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Offener Brief aus der »Runden Ecke«

Eine Gruppe von zehn aktiven und ehemaligen freiberuflichen Gruppenbegleiterinnen im Museum in der Runden Ecke bezieht erneut Stellung

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Aktive und ehemalige freiberufliche GruppenbegleiterInnen solidarisieren sich mit den zehn Menschen, die der Vorstand des Bürgerkomitees Leipzig, Träger des Museums Runde Ecke, ablehnte, und setzen sich für eine grundsätzliche Erneuerung der Institution ein.

Der kreuzer veröffentlicht an dieser Stelle die ungekürzte Stellungnahme der Museumsmitarbeiter. Die Namen der Unterzeichner liegen der Redaktion vor.

In Anbetracht der Ablehnung der Aufnahmegesuche von zehn Personen durch das Bürgerkomitee Leipzig e.V. möchten wir – als Gruppe von 10 aktiven und ehemaligen freiberuflichen GruppenbegleiterInnen im Museum in der »Runden Ecke« – erneut Stellung beziehen.

 

Wir finden es grundsätzlich äußerst befremdlich, dass Menschen, die sich demokratisch und zum Nutzen der Aufarbeitung von DDR-Unrecht engagieren wollen, die Aufnahme in einen Verein verweigert wird, der in seiner Satzung die Förderung der Demokratie als sein Ziel benennt.
Bei den Abgelehnten handelt es sich um Aktive, die 1989 an der Friedlichen Revolution und der Besetzung der Leipzig MfS-Bezirksverwaltung beteiligt waren, um Menschen, deren Kompetenz und Integrität außer Frage steht, und um Personen des öffentlichen und politischen Lebens, die bedeutende fachliche Expertise, persönliche Kontakte und beträchtliche Erfahrungen zum Nutzen des Vereins und der Gedenkstätte einbringen könnten. Wir halten es für unverantwortlich, auf ihre Mitwirkung zu verzichten.

 

Wir erklären uns daher grundsätzlich mit Stefan Georgi, Gisela Kallenbach, Katharina Krefft, Nicole Lakowa, Monika Lazar, Christian und Gesine Oltmanns, sowie den anderen abgelehnten Personen solidarisch und begrüßen die angestoßene Debatte in der Öffentlichkeit sehr.

 

Wir wissen, dass bereits in der Vergangenheit Anträge von KollegInnen, in den Verein aufgenommen zu werden, ebenso erst unverhältnismäßig lange Zeit verzögert und dann abgelehnt wurden.
Aus diesem Grund erscheint uns die aktuelle Begründung der Ablehnung von Herrn Hollitzer nicht plausibel und als ein vorgeschobenes Scheinargument.

 

Wir erklären uns ebenfalls mit der Entscheidung der Verantwortlichen der Stadt Leipzig solidarisch, dem Verein öffentliche Fördermittel vorzuenthalten, solange nicht substanzielle Ergebnisse bei der Erneuerung der Daueraustellung und transparente Arbeit der Museumsleitung belegt werden können.

 

Wir schließen uns unbedingt den allgemeinen Einschätzungen nach einer grundsätzlichen Erneuerung der gesamten Ausstellung und der Einrichtung eines unabhängigen wissenschaftlichen Beirates an und fordern eine – von uns in internen Sitzungen seit Jahren bereits immer wieder angemahnte, aber von Herrn Hollitzer stets abgelehnte – Neukonzeption der Dauerausstellung auf der Grundlage aktueller geschichtswissenschaftlicher und museumspädagogischer Expertisen.

Die kreuzer-Titelstory aus dem Juni 2019 als #kreuzerplus: https://kreuzer-leipzig.de/2019/05/29/macht-und-banalitaet/

Schon im September 2019 gab es einen ersten öffentlichen Brief, in denen ehemalige und aktuelle Gruppenbegleiter der Stasigedenkstätte strukturelle Probleme im Museum anprangerten: https://kreuzer-leipzig.de/2019/09/19/offener-brief-aus-der-runden-ecke/

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