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Das Kinostarts dieser Woche im Überblick

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Nach den ersten drei Krachern auf der Filmleinwand lässt sich resümieren: Das Kino ist wieder da! Denn trotz Streaming-Konkurrenz verzeichnen das bisher erfreulich viele Besucher. In dieser Woche empfiehlt sich der Oscar-Gewinner »Minari«, ein Familiendrama, das von den persönlichen Ereignissen des Regisseurs inspiriert ist.

Das geht gut los! »Nomadland« in der ersten Woche, Marvels »Black Widow« in der zweiten und nun ein neuer »Fast & Furious« und mit »Minari« der nächste Oscar-Gewinner: Trotz EM und Sommerzeit – Faktoren, die eigentlich Gift für den Kinobetrieb sind – werden wir gerade rundum verwöhnt. Es gibt keinen Zweifel: Das Kino ist wieder da! Erfreulicherweise haben das auch die Besucher gemerkt. In der ersten Startwoche nach Wiedereröffnung waren es hierzulande beachtliche 830.000, der neue Marvel hat nach einer Woche weltweit mehr als 215 Millionen Dollar eingespielt, 80 Millionen davon am heimischen Box Office in den USA, 78 Millionen an den internationalen Kinokassen und interessanterweise auch 60 Millionen auf Disney+, wo der Film seit 9. Juli für den Preis von 23 Euro streambar ist. Es gibt also nach wie vor viele Menschen, die das Kino schätzen. Vielleicht ist eine friedliche Koexistenz ja doch möglich. Denn einzig und allein mit den Streamingerlösen lässt sich ein Multimillionendollar-Vehikel wie »Black Widow« nicht stemmen. Da braucht es weiterhin die Erlöse an den Kinokassen.

Film der Woche: 1983 zieht die vierköpfige Familie Yi von Kalifornien in den beschaulichen US-Bundesstaat Arkansas. Vater Jacob hat dort Ackerland und ein Wohnwagenhaus gekauft, mit dem Plan, Feldfrüchte aus der südkoreanischen Heimat anzubauen und in der nächstgelegenen Metropole zu verkaufen. Parallel zur Arbeit für eine hoffentlich ertragreiche Ernte müssen er und seine Frau Monica in einem Geflügelverarbeitungsbetrieb Geld verdienen. Damit Tochter Anne und vor allem der herzkranke siebenjährige Sohn David nicht ohne Betreuung sind, lassen sie Monicas Mutter aus der Ferne einfliegen. Allerdings entspricht die fluchende und kartenspielbegeisterte Soon-ja so gar nicht dem Bild einer typischen Großmutter, sodass sich zunächst eine Kluft zwischen ihr und dem Enkelsohn auftut. Lee Isaac Chungs Immigrantenfamiliendrama ist von Ereignissen aus der Kindheit des Regisseurs inspiriert. Mit sonnendurchfluteten Bildern und in jeder Hinsicht leisen, aber prägnanten Tönen schleicht sich sein mehrfach preisgekröntes Werk mit Nachdruck und ohne jeden Kitsch ins Herz des Publikums. Höchste cineastische Weihen erhält es durch die Leistung des Schauspielerensembles, aus dem der kleine Alan Kim und natürlich die südkoreanische Charaktermimin Youn Yuh-jung herausstechen, die für ihre facettenreiche Darstellung der vermeintlichen Raben-Oma Ende April zu Recht den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle erhielt.

PETER HOCH

»Minari – Wo wir Wurzeln schlagen«: ab 15.7., Passage Kinos, am 15.7. mit digitalem Gespräch mit dem Regisseur im Anschluss

Weitere Filmtermine der Woche

CSD Leipzig: Queer-feministischer Pornoabend
– in Anwesenheit der Filmemacherinnen

2cl – Sommerkino auf Conne Island
• Donnerstag 15.07., um 21:30 Uhr

Oh Boy
(D 2012)

Die Odyssee eines jungen Mannes durch Berlin. Absurd-witzige Situationen und tiefe Großstadtmelancholie, mit großartigem Jazz-Soundtrack von The Major Minors.
R: Jan-Ole Gerster; D: Tom Schilling, Katharina Schüttler, Justus von Dohnányi , D 2012, 95 min

Sommerkino auf der Feinkost
• Donnerstag 15.07., um 21:30 Uhr

Scott Pilgrim
(USA/GB/J/CAN 2010)

