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Selbstbestimmt entscheiden

Das Abtreibungsgesetz in Polen sorgt auch in Leipzig für Wut

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In Polen ist das neue Abtreibungsgesetz in Kraft getreten. Die Wut darüber ist auch in Leipzig ungebrochen, was eine Kundgebung am Freitag mit rund 100 Teilnehmerinnen zeigt. Die Forderungen der Demonstrierenden sind klar: Sicherer sowie kostenloser Zugang zu Abtreibungen für alle.

Am 26. Februar wurde in Leipzig erneut für ein bedingungsloses Abtreibungsrecht demonstriert. Zur Demonstration hatte ein Bündnis aus verschiedenen Gruppen wie ACT Ost und Kumpela aufgerufen. Bereits Ende November 2020 hatten sich Protestierende zusammen gefunden, um sich mit der Pro Choice-Bewegung in Polen zu solidarisieren und auf Probleme Abtreibender aufmerksam zu machen.

Seit der letzten Demo hat sich die Lage von gebärfähigen Menschen in Polen weiter verschlechtert. Drei Monate nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts trat am 28. Januar das neue Abtreibungsgesetz in Kraft. Das neue Gesetz kommt einem Verbot gleich, denn es verbietet die Abtreibung auch dann, wenn das Ungeborene schwere Fehlbildungen aufweist – der häufigste Grund für eine Abtreibung in Polen. Erlaubt sind nur noch Abbrüche infolge einer Vergewaltigung, eines Verbrechens oder bei akuter Lebensbedrohung der Schwangeren.

Im Gegensatz zur letzten Veranstaltung fand die Kundgebung diesmal auf dem Willy-Brandt-Platz gegenüber vom Hauptbahnhof statt. Ein erneuter Protest vor dem polnischen Institut sei aufgrund des Wochenmarktes nicht möglich gewesen, erläuterte Aktivist Pawel. Dabei sei das Institut Teil des Problems: »Die Leute vom polnischen Institut machen nichts für den Frauenstreik, machen nichts für die Leute in Polen. Das ist eine große Schande!« Stattdessen würden sie die restriktive Politik Polens unterstützen, kritisierte der Aktivist in seinem Redebeitrag.

Die Redebeiträge der Aktivistinnen machten klar: Die körperliche Selbstbestimmung von FLINTA (Frauen, Lesben, Inter-, nicht-binäre, Trans sowie a-Gender- Personen) wird auch jenseits der polnischen Landesgrenzen beständig eingeschränkt. Das spiegelten etwa die Audioaufnahmen von Geschichten abtreibender Personen verschiedenster Länder. Alle durchlebten unterschiedliche Erfahrungen sowie Empfindungen und sind doch geeint in der Wut über indoktrinierte Scham, Kriminalisierung, das Gefühl, nicht über den Abbruch sprechen zu können sowie über ein fehlendes Angebot, Sicherheit, Information, Unterstützung und Verständnis – auch in Deutschland.

Dass es auch anders geht, machte eine andere Rednerin am Beispiel von Argentinien klar. In dem streng katholisch geprägten Land ist seit Ende letzten Jahres eine Abtreibung bis zur 14. Schwangerschaftswoche erlaubt. Zuvor waren Abtreibung bis auf kleine Ausnahmen seit Anfang der 1920er Jahre verboten und wurden mit bis zu vier Jahren Gefängnis bestraft. »Die seit Jahrzehnten geführten kraftvollen, nicht aufhörenden Proteste der Feministinnen haben sich ausgezahlt«, sagte die Aktivistin.

Die Rednerinnen sind sich einig: Demonstrieren und das Zeigen internationaler Solidarität kann etwas bringen. Oder wie es ein queerer Aktivist aus Warschau in seinem vorgelesenen Beitrag formuliert: »Wie könnten wir denn nicht kämpfen?«

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