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Landeszentrale sagt Einladung ab

Nach Kritik an Autor Mohamed Amjahid hat die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung ihn von einem Podcast-Projekt ausgeladen

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Der Autor und Journalist Mohamed Amjahid sollte in einem Podcast für Erstwähler Sachsen über Wahlrecht und Partizipation sprechen. Doch nun hat ihn die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung wieder ausgeladen.

Mit der Süßkartoffel hat es angefangen: Vergangene Woche zitierte die Bundeszentrale für politische Bildung ein Statement von Mohamed Amjahid. Darin formulierte er, einen Ally, also einen Verbündeten von Rassismus betroffenen Menschen, könne man auch als »Süßkartoffel« bezeichnen. Das Wort spielt auf die Bezeichnung »Kartoffel« für weiße deutsche Menschen an. Manche Menschen empfinden die Bezeichnung als diskriminierend. Andere argumentieren hingegen, dass weiße Menschen aufgrund ihrer Dominanzstellung in der Gesellschaft nicht von rassistischer Diskriminierung betroffen sein können. In den Kommentarspalten entbrennt schließlich eine Debatte. In einem Beitrag wirft die Bild-Zeitung der Bundeszentrale sogar vor, sie »verhöhne Deutsche als Kartoffeln«. Kurze Zeit später entschuldigten sich die Betreiber des Accounts für den Post, weil er selbst diskriminierend gewesen sei.

Nun hat die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung Amjahid von einem geplanten Podcast-Projekt zu Erstwählern in Sachsen wieder ausgeladen. Das hat Amjahid in einem Twitter-Post öffentlich gemacht. Am Telefon erzählt er dem kreuzer gegenüber: »Einen offiziellen Grund habe ich nicht bekommen.« Ihm gehe die Ausladung nicht nahe, vielmehr zeige sie ein größeres strukturelles Problem auf. »Ich habe schon viele Geschichten auch aus Sachsen gehört, dass kritische Diskurse wegen der komischen politischen Stimmung im Land unterdrückt werden«. So arbeiteten antirassistische Initiativen oft prekär. »In Deutschland sollten wir darüber reden, wie Ressourcen verteilt werden und welche Reformen nötig sind, damit sie wirklich der Gleichberechtigung und Demokratie dienen«, schreibt Amjahid auf Twitter.

Die Sächsische Landeszentrale entschuldigte sich nun auf Twitter für »die Art und Weise der Ausladung«. Das Podcast-Projekt sei laut Stellungnahme »nicht der geeignete Raum für die Fortführung der Diskussion, die im Zusammenhang mit ‘Saymyname_bpb’ entstanden ist«. Amjahid versteht das nicht: »Genau das ist es ja: Im Podcast sollte es um Wahlrecht gehen. Aber selbst wenn nicht, wäre eine Ausladung auch nicht okay gewesen.«

Auch auf Anfrage des kreuzer nennt die Sächsische Landeszentrale keine konkrete Erklärung. Der Podcast sei noch im Entstehen und »redaktionelle Anpassungen« kämen in diesen Phasen vor. Sie hat Amjahid aber zur Teilnahme an ihren »Aktionstagen Netzpolitik und Demokratie« eingeladen. Der wiederum freue sich über die Einladung, solange, wie er sagt, die inhaltlichen Rahmenbedingungen dafür stimmten – und ist weiterhin gespannt auf eine Erklärung.

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