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Editorial 04/21

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der April-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteurin Juliane Streich verrät, was sie bisher über Vögel dachte, welche Rolle sie für Leipzig spielen und wie man sich in diesen seltsamen Zeiten vielleicht zurechtfinden kann.

»Ach du Scheiße« war wahrscheinlich mein erster Gedanke, als ich – gerade neu in der Chefredaktion des kreuzer – erfuhr, dass das Thema der Titelgeschichte schon feststand: Vögel. Tja, nun, außer schlechten Truckerfahrerwitzen (»ich bin gut zu vögeln«) fiel mir dazu nicht viel ein – mein Interesse gefiederten Tieren gegenüber war bislang ähnlich groß wie das für Fische, also eher klein. Aber, liebe Leserin, lieber Leser, das war dumm von mir, denn es ist ein Thema, das viele Menschen bewegt.

Zum Beispiel auf Twitter. Nachdem dieses Jahr zum ersten Mal seit 50 Jahren die Bevölkerung mitbestimmen darf, wer Vogel des Jahres wird, ist neben all den täglich auf Twitter stattfindenden nervtötenden Streitereien um die richtige Meinung endlich mal eine Auseinandersetzung entbrannt, die gute Laune macht. Werden die Goldregenpfeifer-Ultras um Schriftsteller Saša Stanišić gewinnen oder doch die herkömmliche Stadttaube, die das Rennen monatelang anführte? Kurz vor Druck gab der Nabu bekannt: Vogel des Jahres 2021 ist das Rotkehlchen. Glückwunsch!

Oder letztes Jahr im Frühling zum Beispiel, da stand ein uns unbekannter Mann vorm Späti und erzählte ungefragt von den Mauerseglern, die immer um diese Zeit kämen, aber noch nicht da seien, was ihm Sorgen bereitete. Und während wir auf dem Bürgersteig unsere Späti-Biere weitertranken, erklärte er uns, wie man einen gefallenen Mauersegler rette, der auf der Straße landet – was allerdings sehr selten passiere, da Mauersegler all ihr Zeug im Fliegen erledigen. Aber falls doch mal einer aus dem Nest oder vom Himmel falle, reiche es nicht, ihn zur Rettung einfach wieder in die Luft zu schmeißen, da mache es »Klatsch« (O-Ton Mann vorm Späti). Stattdessen solle man bei fremden Leuten klingeln, die im vierten Stock wohnen, und fragen, ob man mal kurz bei ihnen den Mauersegler aus dem Fenster werfen darf, denn von so weit oben habe er gute Chancen, wieder loszufliegen. Ich hatte bislang keine Gelegenheit, diesen Ratschlag in der Praxis zu überprüfen – aber dafür gibt es geprüfte Fakten zu Mauerseglern und Vogelschutz in der Titelgeschichte von Alexandra Huth, Tobias Prüwer und Franziska Reif. Und falls wirklich noch jemand an der Wichtigkeit von Vögeln in der Stadt zweifelt, hier ein kleiner Spoiler: Verschiedene Vögel in Ihrer Umgebung machen Sie so glücklich wie 124 Euro! Warum, lesen Sie ab Seite 16.

»Durchhalten« stand in riesigen pinken Lettern auf der Titelseite des kreuzer vor einem Jahr. Die Corona-Pandemie hatte damals gerade alle Kulturveranstaltungen zum Shutdown gezwungen. Doch wer hätte befürchtet, dass die Parole »Durchhalten« so lange gelten würde? Ein Jahr später ist unser Veranstaltungskalender immer noch dünn. Die Clubs sind zu, die Kneipen auch, Konzerte gibt es genauso wenig wie Karaoke-Nächte. Wie viele gar nicht mehr durchhalten können, ist noch unklar, und auch, wer oder was in diesem April doch schon öffnen wird, können wir Ihnen nicht sagen, das hat mit Inzidenzwerten und Impfungen zu tun, mit Mutanten und Ministerpräsidentinnen – und die sind
unberechenbar, das hat sich in den letzten Monaten gezeigt. Einige Museen haben bereits auf, vielleicht bald auch Kinos oder Theater, vielleicht macht auch alles wieder zu. Aktuelle Infos dazu finden Sie jederzeit auf kreuzer-leipzig.de

Überhaupt empfehle ich Ihnen dort einen regelmäßigen Besuch, wenn Sie wissen wollen, worüber man in Leipzig spricht. Neben Demo-Berichten und Stadtpolitik finden Sie dort Buch-Tipps oder erfahren, dass das Restaurant Frieda mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Da die Momente, in denen man nicht ins Netz reinstarrt, aber rar geworden sind, blättern Sie erst mal in Ruhe durch dieses Heft, das Ihnen helfen soll, sich in diesen seltsamen Zeiten zurechtzufinden – egal ob Sie neue Ideen für Spaziergänge brauchen oder Ihnen beim Fahrradfahren der Rock platzt.

Halten Sie durch!

JULIANE STREICH

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