DOK LEIPZIG 30. OKTOBER – 5. NOVEMBER 2017
60. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Verklemmt

»Granny Project« von Bálint Révész erhält den MDR-Filmpreis für den herausragendsten osteuropäischen Dokumentarfilm

grannyVerwunderung und Scham – so lässt sich das, was ein Großteil der Kinobesucher gespürt hat, als Ruben, Bálint und Merredith »Sieg Heil« und »Heil Hitler« brüllend über die Leinwand alberten, wohl am besten beschreiben. Zumindest dem deutschen Teil der Zuschauer mag es wohl so gegangen sein. In »Granny Project« versuchen die drei jungen Männer mithilfe ihrer Großmütter eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. Da ist die deutsche Balletttänzerin, deren Vater im zweiten Weltkrieg gefallen ist, die ungarische Kommunistin, die sehr im Krieg gelitten hat, und die englische Spionin, für die der Krieg eine Zeit des Zusammenhalts war. Sie präsentieren drei sehr unterschiedliche und persönliche Sichtweisen auf die Zeit des dritten Reichs, die sich auch in der Haltung der Enkel wiederspiegelt. Weiterlesen

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Der Kreis schließt sich

»Sandmädchen« vom Leipziger Filmemacher Mark Michel 

sandgirl_still_002»Kind war aus Sand. Grobkörniger Sand. Konnte man nicht anfassen, weil man Angst hatte, das Wenige, was es zusammenhält, bröselt auseinander.« Veronika ist 25, lebt in der Nähe von Augsburg und ist körperlich schwer behindert. Sie kann nicht sprechen, nicht laufen und leidet am Asperger Syndrom, einer Form von Autismus. Aber Veronika schreibt. Geschichten und Gedichte über ihre Wahrnehmung, ihren Lebensweg. Sie studiert katholische Theologie und Literatur an der Uni Augsburg. Mark Michel lernte sie vor sieben Jahren kennen. Der Regisseur aus Leipzig recherchierte für ein Magazin über Menschen mit Behinderung für den MDR. Da stieß er auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung über Veronika Raila. »Ich bin hingefahren und habe ihr meine Geschichte erzählt und mir ihre Geschichten durchgelesen. Drei Monate später kam ich mit der Kamera wieder, um einen Kurzfilm zu drehen.« Der siebenminütige Film »Veronika« entstand, lief beim Kurzsuechtig und dem DOK Leipzig und reiste von dort zu Festivals in aller Welt.

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Goldene Taube für »Licu«

content_imageDie gebürtige rumänische Filmemacherin Ana Dumitrescu hat bei DOK Leipzig mit der Produktion »Licu, a Romanian Story« (»Licu, o poveste românească«) die prestigeträchtige Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm gewonnen, gestiftet vom Mitteldeutschen Rundfunk. Die ehemalige Fotojournalistin richtet ihre Aufmerksamkeit auf den 92- jährigen Liviu Canţer, genannt Licu, der seine Erinnerungen an die Extreme des 20. Jahrhunderts teilt. In intimer Atmosphäre berichtet er von Weltkrieg, Vertreibung und Post-Kommunismus. Im Laufe des Films wird die Regisseurin von der Beobachterin zur Besucherin, es entwickelt sich eine vertraute Beziehung zwischen ihr und dem Protagonisten. »Sie erreicht direkt unsere Herzen, denn sie gestaltet eine filmische Reise, die zwar nur 86 Minuten dauern, die aber für uns eine Lektion für das Leben ist«, so die Jury. Zwei Dokumentarfilme von Dumitrescu liefen bisher in den französischen Kinos.