Moritzbastei
• Donnerstag 15.07., um 22:00 Uhr

The Heart of Jenin / After the Silence
– im Rahmen der Filmreihe »Screening Religion« – www.cinematheque-leipzig.de

In »Das Herz von Jenin« spendet ein Palästinenser die Organe seines erschossenen Sohnes israelischen Kindern. In »Nach der Stille« sucht die Witwe eines ermordeten Israelis acht Jahre später Versöhnung mit der Familie des Attentäters im Westjordanland. – im Rahmen der Filmreihe »Screening Religion« – www.cinematheque-leipzig.de

Digitaler Raum
• Donnerstag 15.07., um 19:00 Uhr

Der wilde Wald – Natur Natur sein lassen
(D 2021, Dok)

R: Lisa Eder, D 2021, Dok, 91 min

Luru-Kino in der Spinnerei
• Freitag 16.07., um 21:30 Uhr

In the Mood for Love
(HK 2000) – Sommerkino der Schaubühne Lindenfels

Wong Kar-wais große Liebesgeschichte im Hongkong der Sechziger, meisterhaft gefilmt von Chistopher Doyle und frisch restauriert. – Sommerkino der Schaubühne Lindenfels
R: Wong Kar-wai, D: Tony Leung, Maggie Cheung, Rebecca Pan , HK 2000, 98 min

Markthalle Plagwitz
• Freitag 16.07., um 21:30 Uhr

Wenn die Seele friert
(DT/TR 2020) – in Anwesenheit der Regisseurin

R: Stella Sema Yesiltaç, DT/TR 2020, Dok, 87 min

Luru-Kino in der Spinnerei
• Freitag 16.07., um 21:30 Uhr

Homo Communis – Wir für alle
(D 2020, Dok) – mit Gästen und Filmgespräch

R: Carmen Eckhardt, D 2020, Dok, 105 min

Kinobar Prager Frühling
• Samstag 17.07., um 18:30 Uhr

Pulp Fiction
(USA 1994)

»Zed’s dead, honey. Zed’s dead.« Irre Typen, markante One-Liner, ein handverlesener Soundtrack und zahlreiche Zitate aus der Filmgeschichte: der Stoff, aus dem Kultfilme gemacht sind. Quentin Tarantinos zweiter Film markierte seinen Aufstieg vom Geheimtipp zu einem der wichtigsten Regisseure des kontemporären Kinos.
R: Quentin Tarantino; D: Samuel L. Jackson, John Travolta, Bruce Willis, USA 1994, 148 min

Filmnächte Scheibenholz
• Samstag 17.07., um 21:00 Uhr

Sweat
(S/PL 2020; OmU)

R: Magnus von Horn, D: Magdalena Kolesnik, Julian Swiezewski, Aleksandra Konieczna, S/PL 2020, 106 min

Cineplex
• Samstag 17.07., um 17:00 Uhr

Tanztheaterfilm »Schreber 160«
(urban collective)

Deutsches Kleingärtnermuseum
• Samstag 17.07., um 21:00 Uhr

Tina
(USA 2020; OmU)

Dokumentarfilm über Tina Turner, die im November 82 wird.
R: Daniel Lindsay, T. J. Martin, USA 2020, Dok, OmU, 123 min

Kinobar Prager Frühling
• Sonntag 18.07., um 18:00 Uhr

Jojo Rabbit
(USA 2019)

Deutschland während des Zweiten Weltkriegs: Der kleine Jojo Betzler ist ein aufrechter HJler. Da er die Tage meist allein verbringt, hat er sich einen imaginären Freund erschaffen: Adolf Hitler persönlich. Der ist aber ganz und gar nicht erfreut, als Jojo ein jüdisches Mädchen kennenlernt. Herrlich schwarze Adaption des Romans von Christine Leunens.
R: Taika Waititi; D: Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Scarlett Johansson, USA 2019, 108 min

Moritzbastei
• Dienstag 20.07., um 22:00 Uhr

Überraschungsextravaganza
– mit Einführung und Gast

2cl – Sommerkino auf Conne Island
• Dienstag 20.07., um 21:30 Uhr

Ivie wie Ivie
(D 2019)

Premiere der Leipziger Produktion um eine afrodeutsche auf familiärer Spurensuche.
R: Sarah Blasskiewitz, D: Haley Louise Jones, Lorna Ishema, Anne Haug, D 2019, 117 min

Filmnächte Scheibenholz
• Mittwoch 21.07., um 21:00 Uhr

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