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Fehlfarbe: Das rote Leipzig

Linken-Politiker Sören Pellmann strickt am Mythos – und irrt. Ein Kommentar

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Nach dem Gewinn des Direktmandats in Leipzig skandierte Sören Pellmann »Leipzig bleibt rot!« Doch das ist reine Augenwischerei, findet Interims-Chef Tobias Prüwer.

»Leipzig bleibt rot!« Sichtlich erfreut twitterte Sören Pellmann über seinen Wahlerfolg. Und zur Freude hatte der Linken-Politiker allen Grund: Er gewann erneut den Wahlkreis Leipzig II und sicherte mit seinem Direktmandat zudem ab, dass die Linke überhaupt im Bundestag vertreten ist. Allein auch im Leipziger Süden musste die Linke derbe Verluste einstecken, weshalb der »Bleibt Rot«-Trotz reine Augenwischerei ist.

Tobias Prüwer ist Interims-Chefredakteur des kreuzer.

Mit 22,8 Prozent gewann Pellmann seinen Wahlkreis und schaffte den Wiedereinzug in den Bundestag. Weil die Linke bundesweit nur auf 4,9 Prozent kam, lag es an seinem Direktmandat sowie jenen von Gesine Lötzsch und Gregor Gysi, dass die Linke überhaupt eine Bundestagsfraktion bilden kann. Kein Wunder, dass Pellmann froh ist und viel gelobt wird. Er setzte sich gegen Paula Piechotta von den Grünen durch, die auf 18,4 Prozent kam und gegen Jessica Heller von der CDU mit 16,5 Prozent. Das im Süden auch mittels Flugblättern gestreute Gerücht, nur eine strategische Wahl von Pellmann würde ein CDU-Direktmandat verhindern, hat sich also als falsch erwiesen.

Und trotzdem büßte Pellmann gegenüber der letzten Bundestagswahl 2017 ganze 2,5 Prozent ein. Bei den Zweitstimmen verlor seine Partei in Leipzig II satte 7,8 Prozent. Hier spiegelte sich nicht nur der bundesweite Stimmenschwund mit einem Minus von 4,3 Prozent wider, der Verlust überstieg diesen Trend. Demgegenüber holten die Grünen den Wahlkreis mit 21,3 Prozent – das bedeutet eine Steigerung von 10,9 Prozent. Nun könnte man meinen, die Grünen sind auch irgendwie eine linke Partei, die zweitplatzierte SPD ebenfalls ein bisschen und rot ist die Farbe aller Linken. Falls Pellmann das gemeint hat mit »Leipzig bleibt rot!«, ist das sehr umständliche Arbeit am Mythos vom roten Leipzig. Ausdruck einer starken Linkspartei ist das aber keinesfalls. Falls nicht, dann irrt Pellmann und man muss sagen: Leipzigs Süden ist grün.

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2 Kommentare

  1. Volker Wiegand | 28. September 2021 | um 17:26 Uhr

    Der Kommentator ist es doch eher, der hier “sehr umständliche Arbeit” leistet, etwas offensichtliches, nämlich die Leipziger Dominanz linker Parteien bei der BTW 2021 missverstehen zu wollen. Leipzig ist nunmal nicht nur Leipzig II, sondern die ganze Stadt.

    Zudem hülfe es der Lesbarkeit, wenn die Worte des vorletzten Satzes besser sortiwert würden.

  2. GF | 29. September 2021 | um 00:52 Uhr

    Bitte das nächste Mal wieder etwas sachgerechter berichten. Die Linke hat zwar deutlich Stimmen eingebüßt, kommt aber noch auf rund 66T Erststimmen (beide Wahlkreise zusammen), die Grünen nur auf ca. 53T Erststimmen. Insofern ist Leipzig zwar für sächsische Verhältnisse sehr grün aber trotzdem nicht grün sondern rot. Insbesondere da auch die SPD und die CDU noch vor den Grünen liegen.
    Im Übrigen gibt man Differenzen zwischen Prozentzahlen in Prozentpunkten an.