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»I knew that I had to keep making films«

Jay Rosenblatt ist in diesem Jahr Ehrengast bei DOK Leipzig und Juror für den Next Masters Wettbewerb. Er macht außerdem seit 1980 selber Filme, einem Genre zuordnen möchte er diese aber nicht: Er verordnet seine Filme irgendwo zwischen Dokumentarfilm und Essay. Die DOK Spotters haben ihn trotz seines vollen Terminkalenders getroffen:

The Cinema of Jay Rosenblatt 2: 
The Cinema of Jay Rosenblatt 3: 
The Cinema of Jay Rosenblatt 4: 
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Bruchstücke einer Zivilisation

Alejandro Estrellas »The Project« steht der Science-Fiction näher als dem Dokumentarfilm

projectAm Anfang zirkulieren geometrische Strukturen auf der Leinwand – 3D-Animationen von Blaupausen und architektonischen Entwürfen drehen sich fragil und schwerelos in einem weißen, zeitlosen Raum. Eine Einstellung, die die Anmut aufruft, mit der Kubrick die Bewegung des Raumschiffs in »2001: A Space Odyssee« eingefangen hat. Mit den folgenden Szenen erschließt sich, dass die Grafiken eine sozialistische Bauutopie zeigen: eine fünfstöckige Schule, deren Brutalität tatsächlich in Beton gegossen wurde und an der bis zu 50 000 kubanische Schüler und Studenten ausgebildet werden sollten.

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DIY or DIE

»Parallel Planes« von Nicole Wegner

parallelplanesDie Liste der MusikerInnen, die in »Parallel Planes« zu Wort kommen, enthält das Who-is-Who der u.s.-amerikanischen Alternative-Szene: Angefangen von Creg Saunier (Deerhoof) und Otto von Schirach über Jamie Stewart (Xiu Xiu) und Michael Gira (Swans) bis hin zu Walter Weasel (Flying Luttenbachers, Lydia Lunch) und Ian MacKaye (Fugazi). Insgesamt sind es 12 MusikerInnen, die Nicole Wegner in Kurzportraits, mit Interviewsequenzen, Konzertmitschnitten und Aufnahmen improvisierter Performances, vorstellt. Genretechnisch ist damit der Underground fast in seiner ganzen Palette abgedeckt: Punk, Hardcore, IDM sowie mal mehr, mal weniger verspielter Noise. Weiterlesen

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Neue Perspektiven

»Licu, a Romanian Story« von Ana Dumitrescu 

licuLiviu Canţer, genannt Licu, zeigt die Einschusslöcher an seiner Hausfassade. Während der Revolution von 1989 wurde in dem Wohnhaus des 92-jährigen Rumänen ein Terrorist vermutet. Er musste sich Tage lang in seinem Haus verschanzen, verkleidete die Wände mit Matratzen, damit die Schüsse nicht durchdringen konnten. Einige der Löcher hat er bereits verspachtelt, andere liegen noch offen. Licu ist einer der letzten Überlebenden seiner Generation. Er erlebte den Weltkrieg, den Kommunismus, die Revolution und das, was nach der Revolution kam. Weiterlesen

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Die Geister sind noch da

Wie hart die persönliche Auseinandersetzung mit Schuld und Schmerz der Shoa noch 72 Jahre nach dem Ende des Nazireichs ist, zeigt »Nachlass« von nachlassChristoph Hübner und Gabriele Voss.

»Wenn nur das schießen jeden Tag nicht wäre«, schreibt der Vater an seine Kinder. So als ob seine Arbeit in Einsatzgruppen in den besetzten Ostgebieten eigentlich ganz angenehm sein könnte – wenn er dort nicht hätte Juden erschießen müssen. Seinem Sohn hat er einen Koffer hinterlassen, einen Koffer voller unbereuter Schuld, wie der Sohn erzählt.

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Wut, Tränen, Heiterkeit

Bei der öffentlichen Vorführung des Pegida-Films »Montags in Dresden« im Hauptbahnhof herrschte die meiste Zeit Langeweile. Die Abendlandretter blieben ruhig und die Diskussion im Anschluss an den Film war emotional, aber friedlich

