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Zeit für Experimente

Das Kinostarts dieser Woche im Überblick

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Das Gegenkino ist zurück! Außerdem in dieser Kinowoche: Ein Film über die Todesstrafe im Iran, der unter beeindruckende Umständen entstanden ist und die mörderische Geschichte einer Frau, die sich an den sexuell übergriffigen Männern dieser Welt rächt.

Es war alles vorbereitet, die Filme bestellt, die Gäste eingeladen. Doch dann kam die Pandemie und das »Gegenkino« Filmfestival war der letzte Termin im vergangenen Frühjahr, der schweren Herzens abgesagt werden musste. Jetzt kann es endlich losgehen und zum Programm haben sich auch einige neue Filme gesellt und einige Filmemacher ihr Kommen zugesagt, so dass das Programm nun endlich dem Leipziger Publikum präsentiert werden kann. www.gegenkino.de

»Gegenkino«: 26.8.–5.9., UT Connewitz, Schaubühne Lindenfels, Luru Kino in der Spinnerei, 2cl Sommerkino, Marthalle Plagwitz

Film der Woche: Heshmat führt ein gewöhnliches Leben. Einen Tag begleitet ihn die Kamera, wie er mit seiner Frau streitet, sich um seine erkrankte Mutter kümmert und mit der Tochter Pizza isst. Meist hört er ihnen zu. Nur manchmal wirkt er dabei etwas isoliert von ihrer Welt. Mohammad Rasoulof gehört zu den bekanntesten Regisseuren des Irans. Seit 2017 darf er von dort nicht mehr ausreisen. Gegen ihn steht eine Haftstrafe aus. Der Vorwurf: Gefährdung der nationalen Sicherheit und feindliche Propaganda. Überdies wurde er mit einem Drehverbot belegt. »Doch das Böse gibt es nicht« drehte er unter falschem Namen, am Set erschien er stets in Verkleidung. In vier Episoden erzählt er darin von Menschen, die mit der Todesstrafe in Berührung kommen. Früh am Morgen steht Heshmat in einem weißen Raum, der durch eine Scheibe geteilt ist. Er wirft einen Blick auf die andere Seite, dann drückt er einen Knopf. Eine Klappe öffnet sich und sechs Männer sind tot. Der Familienvater wird zum Henker des iranischen Regimes. Ein ähnliches Schicksal ist auch für Pouya vorgesehen. Der junge Mann leistet seinen Wehrdienst ab. Anders als Heshmat verweigert er jedoch das Töten, mit überraschenden Konsequenzen. Rasoulof gelang ein inhaltlich wie formal außergewöhnlicher Film, der auch visuell besticht. So sind die Bilder stellenweise atemberaubend. Völlig verdient gewann Rasoulof im Februar dafür den Goldenen Bären.

JOSEF BRAUN

»Doch das Böse gibt es nicht«: ab 19.8., Cinémathèque in der naTo, Kinobar Prager Frühling

Das Medizinstudium hat sie abgebrochen, jobbt im Café und wohnt mit 30 wieder bei Mom und Dad – auf den ersten Blick ist Cassandra Thomas (grande: Carey Mulligan) keine Heldin. Allerdings hat Cassie ein Geheimnis: Jedes Wochenende zieht sie durch die Bars und lässt sich, scheinbar sturzbetrunken, von irgendeinem selbsternannten »Gentleman« abschleppen. Wenn der dann glaubt, die Situation ausnutzen zu können, verpasst sie ihm die Lektion seines Lebens. Als eines Tages ihr charmanter Ex-Kommilitone Ryan (Bo Burnham) im Café auftaucht, nimmt das Spiel eine drastische Wendung. Marshmallowbunte Fingernägel, tiefschwarze Seele: Wer ist diese Frau und wozu ist sie wirklich fähig? Cassies Ambivalenz und ihr grenzüberschreitender Einfallsreichtum ziehen von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann. Mit ikonischen Bildern und Outfits, brillanten Wortgefechten und einem Soundtrack voller ironisch platzierter Pop-Hymnen liegt der Instant-Kult-Faktor verdammt hoch. Das Kinodebüt von Emerald Fennell, die für ihr Originaldrehbuch mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, ist aber nicht nur ein (ästhetisch) aufregender Rachethriller, sondern auch ein sehr durchdachtes #Metoo-Statement. Wenn Cassie Täter- und Opferrollen verwirbelt, kriegen nicht nur »die Männer« ihr Fett weg, sondern die ganze kaputte Gesellschaft, die den Nährboden für Rape Culture bildet. Für solche Filme wurde die große Leinwand gemacht.

