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Das Festival kommt

Christian Watty hat das Steuer der Euro-Scene übernommen

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Nach über 20 Jahren erhält die Euro-Scene eine neue künstlerische Leitung. Ab sofort wird Christian Watty das Festival leiten, das im Herbst stattfinden soll. Erstmals werden unter Watty auch Uraufführungen zu sehen sein.

Die Zeichen bleiben weiter auf Grün, auch wenn der Neon-Gelbstich aus dem Logo verschwunden ist. Neu und doch unverkennbar wiedererkennbar soll die Euro-Scene werden. Das verspricht Christian Watty auf der digitalen Pressekonferenz. Sie ist ein erstes Lebenszeichen, nachdem er die Leitung des Theater- und Tanzfestivals übernommen hat. Viel möchte Watty noch nicht verraten, das Programm wird erst im September bekannt gegeben, die Euro-Scene im November stattfinden.

Und sie wird stattfinden, verspricht Watty, egal, wie dann die Corona-Situation aussieht. »Eine erneute Komplett-Absage wird es nicht geben«, sagt er. Es gebe einen Plan. Mit ihm erhält die Euro-Scene erstmals seit 1993 eine neue künstlerische Leitung. Weil die Jubiläumsausgabe letzten Herbst ausfallen musste, mit der sich die bisherige Leiterin Ann-Elisabeth Wolff verabschieden wollte, wird ihr zu Ehren in diesem Herbst ein Zwei-Tagesfestival stattfinden. Klappmaulpuppenspieler Nikolaus Habjan wird dafür noch einmal zurückkehren. Der Oberbürgermeister hat eine Rede angekündigt.

Mit Watty kommt jemand, der nicht nur weit vernetzter Theatermacher ist, sondern ein Begleiter und Kenner der Euro-Scene – und der Stadt Leipzig. Der gebürtige Düsseldorfer ist Berater vieler Festivals und sitzt seit 2013 im künstlerischen Beirat der Euro-Scene. Für ihn war es selbstverständlich, in die Stadt zu ziehen.

Die stärkere Einbindung lokaler Akteure ins Festival sowie das Vernetzen mit den eingeladenen Gastkünstlern ist nur einer seiner drei Schwerpunktsetzungen. »Sie sollen nicht einfach nur hier ihre Produktionen abspielen und wieder ausfliegen.« Die Künstler sollen sich gegenseitig bereichern können und damit nachhaltiger wirken. Daher wird die Euro-Scene auch zum Produktionsort und koproduzieren. Das ist eine wegweisende Neuerung. Es werden also nicht nur Einladungen zu sehen sein, sondern auch Uraufführungen. Drei Koproduktionen sind für 2021 geplant. Eine wird zusammen mit der Forward Dance Company des Lofft jenseits normierter Körpervorstellungen realisiert. Eine Zweite mit Pariser und Lissabonner Institutionen soll Antifaschismus und Befreiungskampf thematisieren. In Kooperation mit der Schaubühne, einem Stuttgarter Kollektiv und dem Theater Lyon wird der Komplex Energiegewinnung, Raubbau an der Natur und Kapitalismus bearbeitet.

Letzteres liegt Watty besonders am Herzen. Denn neben dem Punkt Lokalität, will er mit dem Festival die Felder Europa und Nachhaltigkeit beackern. Europa will er auch kritisch betrachten, den Blick auch auf Kolonialismus und Grenzverschiebungen richten. »Als Kompass spielen die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen eine wichtige Rolle«, sagt Watty, »die uns den Weg weisen in eine friedlichere und gerechtere Welt. Das betrifft jeden von uns und ist auch für ein Festival wie die Euro-Scene Leipzig die entscheidende Aufgabe für die 20er Jahre.«

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