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Fotografie heute


Leipzig gilt als Wiege der akademischen Fotoausbildung im Land. Wie steht es heute um die Fotografie in der Stadt und wie sieht die Zukunft aus? Eine Recherche

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Vor zehn Jahren widmeten sich drei Leipziger Museen der Fotografie in der Stadt seit 1839. Damals war hier erstmals die Weltneuheit Daguerreotypie zu sehen. Bis zur Gegenwart konnten die Arbeiten von 200 Fotografinnen und Fotografen studiert werden. Hier veröffentlichen wir die Titelgeschichte aus der Februar-Ausgabe des kreuzer.

Was ist heute von Fotografie in und aus Leipzig zu bemerken? Coronabedingt warten die Ausstellungen von Andreas Gursky und »1950–1980. Fotografie aus Leipzig« im Museum der bildenden Künste auf ihre Eröffnungen wie Fotoausstellungen an vielen anderen Orten auch (siehe S. 21). Statt Museumsbesuchen kann im Internet auf die Suche gegangen oder ein Buch zur Hand genommen werden. Wir empfehlen Instagramkanäle 
sowie Ausstellungsausflüge für später.

Christiane Eisler: Mädchen im Jugendwerkhof von Crimmitschau, Teil der Diplomarbeit an der HGB, 1983

Das Fotofestival F-Stop erfindet sich wieder neu und startet schon mal digital vor dem eigentlichen Festival, das Ende Juni beginnen soll. Was zeichnet Leipzig nun aus im Hinblick auf Fotografie? Der neue Direktor des Museums der bildenden Künste, Stefan Weppelmann, betont im kreuzer-Interview (siehe kreuzer-online) die immense Bedeutung der Fotografie, auch und besonders in der Dauerausstellung. Der kreuzer sprach mit vier Menschen aus Leipzig darüber, wie es um die aktuelle und die zukünftige Fotografie bestellt ist. Adrian Sauer hält fest: »Fotografie ist selbstverständlich.«

Bevor der Besuch von Kunsträumen wieder selbstverständlich wird, empfiehlt sich ein Spaziergang zu Fotografie im 
öffentlichen Raum. Anlässlich des siebten F-Stop im Jahr 2016 wurde in der Straße des 18. Oktober nahe der Tarostraße eine Installation zur Pionierin der Kriegsfotografie Gerda Taro (1910–1937) eröffnet. Sie wohnte von 1929 bis 1933 in der Stadt, emigrierte danach nach Paris und lernte dort André Friedmann (Robert Capa) kennen. An ihn erinnert das sogenannte Capa-Haus an der Angerbrücke. Hier nahm er die Fotografien auf, die im Life Magazine am 14. Mai 1945 unter der Überschrift »An Episode. Americans Still Died« erschienen. Auf dem Weg dahin befindet sich in der Elsterstraße Nr. 38 die Gedenktafel für die erste Berufsfotografin der Welt Bertha Wehnert-Beckmann (1815–1901).

»Ernsthaftigkeit in der Arbeit«
Anstelle eines Tischgesprächs vier Fragen an Menschen in Leipzig, die sich mit Fotografie beschäftigen

1. Was zeichnet zeitgenössische, künstlerische Fotografie aus Leipzig aus, gibt es überhaupt ein Alleinstellungsmerkmal?

2. Welche Positionen würden Sie als typisch Leipziger Fotografie beschreiben?

3. Gibt es in Leipzig genügend Gelegenheiten, um sich mit Fotografie auseinanderzusetzen?

4. Wie wird die Zukunft der Fotografie aussehen?

Interview mit Christin Müller (Kuratorin)

1 Das Alleinstellungsmerkmal ist, dass es vier starke Fachklassen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst gibt und dass die Auseinandersetzung mit Theorie wichtiger Bestandteil des Studiums ist. Wenn in diesem Jahr zwei der Foto-Professuren neu besetzt werden, ist es spannend, welche künstlerischen Haltungen und Arbeitsweisen neu in die Hochschule getragen werden.…

AUSSTELLUNGEN
Galerie für Zeitgenössische Kunst (https://gfzk.de)
»Shunk-Kender: Kunst durch die Kamera«

Grassi-Museum für Angewandte Kunst (http://www.grassimak.de)
»Analog total. Fotografie heute«
»Fotobücher. Kunst zum Blättern«
– Geplante Eröffnungen 25.11.

