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Post-Pandemie-Pläne

Was Leipzig nach der Pandemie besser machen kann

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Leipzig sollte aus den Defiziten der Corona-Zeit lernen – egal ob im Park, bei der Digitalisierung oder im Verkehr. Wie wollen wir leben? Was kann man aus den Erfahrungen der letzten Monate lernen? Der kreuzer hat ein paar Ideen zusammengetragen. Hier veröffentlichen wir die aktuelle Titelgeschichte der Juni-Ausgabe des kreuzer.

Innenstadt ohne Handel
Von Trimm-dich-Pfaden bis zu Skulpturen: Wie der öffentliche Raum gestaltet werden sollte

Vor einem Jahr erklärte Burkhard Jung in seiner Funktion als Präsident des Städtetages in einem Zeitungsinterview: »Ich bin sehr gespannt, was sich im Kaufverhalten und im Sozial- und Kulturverhalten durch Corona verändern wird.« Dabei ging es vor allem um die Innenstädte, deren Kultur-, Gastro- und Handelsangebote. Sein Rezept bestand aus mehr Wohnen und Arbeiten, um eine Belebung abseits von Online-Handel und dem Sterben von Kaufhäusern herbeizuführen. Ein Jahr später betont er vor allem die temporäre Umnutzung von Konsumräumen. »Handel lässt sich nicht mehr überall durch Handel ersetzen. Da haben wir uns auch zu spät auf den Weg gemacht«, erklärte Jung bei einer Videokonferenz des Deutschen Städtetages im Februar. Ein Vorschlag des Gremiums besteht darin, dass Kommunen leere Ladenlokale anmieten, um Schulen, Handwerker und Künstler darin einziehen zu lassen. Dafür fordert der Städtetag vom Bund für die nächsten fünf Jahre 500 Millionen Euro pro Jahr.

Die Plätze zum Verweilen in der Innenstadt sind sehr begrenzt. Der Richard-Wagner-Platz ist und bleibt ein hoch frequentierter Durchgangsbereich zwischen Haltestelle und Innenstadt. In seiner Gestaltung allerdings verweist er auf einen historischen Ort: Die Brunnenskulpturen von Harry Müller standen vormals auf dem Sachsenplatz, dem heutigen Standort des Museums der bildenden Künste. 
Eröffnet 1969, war der Sachsenplatz als innerstädtischer Feierraum konzipiert und in seiner Form geschlossen, mit genügend Sitzmöglichkeiten. Heute wäre der Raum um das Bildermuseum noch ein Ort, den es zu gestalten gilt und der für die Nutzung der Stadtgesellschaft zur Verfügung stehen sollte. Vor Jahren gab es seitens des Museums Ideen, dass Skulpturen aus der Sammlung rings um das Haus aufgestellt werden sollen. Bis auf die Skulpturen »Basement« von Thomas Moecker und »Beethoven« von Markus Lüpertz passierte nichts. So verwaist der Raum immer mehr.

2019 verabschiedete die Stadt eine neue Richtlinie zu Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke war damals sehr erfreut und kommentierte den Beschluss mit den Worten »Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau haben in Leipzig eine jahrhundertealte Geschichte; diesen Anspruch qualitätvoll im 21. Jahrhundert fortzuführen, ist sich die Stadt Leipzig bewusst.« Die Stadt hatte vor einem Jahr gegenüber dem kreuzer dazu ein Selbstverständnis formuliert. Darin ist zu lesen, dass Kunst zur Aktivierung des öffentlichen Raumes dienen kann wie auch »als wesentlicher Aspekt der Teilhabe, des Lernens und der Bildung«. Kunstwerke »schaffen in der Stadt gesellschaftliche Kommunikationsorte, Orte der Reflexion und des Miteinander-Agierens, insbesondere durch temporäre Projekte«. Das klingt in der Theorie sehr engagiert, aber wie sieht die Praxis aus? Seit der Pandemie finden sich keine dafür zugeschnittenen Förderoptionen seitens der Stadt.

Spazierengehen, Joggen, Radfahren, Inlineskaten und Skaten dürften die meisten Bewegungsarten an der frischen Luft gewesen sein, als die Sportanlagen und Fitnessstudios geschlossen waren. Einerseits konnten neue, inzwischen verödete Orte wie der Kurt-Masur-Platz erschlossen werden. Andererseits nutzen Menschen die Natur, um fehlende Fitnessgeräte zu kompensieren. Wäre es da nicht schön, wenn anstelle der Nutzung von Ästen etc. die »Trimm-dich-Pfade« wiederbelebt werden? An einigen Spielplätzen im Auenwald sind sie noch zu finden – einfache, aus Holz 
bestehende Übungsgeräte. Sie würden die insgesamt sieben Bewegungsparcours und zwei sogenannte Seniorenanlagen im gesamten Stadtraum sehr gut ergänzen.

Eine andere Option wäre die Freigabe von Schulsportanlagen für alle. Denn eins steht fest: Mehr Räume für Bewegung wird es in der Stadt mit wachsender Einwohnerzahl nicht geben. Daher stellt der Kauf der Connewitzer Spitze am Kreuz ein sehr positives Zeichen dar. Hier soll die Freifläche um die Streetballan…

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