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Kontrapunkt in der Medienwelt

Das Medienprojekt des Immobilienhändlers Christoph Gröner lässt auf sich warten – eine Chronologie

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Großes hatte Immobilienhändler Christoph Gröner vor: Einen Verein für Menschenverstand wollte er gründen. Will man sich über das Projekt informieren, bleiben die Telefone stumm. Der Beitrag aus der März-Ausgabe des kreuzer 03/21.

Unternehmer und Medien bilden manchmal geschmeidige Verbindungen, um mit den dafür zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln ihre Sicht auf die Welt zu verkünden. Auch der »umstrittene Bauentwickler« (Wirtschaftswoche) Christoph Gröner, Begründer der CG-Gruppe, heute CG Elementum, scheint diesen Weg einzuschlagen. Am 27. Juli 2019 ersteigerte der »sehr adrette Mann mit nach hinten gegeltem Haar« (Die Zeit) bei der Abendveranstaltung des GRK-Golfevents von Immobilienunternehmer Steffen Göpel das Bild »Der Anbräuner« von Neo Rauch für immerhin 750.000 Euro (kreuzer 11/2020). Im Anschluss verkündete Gröner, das Bild solle zukünftig im Foyer des von ihm initiierten Verein für gesunden Menschenverstand hängen. Als Gründungstermin gab er September 2019 an.

Unmittelbar danach änderte er den geplanten Namen in Verein für Menschenverstand. Eine kreuzer-Nachfrage bei der CG-Zentrale wenige Tage nach der Auktion über die Ziele des Vereins blieb unbeantwortet. Stattdessen meldete sich per E-Mail Robert Hesse mit der Bitte um ein Telefonat. Hesse war zum damaligen Zeitpunkt Geschäftsführer der Europäische Stadt der Zukunft – Informations- und Kommunikationsgesellschaft mbH; Motto: »Wir analysieren Situationen, entwickeln wirksame Strategien und begleiten ihre Umsetzung«. Beim Telefonat am 2. August 2019 fand er auch keine genauen Antworten auf das Wieso-Weshalb-Warum für solch einen Verein. Es war der Tipp zu hören, dass sich Herr Gröner über handgeschriebene Briefe freuen und sie auch beantworten würde. Der Brief wurde nicht geschrieben, dafür abgewartet, was nun mit dem Verein passiert – offensichtlich musste ja die Zeit dafür reif sein.

Im Herbst 2019 erschien in dem Zusammenhang eine Stellenanzeige: Für Gröners Projekt werde ein Investigativ-Journalist gesucht. Eine gewisse Dringlichkeit für eine neue Form der Kommunikation sah Gröner offenbar im Hinblick auf die zerstörten Kräne einer seiner Leipziger Baustellen. In der Prager Straße brannte es, symbolträchtig in der Nacht zum 3. Oktober 2019. In der Presse vermisste Gröner jenes Interesse der Medien, das diese dem rechtsterroristischen Anschlag von Halle sechs Tage darauf entgegenbrachten.

Ein Jahr später: Stille am anderen Ende der Telefonleitung, dann ist ein Besetztzeichen zu vernehmen. Wenige Wochen zuvor war die Telefonnummer vom Forum für unabhängige Informationen & Wissen (FUIW) noch gar nicht vergeben. So lautet nun der Vereinsname, eingetragen Ende Januar 2020 im Berliner Vereinsregister. Auf E-Mails reagiert niemand. Stattdessen gibt die Website wasstimmt.de Auskunft über Gröners Projekt. Der Sitz von FUIW befindet sich in der Westberliner Bismarckstraße, im Hauptsitz der Gröner Group. »Coming Soon«, verkündet die Homepage. Als seine Aufgabe versteht FUIW offenbar Folgendes: »politisch und weltanschaulich unabhängig – nachprüfbare Fakten zu gesamtgesellschaftlichen Themen als ›Treibstoff‹ für eine gleichsam sachorientierte wie faktenbasierte Diskussion«.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eine derartige Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit im Medienfeld noch nicht existiert. Hier soll es um ein gestärktes »Urteilsvermögen« gehen und darum, die Leserschaft »unabhängiger von den klassischen und sozialen Medien sowie von parteipolitischer Kommunikation zu machen«. Erinnert sei hierbei allerdings auch an die Parteispende für die Berliner CDU von Gröner als Privatperson im Umfang von 300.000 Euro und zum Jahresende 500.000 Euro über die Vermögensverwaltung Gröner Family Office.

Fakten, Fakten, Fakten, heißt es für das FUIW, wenn es erst einmal seine Arbeit aufnimmt und über »für die Öffentlichkeit nicht ersichtliche Hintergründe, Eigentumsverhältnisse« und die »wirtschaftlichen und politischen Interessenlagen der kommunizierenden Institutionen« informiert.
Ein Blick aufs Nachbarland Österreich zeigt, dass Privatinteresse nicht unbedingt mit einem langen Atem gesegnet sein muss. Dietrich Mateschitz, Leiter der Red Bull GmbH, initiierte mit Addendum 2017 ein Medienportal, das die Quo Vadis Veritas Privatstiftung – 99 Prozent Mateschitz und ein Prozent Servus Medien GmbH – finanzierte. Das Portal wurde im September 2020 mit den Worten eingestellt, die Ziele der Stiftung »seien nicht ausreichend erfüllt worden«.

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