KARIN JIRSAK

»Promising Young Woman«: ab 19.8., Cineplex, Passage Kinos, Regina Palast

Weitere Filmtermine der Woche

Dok Leipzig Sommerkino: Dok local

– Die Sehnsucht nach dem Meer (D 2016, Dok), Bowlingtreff (D 2015, Dok)
Das Dok Sommerkino zeigt zwei lokale Dokumentarfilme: Ute Puders »Die Sehnsucht nach dem Meer« (D 2016), »Bowlingtreff« (D 2015) von Thomas Beyer und Adrian Dorschner.

Westgarten
• Donnerstag 19.08., um 20:00 Uhr

Downstream to Kinshasa

(B/COD/F 2020) – Globale

Der letztjährige Gewinner des Dok Leipzig begleitet eine Gruppe körperlich beeinträchtigter Menschen auf dem Weg in die Hauptstadt, um für Entschädigung zu kämpfen. – Globale
R: Dieudo Hamadi, B/COD/F 2020, Dok, 90 min

Grassi-Museum Leipzig
• Donnerstag 19.08., um 20:00 Uhr

Gundermann

(D 2018) – Musik von Seilschaft – Filmnächte Scheibenholz

Spielfilmbiografie über den ostdeutschen Sänger und Musiker Gerhard Gundermann. – Sommerkino im Rahmen des Schönauer Parkfestes »Einfach Anders«
R: Andreas Dresen; D: Alexander Scheer, Anna Unterberger, Eva Weißenborn, D 2018, 127 min

Galopprennbahn Scheibenholz
• Donnerstag 19.08., um 20:30 Uhr

Kurzsuechtig Festiva – 18. Mitteldeutsches Kurzfilmfestival

Auch der wichtigste Festivaltermin für den kurzen Film wird nachgeholt: Das Kurzsuechtig ist mittlerweile zu einer ganzen Festivalwoche angewachsen und präsentiert Animiertes, Experimentelles, Dokumentarisches, Spielfilm und Digitales. Daneben wird auch wieder der Preis für Filmmusik und Sounddesign vergeben. All das wieder an gewohnter Stelle im frisch sanierten Ballsaal der Schaubühne und online. Am 23.8. gibt es dann ein Best of im Luru. www.kurzsuechtig.de

18.–21.8., Schaubühne Lindenfels & Digitaler Raum, 23.8., Luru Kino in der Spinnerei

A Symphony of Noise

(D 2021, Dok) – in Anwesenheit des Regisseurs

Eine aufregende Reise durch die Gedanken-, Klang- und Hör-Welt des Audio-Dokumentaristen Matthew Herbert. – in Anwesenheit des Regisseurs
R: Enrique Sánchez Lansch, D 2021, Dok, 96 min

Passage-Kinos
• Freitag 20.08., um 19:00 Uhr

Ivie wie Ivie

(D 2019) – in Anwesenheit der Regisseurin

R: Sarah Blasskiewitz, D: Haley Louise Jones, Lorna Ishema, Anne Haug, D 2019, 117 min

Luru-Kino in der Spinnerei
• Freitag 20.08., um 20:30 Uhr

Wir wollten alle Fiesen killen

(D 2020) – Dok Leipzig Sommerkino

Um ihren Film zu finanzieren, erwerben Bettina Ellerkamp und Jörg Heitmann einen Berg. Aus ihrem Spekulationsobjekt wird ein kurioses Filmprojekt. – Dok Leipzig Sommerkino
R: Bettina Ellerkamp, Jörg Heitmann, BRD 2020, Dok, 91 min

