Freisitzen, die bis auf die Fußwege wachsen durften. Sie schlug sich auch im Insolvenzrecht, in der gesenkten Mehrwertsteuer und in schnellen Hilfszahlungen nieder. Dass die Großzügigkeit nicht ewig währen würde, wurde bereits bei den sogenannten Novemberhilfen sichtbar, die Betrieben unter die Arme greifen sollten. Bald war nämlich klar, dass mit einem Großteil der Zahlungen nicht vor Januar zu rechnen sein würde. Für das seit Anfang November geschlossene Gastgewerbe bedeutet dies arge Bedrängnis, weil die Kosten unabhängig davon weiterlaufen, wie die Einnahmenseite aussieht.

Das Jahr 2021 beginnt, wie es endete: Die Gastro ist geschlossen. Das Jahr dürfte also eine bittere und hoffentlich auch überraschende Bestandsaufnahme bilden. Bitter, weil die erhoffte Normalität länger auf sich warten lässt und vielleicht nicht jedes lieb gewonnene Lokal wiedereröffnet. Überraschend, weil es doch viele geschafft haben und zudem ganz Neues die Szene belebt: Es gab Neueröffnungen zwischen den Lockdowns, und sogar während des zweiten Lockdowns werkelten fleißige Hände im Verborgenen, um künftige Konzepte vorzubereiten – jede Menge Geschichten also, die aufgeschrieben werden wollen. Insgesamt stellt sich die Frage: Ist nun alles wie immer? Oder ist nun immer alles anders? Außerdem: Haben die einstigen Gäste sich nun daran gewöhnt, dass nicht nur Snacks für den faulen Sonntagabend, sondern auch ganze Festtagsmenüs für größere Runden ins Haus geliefert werden? Und: Was bedeutet diese Entwicklung und wer hat eigentlich etwas davon?

Das Jubiläumsheft des Leipzig Tag & Nacht, die 25. Ausgabe des Führers durch die Leipziger Gastronomie aus dem Hause kreuzer, verlässt nach der Zwangspause 2020 die Druckerei im Frühsommer, wenn die Tage viel, viel länger sind als die Nächte und es noch eine Weile bleiben werden, in einer von Licht und Zuversicht satten Zeit also. Zuvor schwärmten die Testerinnen und Tester durch die wieder und neu eröffnete Gastroszene Leipzigs, besuchten Seminare, Verkostungen und Geschäfte, checkten Imbisse in der Stadt, Erzeugerinnen und Hersteller im Umland sammelten Rezepte und Anekdoten.

Im November findet in der Messestadt schließlich die Iss gut statt, die Messe mit der nicht gerade leicht verdaulichen Selbstbeschreibung als »führende Fachmesse für Gastgewerbe und Ernährungshandwerk in den neuen Bundesländern für den Wachstumsmarkt der gesamten Außer-Haus-Verpflegung«. Die ganze regionale Branche um die Gastronomie im weiteren Sinne – vom Barkeeper bis zum Bäcker, vom Kleinbauern bis zum Koch – kommt zusammen, bespricht sich und stellt sich vor. Sind die regionalen Netze während der Pandemie enger geworden, so wie es 2020 geweissagt wurde?

Es folgen die Weihnachtsfeiern und die Silvestermenüs, Brust oder Keule und die Riesenbratwurst auf dem Weihnachtsmarkt. Hier muss die Investigativrecherche sich den sich alljährlich aufdrängenden Fragen widmen, an welchem Weihnachtsmarktstand der Glühwein definitiv nicht trinkbar ist und welche Motivtasse bei Ebay am meisten trendet. Ebenfalls ist nun wieder die Zeit für eine Bilanz gekommen – gab es eigentlich Lehren aus der Pandemie? –, mit der im Rücken sich ein Blick in das Jahr 2022 wagen lässt.

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