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Kein Durchkommen

Bei der »Querdenker«-Demonstration bleiben die Autos fern

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Drei Monate nach den großen »Querdenker«-Demonstrationen sind die Corona-Leugner zurück in Leipzig – mit einem Autokorso. Das Aktionsbündnis »Platz nehmen« rief zum Gegenprotest mit dem Fahrrad auf und zieht eine positive Bilanz: Die Autos blieben der Innenstadt weitgehend fern.

»Frühlingserwachen«, »Fahrt euch frei« oder »Mit Vollgas ins neue Leben« lauteten die Kundgebungen, die Anhänger aus dem »Querdenken«-Milieu angemeldet hatten. In Autokorsos demonstrierten sie gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung und schlossen an die Proteste im November 2020 an. Deutlich geringer war allerdings die Resonanz. Bereits am Vormittag wurden mehrere Demonstrationen abgesagt. Die Teilnehmenden waren aus verschiedenen Städten in Sachsen und Sachsen-Anhalt angereist.

Das Aktionsnetzwerk »Leipzig nimmt Platz« mobilisierte Gegenprotest. Auf Fahrrädern steuerten Zubringer-Demos von der Eisenbahnstraße, dem Connewitzer Kreuz und der Kuhturmstraße am Lindenauer Markt ab 13 Uhr die »Querdenken ausbremsen«-Kundgebung auf dem Augustusplatz an. Der Motorradklub »Kuhle Wampe Pleißenburg« organisierte eine Zufahrt vom Völkerschlachtdenkmal. Schließlich nahmen etwa 1000 Personen an der Gegendemonstration teil.

Auf dem Opernvorplatz fand ab 14 Uhr eine Aktion des Feministischen Streikbündnis Leipzig für eine »solidarisch-feministische Gesundheitspolitik« statt. Diese war bereits geplant, bevor das »Querdenker«-Lager ihre Demonstrationen ankündigten. Das Bündnis beschloss, sich dem Gegenprotest anzuschließen. Dieses Jahr findet eine ganze Streikwoche anlässlich des Frauenkampftages am 8. März statt. »Wir wollen damit zeigen, dass Feminismus nicht nur an diesem einen Tag wichtig ist«, sagte die Mitorganisatorin Greta. Ihren Nachnamen möchte sie lieber nicht beim kreuzer lesen. Auch wegen Corona seien mehrere kleine Veranstaltungen sinnvoll.

Im Laufe des Nachmittages verteilten sich Fahrradzüge in der ganzen Stadt, um nahende Autokorsos zu blockieren. Im Netz wurden deren Standorte geteilt. Einige Personen verharrten auf der Waldstraße, andere fuhren auf der Prager Straße Richtung Osten. Auch die Polizei reagierte auf das dynamische Demonstrationsgeschehen. »Es ist uns weitgehend gelungen, Konflikte zwischen den beiden Seiten zu verhindern«, sagte Polizeisprecher Olaf Hoppe. »Die offiziellen Routen der Autokolonnen wurden teilweise umgeleitet.« Es seien deutlich mehr Gegendemonstrantinnen auf der Straße gewesen, die Zahl der Corona-Leugner lag unter den Erwartungen. Insgesamt waren etwa 350 Pkw an den Protesten beteiligt.

Jürgen Kasek von »Leipzig nimmt Platz« zieht eine positive Bilanz: »Die sogenannten Querdenker haben sich mit ihren Autokorsos selbst disqualifiziert.« Der starke Polizeieinsatz habe glücklicherweise dazu geführt, dass diese nicht in die Innenstadt vordrangen. Auch habe es wenige Identitätsfeststellungen gegeben. »Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut, das gewahrt werden muss. Umso wichtiger ist ein entschiedener Gegenprotest«, findet der Grünen-Stadtrat.

Die Sorge, das Demonstrationsgeschehen könne die Impfungen an der Neuen Messe stören, blieb unbegründet. Dort sollte es eine Schlusskundgebung der Teilnehmenden aus Plauen geben. Da deren Autokorso allerdings abgesagt wurde, kam es nicht dazu.

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