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Ran an die Rollen


Inlineskaten geht auch abseits von Cossi und Rabet. Ein Selbsttest

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Mit Beginn des Frühlings werden wieder die Inliner herausgekramt – das hat Tradition. Doch wo skatet es sich in 
Leipzig am besten? Wo sind die Strecken am glattesten und der Ausblick am schönsten? Unsere Redakteurin Nele Rebmann hat einige Strecken der Region getestet und ihre Top Drei gekürt. Der Text aus der April-Ausgabe des kreuzer 04/21.

Markkleeberger See:
 Tagebaumonster und traumhafter Ausblick

Streckenlänge: 9 Kilometer
Stufe: Anfängerin
Sterne: 5/5

Der Markkleeberger See ist die kleine Schwester des Cospudener Sees. Anstatt elf Kilometer Rundweg am Cossi haben Skaterinnen am Markkleeberger See die Strecke nach nur neun Kilometern geschafft – zwei Kilometer gespart! Dabei reicht eine Rundtour für Anfängerinnen komplett aus und ist auch für eine kurze Nachmittagsrunde gut geeignet. Meine Erfahrung: Anderthalb Stunden Fahrzeit für die gesamte Strecke inklusive mehrerer, länger andauernder Pausen – vor allem nach dem Erklimmen der stattlichen Steigung zwischen Kanu- und Kletterpark.
Doch fangen wir vorne an: Die Anfahrt zum Markkleeberger See ist einfach und lässt sich auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut bewältigen, beispielsweise mit dem Bus 106 oder mit der Tram-Linie 11 bis zur Endhaltestelle (Markkleeberg-Ost, Schillerplatz). Vor Ort ist der Weg stets gut ausgeschildert und es geht auf durchweg geteertem, angenehm glattem Untergrund einmal rum um den See – mal mehr, mal weniger nah am Wasser. Dabei heutzutage kaum zu glauben: Wo mittlerweile Urlaubsgefühl auf sanfte Hügelketten, Felder und Weitblick trifft, wurde bis 1994 noch Braunkohle gefördert.

Entstanden aus dem ehemaligen Tagebau Espenhain, hatte die Region lange Zeit wenig von der heutigen Idylle. Ein ganzes Dorf – Cröbern – musste einst dem Braunkohlebergbau weichen. An diese Zeit erinnern heute vor allem die Tagebaugroßgeräte im Bergbau-Technik-Park, deren massive Gestalt im Zusammenspiel mit See, Schleuse und den Kraftwerken im Hintergrund für eindrucksvolle Aussicht sorgt. So ergibt sich eine etwas unwirklich anmutende Atmosphäre und eine Mischung aus Alt und Neu, die sich besonders gut von der erhöhten Ostseite des Sees betrachten lässt. Der Aufstieg lohnt sich also!

Hoch und runter geht es auf dem Rundweg um den Markkleeberger See so einige Male. Je nach aktueller Situation ist das Himmel oder Hölle, sorgt aber für Abwechslung. Dabei aufgepasst: Die wohl steilste Stelle beginnt kurz vor dem Wasserspielplatz, an der Südseite. Wer Angst vor Tempo hat, sollte hier besser die Inlineskates kurzzeitig abschnallen. Insgesamt ist die Strecke jedoch einfach befahrbar.
Ein letzter Tipp: Ich empfehle, die Runde am Strandbad Ost in Richtung Westseite zu starten und den Zeitpunkt für das Befahren der Ostseite so abzupassen, dass dann gerade Sonnenuntergang ist. So ergibt sich nämlich ein wunderschöner Blick auf die untergehende Sonne im Westen.

Lindenthal – Schladitzer See: 
Badestrand und Biedermeier

Streckenlänge: 19 Kilometer
Stufe: Fortgeschrittene
Sterne: 4/5

Die Inlineskate-Tour Lindenthal–Schladitzer See hat es in sich. Insgesamt 19 Kilometer Strecke oder grob geschätzte drei Stunden Fahrzeit versprechen frische Luft, glatten Untergrund und glühende Oberschenkel. Aufgrund der Länge ist die Tour dabei eher etwas für Fortgeschrittene, außer man kürzt ab und fährt nur um den Schladitzer See, das sind dann 9 Kilometer Strecke. Startpunkt der Route ist die Kreuzung Louise-Otto-Peters-Allee/Gustav-Adolf-Allee, die sich etwa zehn Minuten Fußweg von der nächstgelegenen Bushaltestelle (Leipzig-Lindenthal, Gemeindeamt) entfernt befindet. Anschließend geht es, für den wohl schlimmsten Part der Strecke, knapp zwei Kilometer nordwestlich entlang der Louise-Otto-Peters-Allee. Denn zugegebenermaßen: Bei Raser-Geräuschen und Abgasgeruch denkt man zuerst, man fährt falsch. Doch zum Glück währt dieser Part der Rundtour nur kurz. Es geht vorwärts in Richtung Norden, mit einer Fahrradbrücke über die Autobahn und entlang einer von Bäumen gesäumten Radstrecke immer weiter weg von der Straße. Von nun an wird es immer schöner und am Haynaer Strand angekommen erwarten Inline-Skaterinnen Sandstrand, Schilf sowie ein großartiger Blick über den Schladitzer See.