pegida-bahnhofProppenvoll war die Osthalle des Hauptbahnhofs am Donnerstagabend. Einer der Protagonisten von »Montags in Dresden«, der Pegida-Mitgründer René Jahn, hatte in den sozialen Medien mehrere Tage lang die Werbetrommel dafür gerührt, Leipzig einen patriotischen Besuch abzustatten. Der Film ist für den »Leipziger Ring« nominiert, den Publikumspreis der Stiftung Friedliche Revolution. Wer in der kostenlosen Vorstellung einen Sitzplatz mit Stuhl ergattert hatte, erhielt auch eine Votingkarte, mit der eine Teilnahme an der Abstimmung möglich war. Es wäre also denkbar gewesen, dass auf diesen Plätzen vorwiegend Dresdner Montagsspaziergänger gesessen hätten. Auch beim Dok sah man dem Abend wohl mit etwas Bangen entgegen, und so wurde vor der Veranstaltung noch eine Stellungnahme von Festivalleiterin Leena Pasanen veröffentlicht, in der diese einerseits erklärte, warum der Film ins Festivalprogramm aufgenommen worden war, andererseits sich von »jeglichen Aktionen von Pegida« distanzierte. Weiterlesen

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»Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst«

Betreutes Sehen: Jürgen Kuttner zeigte Videoschnipsel im UT Connewitz

DOK Leipzig 2017/ Susann Jehnichen

DOK Leipzig 2017/ Susann Jehnichen

Kuttner spricht. Und spricht und spricht und spricht. Denn Sprechen, das kann er. Das wissen ehemalige Fritz-Hörer noch vom »Sprechfunk mit Käptn Kirk Kuttner«, Berlin-Besucher von seinen Videoschnipselvorträgen an der Volksbühne. Mit solch einem ist der Mann mit der Berliner Schnauze nun seit Ewigkeiten auch mal wieder in Leipzig (»das letzte Mal war unter Engel«, wundert er sich selber), auf Einladung von Dok-Programmchef Ralph Eue, der ihn am Mittwochabend halb Fanboy, halb Freund auf der Bühne des UT Connewitz begrüßt. Weiterlesen

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Eindrücke vom Festival in der Stadt

An jeder Ecke der Stadt ist das rote Logo mit der weißen Taube zu sehen. In Leipzig dreht sich in dieser Woche alles um das Festival und um seine Besucher. Die DOK Spotters haben ihre Eindrücke in einem Video festgehalten.

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Gefangen im Entweder-Oder

Mit Leichtigkeit zeigt »Genderblend« Menschen, die sich nicht in die binäre Geschlechterordnung fügen

genderblendToilettentüren werden eingeblendet. Die Piktogramme zeigen aufs Extreme reduziert, was Männer und Frauen optisch ausmachen sollen: Rock und Hose, Brüste und breite Schultern, lange und kurze Haare. Die Figürchen drücken ikonografisch das binäre Problem aus, vor dem die fünf Protagonistinnen und Protagonisten in »Genderblend« stehen, ja gestellt sind: sich dem einen oder anderen Geschlecht, besser: Gender, zuzuordnen. Weiterlesen

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Vom Rind auf die Ziege gekommen

»The Centaur’s Nostalgia« bebildert das Leiden eines Gaucho-Paares an sich selbst

centaurDas Paar scheint aus der Zeit gefallen, das macht die Doku von Beginn an deutlich. Dunkel sind die Einstellungen, fremd kommen Bewegungen und Gesten dem Betrachter vor, der oft nicht weiß, was er da eigentlich sieht. Nach 20 Minuten ist das erste Wort zu vernehmen. Nach und nach puzzeln sich Aspekte zusammen, die aber bis zum Schluss kein Gesamtbild ergeben. Weiterlesen

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»Ohne mich wäre das viel einfacher gewesen«

»The Strange Sound of Happiness« Regisseur Diego Pascal Panarello über die Suche nach dem Glück, unbekannte Welten und ein Instrument, das sein Leben verändert hat

strangesoundIch treffe Diego Pascal Panarello im Festivalzentrum des Dok. Er sitzt gemütlich an einem Tisch mit seinen Freunden aus Jakutien, als ich dazu stoße. Panarello stammt aus Sizilien, wo auch die Geschichte seiner Dokumentation »The Strange Sound of Happiness« beginnt. Die Hauptrolle in seiner Dokumentation spielt ein kleines, recht unbekanntes Instrument: die Maultrommel.

kreuzer: Ihr Film heißt »The Strange Sound of Happiness« – inwiefern bedeutet der Klang der Marranzano (Maultrommel) für Sie Glück?

