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Es geht wieder los!

Das Kinostarts dieser Woche im Überblick

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Nachdem die ersten Freiluftkinos geöffnet haben, ziehen nun auch die Lichtspieltheater nach. Das heißt auch, die Filmkolumne geht wieder los! Hier gibts Empfehlungen für die Woche. Den Auftakt macht Nomadland.

Nach den Freiluftveranstaltungen und vereinzelten Kinos öffnen in dieser Woche auch endlich die meisten Lichtspieltheater in Leipzig ihre Pforten. Für die Filmverleiher ist das der Startschuss. So gibt es im Juli allein vier Oscarhighlights zu sehen: Ab dieser Woche »Nomadland« und »Judas and the Black Messiah«, im Anschluss »Minari« (ab 15.7.), »Der Rausch« (ab 22.7.) und »The Father« (ab 26.8.) – das reicht für ein ganzes Jahr. Aber dann würde man Perlen wie »Proxima« (aktuell im Regina) oder den Berlinale-Gewinner »Bad Luck Banging or Loony Porn« (ab 8.7.) verpassen. Wir sagen, was läuft und lohnt – im Heft und online und ab sofort auch wieder jeden Donnerstag in der kreuzer-Kinowoche.

Film der Woche: Nomadland
Die Wahrheit abbilden, das Leben einfangen mit der Kamera – viele Regisseure haben versucht, Leben zu imitieren und sind gescheitert. Chloé Zhao öffnet sich ihm ohne Eitelkeiten und fördert berührende, erschütternde und beglückende Geschichten zu Tage. In »Songs My Brothers Taught Me« ist es eine perspektivlose Kindheit im Reservat, in »The Rider« die Suche nach einem Sinn, wenn der Boden wegbricht. Es sind inspirierte und inspirierende Geschichten, die Zhao auf die Leinwand bringt und »Nomadland« hat eine ganze Fülle davon zu bieten. Erneut nimmt sie uns mit auf eine Reise durch das Herz Nordamerikas. Unsere Begleiterin ist Fran, eine Frau Mitte Sechzig. Nach mehreren Schicksalsschlägen passt ihr Leben in eine Garage. Das Nötigste, was sie zum Überleben braucht, nimmt sie mit in ihren Wohnwagen und reist damit durch das Land. Dort, wo es Arbeit gibt, legt sie ihren Anker meist nur für eine kurze Zeit. Unterwegs trifft sie unzählige heimatlose Saisonarbeiter, durch das gesellschaftliche Netz gefallen wie sie. Chloé Zhao gibt ihnen eine Stimme. Mit loser Regie und ohne einen festen Handlungsstrang bildet sie die alltägliche Realität der Nomaden ab, zeigt jene, die diesen Weg bewusst gewählt und solche, die alles verloren haben. Ihre Hauptdarstellerin Frances McDormand öffnete sich ihnen bereitwillig. So entstand ein Film, der Dokumentarisches und Fiktion vereint, um das zu sein, was Film sein sollte: wahrhaftig.

»Nomadland«: ab 1.7., Passage Kinos, Kinobar Prager Frühling

Sarah ist zerrissen. Ihre Sehnsucht nach den Sternen hat sie dahin gebracht, wo sie heute ist: Als Teil einer internationalen Crew wird sie die Landung der ersten Menschen auf dem Mars vorbereiten. Das heißt aber auch, dass sie ihre Tochter Stella zurücklassen muss. Der Abschied fällt schwer. Das zerrüttete Verhältnis zu Stellas Vater Thomas macht es nicht einfacher. Der Umzug nach Darmstadt, das neue Umfeld und dazu die Trennung von der Mutter setzen der Achtjährigen zu. All das muss Sarah hilflos mit anhören, ist sie doch Tausende Kilometer weit entfernt in Baikonur. Das Training ist erbarmungslos. Als einzige Frau im Team muss sie sich zusätzlich beweisen. Der Druck wächst, je näher der Countdown rückt.

In sehr intimen Einstellungen zeigt »Proxima« die enorme Entbehrung für Frauen in der Raumfahrt. In den Momenten mit ihrer Tochter wird spürbar, welche Qualen Sarah durchläuft. Hinzu kommt der Chauvinismus in einer Männerdomäne. Das starke Sounddesign legt Telefonate mit Stella und Sarahs Tagebucheinträge versehen mit Ryuichi Sakamotos elektronischem Score über Montagen der Ausbildung. Die einzelnen Etappen des Trainings wurden zum Teil im European Astronaut Centre der ESA bei Köln gedreht. Der authentische Ansatz und die starke Leistung von Hauptdarstellerin Eva Green verleihen »Proxima« eine Faszination und Dringlichkeit, die weit über den Abspann hinaus geht.

»Proxima – Die Astronautin«: ab 24.6., Regina Palast

Chicago, 1966: William O’Neal schlägt sich als Autodieb durch. Als das FBI auf ihn aufmerksam wird, bietet ihm Special Agent Roy Mitchell einen Deal an: Sämtliche Anklagepunkte gegen ihn werden fallen gelassen. Im Gegenzug soll er Informationen über Fred Hampton sammeln. Der Black Panther-Aktivist gewinnt mit seinem Charme und seinen flammenden Reden zunehmend an Einfluss, nicht nur in der afroamerikanischen Bevölkerung. O’Neal erlangt Hamptons Vertrauen und heuert als sein Fahrer an. Doch die Ansichten des Bürgerrechtlers manövrieren den Spitzel zunehmend in Gewissenskonflikte.