Hochschule für Grafik und Buchkunst (http://www.hgb-leipzig.de)
Studienpreis-Ausstellung des HGB-Freundeskreises und der Sparkasse Leipzig 2020 mit Fotoarbeiten von Clarita Maria, Susanne Kontny, Matteo Visentin und Hyejeong Yoo.
– Geplant im Sommer 2021

Museum der bildenden Künste (http://www.mdbk.de)
Andreas Gursky sowie »1950–1980. Fotografie aus Leipzig« mit Werken von Gurskys Vater Willy, F. O. Bernstein, Evelyn Richter, Ursula Arnold, Karin Wieckhorst, Thomas Steinert.

Deutsches Fotomuseum (http://www.fotomuseum.eu)
»CEWE Photo Award 2019 – Our World is beautiful – Größter Fotowettbewerb der Welt«

Kunsthalle Talstraße Halle (http://kunstverein-talstrasse.de/)
»Günter Rössler – AugenBlicke«, Fotografie und Dokumente

Kunsthalle Erfurt (https://kunstmuseen.erfurt.de)
»Hans-Christian Schink. So weit. Fotografien seit 1990«

FOTOSAMMLUNGEN
Archiv für Bürgerbewegung (http://www.archiv-buergerbewegung.de)
15.000 erschlossene und 10.000 unerschlossene Fotografien sowohl von Amateur- als auch Profifotografen. Fotobestände von unter anderem Mahmoud Dabdoub und Karin Wieckhorst.

Evelyn Richter & Ursula Arnold Archiv der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig
2009 entstanden auf der Grundlage des Hauptwerkes der Fotografin Evelyn Richter (*1930 in Bautzen); über 730 Fotografien sowie Dokumente und Bücher. 2016 Erweiterung um das Gesamtwerk von Ursula Arnold (1929–2012), die mit Richter an der HGB studierte.

Sammlung der Verbundnetz Gas AG (http://www.vng-art.de)
Fotokunstsammlung aus den Jahren 1992–2000 von Absolventen und Lehrenden der HGB.

Stadtarchiv Leipzig (https://stadtarchiv.leipzig.de)
Fotosammlung mit 350.000 Dokumenten seit 1870: Positive, Negative, Glasplatten, digitale Aufnahmen.

Stadtgeschichtliches Museum (http://www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de)
Die Fotothek verfügt über 10.000 Objekte, darunter der Nachlass von Bertha Wehnert-Beckmann, vom Atelier Hermann Walter, Postkarten, Abzüge aus der Sammlung des ehemaligen Georgi-Dimitroff-Museums (Museum der Arbeiterbewegung).

Universitätsarchiv (http://www.archivuni-leipzig.de)
Seit 2013 ist hier das Fotoarchiv des Fotoreporters Armin Kühne beheimatet. Es umfasst von 1979 bis zur Gegenwart fast drei Millionen Fotos.

Kunstmuseum Moritzburg Halle (http://www.kunstmuseum-moritzburg.de)
Dauerleihgabe des Bildarchivs des Fotokino Verlages Leip-zig sowie Sammlung der Gesellschaft für Fotografie im Kulturbund der DDR und als westdeutsches »Gegengewicht« die Studiosammlung des Fotoforums Kassel.

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Ein Kommentar

  1. Christian | 31. Januar 2021 | um 22:22 Uhr

    Wir wollten kurz als Leipziger *Shopsystem für Fotografinnen und Fotografen* auch mal “Hallo” sagen. Hallo!

    Mit vielen Leipziger Fotobegeisterten sind wir hier vernetzt und freuen uns sehr sehr sehr über diesen aktuellen Kreuzer!!! Danke und echt cooles Thema in dieser doch etwas tristen Zeit!
    Ein Hoch auf die Fotografie im Allgemeinen und auf Fotografie in Leipzig im Speziellen! Haltet durch.