DIEGO PASCAL PANARELLO: Für mich bedeutet Glück, einen versteckten Ort zu entdecken. Ich lebe auf dem Land und habe viele kleine, versteckte Wege gesehen, die ich nie entlang gelaufen bin. Manchmal, wenn man ein bisschen neugieriger ist als sonst, dann läuft man diese Wege. Diese Wege, die direkt am eigenen Haus entlang führen, aber einen nie interessiert haben. Wenn man sie dann langläuft, entdeckt man vielleicht ein Schloss. Für mich repräsentiert die Marranzano das Schloss, weil dieses Instrument in meiner Gegend sehr bekannt ist, aber ich sie nie gespielt habe. Irgendwann bin ich dann diesen Weg der Marranzano gelaufen und habe schließlich Jakutien, eine versteckte Welt, entdeckt, die sich hinter dem Instrument verbirgt. Mein Leben zu Beginn des Films war nicht gut, weil ich kein Ziel hatte. Deshalb soll der Film die Menschen dazu animieren, diese versteckten Wege zu laufen. Dieses Schloss, das man entdeckt, das ist Glück für mich. Weiterlesen

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»Du denkst immer nur: Scheiße, scheiße, scheiße«

Monchi von Feine Sahne Fischfilet spricht über den Film »Wildes Herz« und seinen Besuch im Knast

Copyright: Neue Visionen Filmverleih

Copyright: Neue Visionen Filmverleih

Mit dem Film »Wildes Herz« hat Charly Hübner ein lustiges, berührendes, politisches und intimes Porträt über die Band Feine Sahne Fischfilet und vor allem ihren Sänger Monchi gedreht. Im Interview spricht Monchi mit uns darüber, was er bei der Weltpremiere gedacht hat und wie er den Film danach im Knast gezeigt hat.

kreuzer: Wie war es für dich, den Film zu sehen, der so viel Privates preisgibt? Unangenehm?

MONCHI: Das war alles. Schön, krass, scheiße, komisch. So viele Emotionen zugleich. In erster Linie aber komisch. Letzte Woche war ich noch bei »Saw« im Kino und jetzt sitzen 400 Leute im vollen Cinestar in Leipzig und sehen mich auf der Leinwand. Und du weißt schon, was kommt, und denkst immer nur: »Scheiße, scheiße, scheiße«. Es ist ja kein Film von uns, sondern von Charly Hübner. Wäre es ein Film von uns, hätten wir ein paar Szenen rausgeschnitten.

kreuzer: Welche? Weiterlesen

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Architekt eines Kartenhauses

»Betrug« seziert die heile Welt wohlhabender Eltern in München-Schwabing

betrugWer häufiger Mietpreisrankings verfolgt, dem ist München-Schwabing bestens bekannt. Der Stadtteil zwischen Englischem Garten und Olympiapark, nicht weit entfernt vom Zentrum der Bayernmetropole, führt regelmäßig alle Preislisten an: Nirgendwo sonst ist Wohnen so teuer wie hier. Das Milieu, das man in Schwabing antrifft, wäre wohl am besten vergleichbar mit dem in Schleußig oder dem Prenzlauer Berg: Viele Restaurants, Bioläden und Eltern, die nur das beste für ihre Kinder wollen. Aus einer Elterninitiative heraus wurde hier das Kinderhaus gegründet, ein selbst verwalteter Kindergarten, der liebevoll den Nachwuchs der Rechtsanwälte, Regisseure, Architekten und Unternehmer behütet. Weiterlesen

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»Dieser Film muss gezeigt werden«

Der Leipziger Produzent Jürgen Kleinig über den berührenden Film »Muhi« und die prekäre deutsche Dokfilm-Landschaft

muhiMuhi aus Gaza lebt in einem Krankenhaus. Dem schwerkranken Palästinenserjungen mussten die Gliedmaßen amputiert werden, nur sein Großvater ist bei ihm. Und dennoch hat er sich eingerichtet, lebt sein Leben mit großer Freude. Mitproduziert hat den Film die Leipziger Firma Neue Celluloid Fabrik. Dessen Inhaber Jürgen Kleinig lud uns zum Gespräch.

kreuzer: Wie sind Sie auf Muhi aufmerksam geworden?

