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Wie obdachlosen Menschen in Leipzig geholfen wird

Hilfebus und Sozialamt unterstützen bei Minusgraden

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Durch die Pandemie und die eisigen Temperaturen sind Menschen ohne Unterkunft zurzeit besonders gefährdet. In Leipzig nehmen sie die Hilfsangebote der Stadt jetzt stärker wahr. Tino Neufert vom Kältebus berichtet von der Unterbringung in Leipzig. Wie die genau aussehen kann, darüber gibt es verschiedene Auffassungen.

Während die Bewohnerinnen Leipzigs mit Skiern, Snowboards und Schlitten über die städtischen Parks peitschen, gerät eine Personengruppe in diesem »Flockdown« leicht aus dem Blick der Öffentlichkeit. Die Situation obdachloser Menschen war besonders im Winter schon immer prekär, durch den Lockdown und die anhaltende Kälte kann sie lebensgefährlich werden. Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sind in diesem Winter schon 17 Menschen auf Deutschlands Straßen erfroren. Allerdings wird davon ausgegangen, dass die Dunkelziffer deutlich höher ausfällt.

Um das zu verhindern, hat das Sozialamt Leipzig im Dezember beschlossen, dass obdachlose Personen während des Lockdowns keine Gebühren für die Unterbringung in Notunterkünften zahlen müssen. Letztere haben außerdem dauerhaft geöffnet und geben drei Mal am Tag kostenlose Mahlzeiten aus. Tino Neufert vom Suchtzentrum Leipzig fährt zurzeit jeden Abend mit dem Hilfebus durch die Stadt. Im Gespräch mit dem kreuzer klingt er positiv: »Durch die guten Maßnahmen der Stadt ist die Bereitschaft unter den hilfsbedürftigen Personen, sich in eine Notunterkunft fahren zu lassen, sehr groß. Die Leute haben aber auch Angst vor der Kälte.« Laut Neufert schlafen noch einige Menschen ungeschützt im Freien, die Dunkelziffer beläuft sich auf bis zu 50 Personen. Er erzählt, dass ihn gerade besonders viele Menschen anrufen, um Hilfe für eine obdachlose Person zu holen. Aber nicht alle Anrufe sind akut: »Die Leute rufen an und fragen, wie es uns geht«, sagt Neufert lachend. »Das ist zwar sehr nett, aber kontraproduktiv, weil wir nicht zum Arbeiten kommen.«

Unter den Anrufen gibt es auch viele Spendenanfragen. Es werde gerade pro Tag mehr gespendet als in normalen Zeiten pro Monat. »Vielleicht liegt es an den Schneemassen, aber die Leipziger sind jetzt besonders aufmerksam und hilfsbereit«, so Neufert. Wenn man auf eine scheinbar obdachlose Person trifft, ist Neufert zufolge zu beachten, diese erst anzusprechen, um zu sehen, ob sie Hilfe braucht. Wenn sich das bestätigt, sollte man den Hilfebus anrufen. Dieser kann die Person individuell versorgen und gegebenenfalls in eine Notunterkunft bringen.

In der Unterkunft werden zurzeit nach Angaben des Sozialamts von 179 zur Verfügung stehenden Schlafplätzen etwa 160 täglich genutzt. Bei Bedarf könnten aber auch kurzfristig weitere Kapazitäten geschaffen werden. Teilweise wurde die Anzahl der Personen je Zimmer reduziert, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Für mit dem Corona-Virus infizierte oder quarantänepflichtige obdachlose Personen werden zusätzlich separate Zimmer freigelassen.

Diverse deutsche Straßenzeitungen vertreten die Meinung, dass echter Schutz nur durch Einzelunterbringungen möglich ist. Deshalb haben sie eine Petition gestartet. Sie fordern, dass obdachlosen Personen Zimmer in den leer stehenden Hotels und Hostels angeboten werden. So wären diese auch nicht allein auf Nothilfen angewiesen. Über 15.000 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet.

Es scheint zu wirken: In Berlin wurde vor Kurzem erstmals ein Hostel für obdachlose Menschen geöffnet. Auch in Hamburg und Hannover wurden damit gute Erfahrungen gemacht, jedoch wurden diese durch private Großspenden ermöglicht und nicht durch die Städte selbst. Auch in Leipzig zieht man das laut Sozialamt bisher nicht in Betracht.

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