Die Methoden, mit denen das FBI in den Sechzigern gegen Akteuere der Black Power-Bewegung vorging, sind gut dokumentiert und gelangten Jahre später an die Öffentlichkeit. Regisseur Shaka King analysiert O‘Neals Rolle darin und den unverholenen Rassismus der US-Behörden. Er zeigt einen Mann zwischen den Fronten und seinen Kampf mit der eigenen Identität. LaKeith Stanfield (»Knives Out«) und Daniel Kaluuya (»Get Out«) verkörpern eindrucksvoll die unterschiedlichen Charaktere und erhielten dafür jeweils eine Nominierung für den Oscar, den Kaluuya schließlich absolut verdient gewonnen hat. Als Ergänzung zu Aaron Sorkins »The Trial of the Chicago 7« bietet »Judas and the Black Messiah« einen weiteren erschütternden Blickwinkel auf den Kampf der schwarzen US-Bevölkerung ums Überleben.

»Judas and the Black Messiah«: ab 1.7., Passage Kinos

Weitere Filmtermine der Woche

Moritz Daniel Oppenheim
(D 2012) – anschließend Gespräch mit der Regisseurin – im Rahmen der Jüdischen Woche 2021
Porträt des jüdischen Malers – anschließend Gespräch mit der Regisseurin – im Rahmen der Jüdischen Woche 2021
R: Isabel Gathof, D 2017, Dok, 96 min

2cl – Sommerkino auf Conne Island

• Donnerstag 01.07., um 21:30 Uhr

Oma & Bella
(D 2016; OmU, Dok) – anschließend Gespräch mit der Regisseurin – im Rahmen der Jüdischen Woche 2021 – www.cinematheque-leipzig.de
Regina und Bella, zwei ältere Damen, teilen sich seit fünf Jahren eine Wohnung in Berlin Charlottenburg. In der Dokumentation von Reginas Enkelin, der New Yorker Regisseurin Alexa Karolinski, plaudern die beiden betagten Großmütter mit typisch jiddischem Humor über ihre Freundschaft. Anschließend Gespräch mit der Regisseurin. – im Rahmen der Jüdischen Woche 2021
R: Alexa Karolinski, D 2016, OmU, 76 min

Digitaler Raum
• Freitag 02.07., um 19:00 Uhr

Supernova
(GB 2020) – Sommerkino der Schaubühne Lindenfels
Sam geht mit seinem demenzkranken Freund Tusker auf einer Reise mit dem Wohnmobil durchs Land, zu alten Freunden und Familie. Tieftrauriges Schauspielerkino – ab 14. Oktober und heute Abend in einer Preview im Sommerkino der Schaubühne Lindenfels
R: Harry Macqueen, D: Colin Firth, Stanley Tucci, Sarah Woodward , GB 2020, 95 min

Markthalle Plagwitz
• Freitag 02.07., um 21:30 Uhr

Uferfrauen
(D 2019, Dok) – in Anwesenheit der Regisseurin
Die Leipzigerin Barbara Wallbraun erzählt berührend vom lesbischen L(i)eben in der DDR.- in Anwesenheit der Regisseurin
R: Barbara Wallbraun, D 2019, Dok, 115 min

Luru-Kino in der Spinnerei
• Freitag 02.07., um 22:00 Uhr

Überleben – drei jüdische Generationen
– Film und Diskussion im Rahmen der Jüdischen Woche 2021
Auf den Spuren der Familien von Holocaustüberlebenden in Israel. – Film und Diskussion im Rahmen der Jüdischen Woche 2021

KOMM-Haus
• Freitag 02.07., um 19:00 Uhr

Druga Polowa
(PL 2021, OmU)
Nach einer schweren Niederlage steht der Trainer des nationalen Fußballteams unter Beschuss von einem Reporter. Polnisches Kino.
R: Lukasz Wisniewski, D: Marianna Zydek, Maciej Musial, Jacek Knap , POL 2021, OmeU, 92 min

Cineplex
• Samstag 03.07., um 17:00 Uhr

Shot in the Dark
(D 2016, Dok)
Der Dokumentarfilm begleitet blinde Fotografen und setzt sich mit der Frage auseinander, wie ein Bild im Kopf entsteht. – in Anwesenheit des Regisseurs – im Rahmen des 9. F-Stop Festivals für Fotografie
R: Frank Amann, D 2016, Dok, 79 min

Luru-Kino in der Spinnerei
• Samstag 03.07., um 22:00, 22:00 Uhr

Vogelfrei – Fliegende Nomaden der Lüfte
Die beiden Extremabenteurer Andreas Zmuda und Doreen Kröber berichten informativ, sehr unterhaltsam und mit viel Witz über ihre einzigartigen Erlebnisse und Begegnungen von den ersten vier Jahren ihrer Reise mit einem Trike, dem „Motorrad der Lüfte“ sowie über ihr Leben als fliegende Nomaden.
(D 2021, Dok) – in Anwesenheit der Regisseure
R: Andreas Zmuda, D 2021, Dok, 112 min

Passage-Kinos
• Dienstag 06.07., um 20:30 Uhr

The Man Who Sold His Skin
(TUN/F/B/D/SWE/TRK 2020) – Sommerkino der Schaubühne Lindenfels
Sam, ein syrischer Geflüchteter, verkauft seinen Körper für die Kunst. Bald daraf muss er allerdings feststellen, dass er mehr verkauft hat als nur seine Haut. Nominiert für den Auslandsoscar 2021. – Sommerkino der Schaubühne Lindenfels
R: Kaouther Ben Hania, D: Yahya Mahayni, Dea Liane, Koen De Bouw , TUN/F/B/D/SWE/TRK 2020, 104 min

Markthalle Plagwitz
• Mittwoch 07.07., um 21:30 Uhr

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