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Draußen ist das neue Drinnen

Die besten Ausflugstipps für Sportliche und Faule

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Der Urlaub beginnt gleich an der nächsten Ecke. Es braucht keine weite Reise. Nur ein Ziel und einen Weg dorthin. Und die richtigen Schuhe. Das Erlebnis in der nahen Fremde stellt sich dann schon ein. Mehrere Handvoll Ziele in eineinhalb Rubriken führen zum Beispiel in die Altmark, ins Erzgebirge, auf Nachtwanderung und ins Märchenschloss, zum Fischessen ins Ruppiner Land und zum Cornern nach Magdeburg, zum Chillen in die Einöde und zum Höllenritt durch Tag und Nacht. Der Urlaube wartet auf dem Land oder in der Stadt, im Wald und auf der Heide, ob Sie alleine unterwegs sind oder mit Kind und Kegel, auf zwei Rädern, im Auto oder in der Eisenbahn. Die Titelgeschichte aus der Juli-Ausgabe des kreuzer 07/21.

Für kurze Beine oder vier Räder: Von Wurzen nach Machern

Die Wanderung beginnt in der Wurzener Altstadt. Sie ist weder für kleinere Kinder zu anstrengend noch für das Mitführen von Kinderwagen ungeeignet und tangiert nebenher das Schloss, die Stadtkirche, den Dom und den Ringelnatzbrunnen. Kurz vor dem Freibad Dreibrücken geht der Weg nach rechts ab unter einer Straßenbrücke hindurch, vor einer weiteren Rechtskurve wird der Waldweg eingeschlagen, der links abzweigt. Eine Überquerung des Mühlgrabens und einen Rechtsschwenk später geht es über die Mulde. Es folgen die Dörfer Grubnitz und Nepperwitz. Danach geht der Weg über Wiesen, Felder und Wäldchen nach Machern und zu den Ausläufern des Schlossparks. Der wurde im 18. Jahrhundert im englischen Stil um das Barockschloss und den Teich angelegt. Die Gestalter gaben sich große Mühe, den Eindruck einer urwüchsigen Landschaft zu erzeugen. Auf dem Gelände verteilten sie unter anderem vage an die Antike erinnernde Tempel, eine Pyramide, eine Ritterburg und eine künstlich angelegte Ruine. Die Strecke verläuft fast ausschließlich über Wald- und Feldwege und die befestigten Wege im Schlosspark. Das Freibad Dreibrücken hat mehrere Rutschen, von denen eine mehr als 60 Meter lang ist, einen Drei-Meter-Turm und ein separates Planschbecken für Babys. Kinder finden im Park am Alten Friedhof und in Machern auf dem Schlossplatz einen Spielplatz. Sie dürfte auch das Areal im Schlosspark Machern interessieren. An der Route liegen verschiedene Möglichkeiten zu Rast oder Einkehr.

  • Länge: 13 km
  • Anstrengung: 2
  • Kulturfaktor: 3
  • Naturfaktor: 3
  • Barrierefreiheit: 4
  • Hin & Weg: Der Regionalexpress braucht eine Viertelstunde nach Wurzen, die S-Bahn von Machern eine halbe Stunde nach Leipzig zurück.

Für Supersportliche: Schwitzen im Gebirge

Es ist nun schon eine Weile her, dass sportliche Großevents den Jahreskalender der Fitness bestimmten. Marathon, Halbmarathon, Triathlon oder Sieben-Seen-Wanderung – alles abgesagt. Lediglich das höchstpersönliche Fahrradfest im kleinsten Kreis konnte stattfinden, manche sollen sich die 100-Kilometer-Route um neun Seen des Leipziger Neuseenlands als Challenge gesetzt haben. Das mag zwar nach einer langen Strecke klingen. Mit einem Auf- und Abstieg von lediglich 380 Metern fällt sie aber eher in die Kategorie Aufwärmen.

Ein anderes Level sollte das Training für den Drei-Talsperren-Marathon im Erzgebirge haben, der für Mitte September geplant ist. Er gilt als einer der anspruchsvollsten in der Bundesrepublik und kann zu Fuß oder mit dem Fahrrad absolviert werden. Das Höhenprofil der 42,19 Kilometer hat einen Auf- und Abstieg von 910 Metern, die um die Talsperren Carlsfeld, Sosa und Eibenstock führen. Wer bis dahin nicht fit genug ist, versucht es vielleicht erst einmal mit dem Acht-Kilometer-Lauf oder dem Halbmarathon. Die 100-Kilometer-Fahrradstrecke überquert zweimal den Auersberg (1.018 Meter), die 50-Kilometer-Strecke immerhin einmal. Dies könnte der Vorbereitung auf den Fichkona dienen, der auf den nächsten Juni verschoben wurde, sich aber wie jede andere Strecke individuell durchführen lässt. Dabei geht es darum, mit dem Rad zum Ostseestrand zu fahren. Start ist auf dem erzgebirgischen Fichtelberg, Ziel ist Kap Arkona auf Rügen. Schlaf ist nicht geplant, denn die 600 Kilometer sind in 24 Stunden zurückzulegen.

  • Länge: 8–600 km
  • Anstrengung: 5
  • Kulturfaktor: 1
  • Naturfaktor: 4
  • Barrierefreiheit: 0

Für urbane Hipster: Magdeburg

Die Stadt an der mittleren Elbe zeigt Mut. Anders als die Fake-Kulisse aus Pseudo-Barock an der unteren Elbe ist Magdeburg nach dem Zerbomben im Zweiten Weltkrieg das städtebauliche Wagnis eines Neuaufbaus eingegangen. Das ist nicht überall gelungen, aber man muss ja nicht die ganze Zeit auf dem Bahnhofsvorplatz rumlungern oder ums Hundertwasserhaus schleichen. Magdeburg ist so etwas wie das Aberdeen Sachsen-Anhalts, die Stadt für den zweiten Blick.

Magdeburg ist ein herrlicher Underdog. Das Stadtmarketing war jahrelang nach innen gerichtet, sollte zuallererst die eigene Bevölkerung für die »Ottostadt« begeistern. »Magdeburg sind wir«, hieß es und: »Otto erholt sich«. Das ist wie gemacht dafür, dass sich Hipster breitmachen – zumal es die Stadt der totalen Zerstörung (zwei Mal!) ist. Das hat Symbolkraft.

Nicht gesichert ist, dass der Kirchenbau Ottos des Großen wirklich an der Stelle des Doms stand. Aber das macht nichts, auch der neuere 800 Jahr…

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