Luru-Kino in der Spinnerei
• Freitag 20.08., um 20:30 Uhr

Einfach abgefahren

(D 2021) – in Anwesenheit des Regisseurs

Margot Flügel-Anhalt fuhr bereits mit dem Motorrad um die Welt, nun macht sie sich wieder auf eine Reise: Mit einem alten Benz und ohne Reisepass soll es bis nach Südostasien gehen – durch 15 Länder und über 18.000 Kilometer. – in Anwesenheit des Regisseurs
R: Johannes Meier, Paul Hartmann, D 2021

Kinobar Prager Frühling
• Montag 23.08., um 18:30 Uhr
Sommerkino auf der Feinkost
• Montag 23.08., um 21:00 Uhr

MoritzKino – Sommeredition: Niemals Selten Manchmal Immer
GB/USA 2020, 102 min
R: Eliza Hittman, D: Sidney Flanigan, Talia Ryder, Théodore Pellerin
Intime Reise zweier 17-jähriger aus der Provinz nach New York, um dort einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Großer Preis der Jury bei der Berlinale 2020.

Mo  23.08.2021 22:00 Uhr Motritzbastei Innenhof

One Word

(MH/D 2020) – Globale

Ein partizipativer Dokumentarfilm über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Republik der Marshallinseln und ihre Bevölkerung. – Globale
R: Viviana Uriona, D/MH 2020, Dok, OmU, 83 min

Robert-Koch-Park
• Mittwoch 25.08., um 20:00 Uhr
• Donnerstag 26.08., um 20:00 Uhr

The Twentieth Century

(CAN 2019; OmU) – Gegenkino

Matthew Rankin imaginiert Kindheit und Jugend des ehemaligen kanadischen Premierministers William Lyon Mackenzie King als eine Reihe erbärmlicher Erniedrigungen – sowohl sexueller wie auch professioneller Natur. Surreales Kino aus Kanada. – Gegenkino
R: Matthew Rankin, D: Dan Beirne, Sarianne Cormier, Catherine St-Laurent, CAN 2019, OmU, 90 min

UT Connewitz
• Donnerstag 26.08., um 19:00 Uhr

Ham on Rye

(USA 2019; OmU) – Gegenkino

»Ein ebenso unheimliches wie schreiend komisches Jugendporträt aus flüchtigen Momenten und beiläufigen Gesten.« (critic.de) – Gegenkino
R: Tyler Taormina, D: Haley Bodell, Audrey Boos, Gabriella Herrera, USA 2019, OmU, 85 min

2cl – Sommerkino auf Conne Island
• Donnerstag 26.08., um 21:30 Uhr

Im Stillen Laut

(D 2019) – Dok Leipzig Sommerkino

Erika und Tine sind beide 81 und seit über 40 Jahren ein Paar. Zusammen leben und arbeiten sie auf dem Kunsthof Lietzen in Brandenburg – und blicken auf ein bewegtes Stück gemeinsame Geschichte zurück. Am 11.8. mit anschließendem Publikumsgespräch mit der Regisseurin – Sommerkino des Ost-Passage-Theater & Dok Leipzig Sommerkino
R: Therese Koppe, D 2019, Dok, 74 min

Westgarten
• Donnerstag 26.08., um 20:00 Uhr

Polyloid Filmfest

– Infos unter www.pöge-haus.de/de/projekte/polyloid-filmfest-2021/

Verschiedene Orte
• Donnerstag 26.08., um 20:30 Uhr

Spoon – A Santa Barbara Story

(F/IT/USA 2017; OmeU) – Surf-Film-Nacht

Die Geschichte von Renny Yater und George Greenoug, die den Surfsport maßgeblich mitprägten. – Surffilmnacht
R: Wyatt Daily, USA 2019, 60 min

Sommerkino auf der Feinkost
• Donnerstag 26.08., um 21:00 Uhr

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