Komisch dabei: Das Südufer des Sees heißt auch Biedermeier-Strand. Und während ich die Biedermeier-Epoche eher mit politischer Resignation und erdrückendem Kleinbürgertum verbinde, wird der Name hier mit Attributen wie »Gemütlichkeit« und »Sommerfrische« vermarktet. Attributen, denen laut Haynaer Strandverein »heute nur noch selten Beachtung geschenkt wird«. Baden wie im Biedermeier? Nein danke.

Abgesehen von verklärten Biedermeier-Texten, gibt es entlang der acht Kilometer langen Rundtour um den See auch einige interessante Infotafeln zu lesen. So erfahre ich, dass der See aus dem Restloch des ehemaligen Tagebaus Breitenfeld entstanden ist. Ab 1986 wurde vor Ort 
Braunkohle gefördert, der Tagebau fünf Jahre später allerdings schon wieder stillgelegt. Von alldem merkt man heutzutage kaum etwas, nur die monokulturellen, lichten Wälder neben der asphaltierten Strecke lassen erahnen, dass das Gebiet nicht naturgeschaffen ist.

Dabei ist ebenjene Künstlichkeit wahrscheinlich auch das größte Manko des Areals – vor allem das Camp David Sport Resort an der Ostseite des Sees ist einfach zu geleckt. Dennoch lohnt sich die Tour allemal: Der Untergrund der gesamten Strecke ist wie gemacht fürs Inlineskaten, das Seengebiet ruhig und das Eis der Eismanufaktur Hayna lecker.


Neue Messe:
 Architektur und Autobahn

Streckenlänge: 6 Kilometer
Stufe: Anfängerin
Sterne: 4/5

Einen anderen Tour-Charakter hat der Rundweg ums neue Messegelände, im Norden der Stadt. Dort erwarten Skaterinnen circa sechs Kilometer Strecke zwischen Industrie- und Messecharme. Passt man den richtigen Zeitpunkt ab (also an Nicht-Messetagen), hat man die gut fahrbare Strecke für sich. Die Route ist flach sowie kurz und knackig. Wer mehr möchte, kann die Tour ums BMW-Gelände ausweiten oder die Runde einfach mehrmals fahren.   

Die Anfahrt per S-Bahn oder Tram-Linie 16 (Leipzig, Messe) ist einfach, die Orientierung vor Ort erst mal weniger. Benötigt man für die erste Runde eventuell noch Google Maps, fällt die Orientierung ab der zweiten schon wesentlich leichter. Von der Haltestelle geht es auf der Merkurpromenade zunächst in Richtung Congress Center. Recht bald kommt dann ein abgehender geteerter Weg – hier beginnt die Rundtour. Inlineskates ran und weiter zur Alten Dübener Landstraße für den ersten Teil der Strecke, der erst mal neben mehreren Straßen verläuft. Vor Globus auf die Seehausener Allee abbiegen und auf dem Fahrradweg bleiben bis zum Handelsring.

Ab dem Handelsring erklärt sich der Weg dann von selbst: Dem Handelsring folgen und eine Runde fahren. Von nun an wird die Strecke auch etwas ruhiger, führt teilweise sogar entlang begrünter Alleen. Aber Achtung: Auf der Tour liegen mehrere Bahnübergänge, Bremsen können ist also definitiv von Vorteil. An der Autobahn A2 angekommen, geht es schließlich in Richtung Norden zurück zum Startpunkt des Rundwegs.   

Fahren, wo sonst fast nur Industrie ist – das ist die Neue-Messe-Route. Und während die Tour definitiv Abstriche hinsichtlich landschaftlicher Schönheit machen muss, hat die Glas- und Güterbahnhof-Architektur des Geländes ihr eigenes Flair. Dabei ist die Strecke durch andauernde Beleuchtung auch abends befahrbar und zu Sonnenuntergang, wenn sich das Licht in den gläsernen Gebäuden spiegelt und das Messegelände fast menschenleer ist, besonders lohnenswert.

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