JÜRGEN KLEINIG: Wir sind regelmäßig in Israel und kennen dort mit Hilla Medalia eine befreundete Produzentin, mit der wir auch »Shalom Italia« gemacht haben. Sie hat uns schon 2012 gesagt, dass sie an einer krassen Geschichte um einen kleinen Jungen dran ist, der im Krankenhaus aufwächst. Wir haben uns dann gleich getroffen mit den Regisseuren Rina Castelnuovo-Hollander und Tamir Elterman. Als sie uns das erste Material gezeigt haben, waren wir hingerissen. Das ist so ein heftiges Schicksal. Im kleinen Jungen spiegelt sich der ganze Nahost-Konflikt. Und doch ist es kein reiner Leidensfilm geworden, was auch an dem fantastischen Protagonisten liegt. Weiterlesen

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»Unberechenbar, aktiv, voll«

Die Dok Spotters sprechen mit Lars Rummel, dem Kurator von DOK Neuland, über seine Motivation, die Projekte und seine Auswahlkriterien

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Sex und Eskapismus

Miku kann nicht sterben: »The World Is Mine« zeigt die Welt des Cosplay

worldismineFispelstimme, türkise, riesenlange Zöpfe und Schuluniform mit Minirock: Seit zehn Jahren tobt Hatsune Miku durch die japanische Popwelt (J-Pop) und ist keinen Tag gealtert. Das kann das ewig 16-jährige Mädchen auch gar nicht: Es ist nämlich bloß ein Avatar. Und doch beten Zigtausende Miku an, besuchen sogar Konzerte, wo sie auf einer Videoleinwand erscheint. Und natürlich stellen sie sie im Cosplay, also durch Verkleidung, nach. Regisseurin Ann Oren tut es ihnen gleich, um das Phänomen selbst zu beleuchten, aber auch zu erfahren, was die Inszenierung eines Manga-Selbst mit Körper und Psyche macht. Weiterlesen

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Lebensfreude in Pixilation

Als ihre Mutter an Brustkrebs erkrankt, macht Maja Arnekleiv Fotos von ihr. Aus diesen entsteht der Film »Mum’s Hair«.

mumshairKrebs ist ein Arschloch. Wer daran erkrankt, hat mit existentieller Bedrohung und körperlichem Verfall zu tun. Angst greift auch bei den Angehörigen um sich, die außerdem verunsichert sind, was den richtigen Umgang angeht – mit dem Kranken und miteinander. Trost und Kraft spenden wären gut, Trost und Kraft kann man aber eigentlich auch selber ganz gut gebrauchen. Als reichte das alles nicht, kommt noch die Strapaze der Chemotherapie hinzu, die als zynische Krönung des drastischen Memento moris Haarausfall im Gepäck hat. Weiterlesen

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Vergewaltigung als Waffe

Der Film »Silent War« zeigt erschreckende Frauenschicksale aus Syrien

silentwar»Was werdet ihr denn tun, wenn ihr den Film gesehen habt? Ihr werdet kurz bestürzt sein und es dann wieder vergessen!« Die Frau, die diesen am Ende des Films »Silent War« sagt, hat wahrscheinlich nicht ganz unrecht. Nachdem man Manon Loizeaus Dokumentation über syrische Frauen, die von der syrischen Armee vergewaltigt worden sind, gesehen hat, ist man bestürzt, traurig, entsetzt. Sehr persönlich haben drei Frauen ihr Schicksal erzählt. Wie sie die Vergewaltigung von an anderen Frauen mit ansehen mussten, wie sie dann selbst vergewaltigt wurden, wie sich andere Frauen im Gefängnis daraufhin umgebracht haben, wie sie geflohen sind, aus Angst, der eigene Vater oder die Brüder werden sie nun umbringen.   Weiterlesen

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»Ich wollte schon immer unsichtbar sein«

Leena Pasanen im Interview mit den Dok Spotters

Die Dok Spotters sind junge Nachwuchsjournalisten, die sich während des Dok Leipzigs ausprobieren. Ihr erstes Interview haben sie mit der Festivaldirektorin geführt.

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Rechte reden lassen

Pegida läuft beim Dok auf, will Sitze blockieren und hofft auf Publikumspreis

ddÜber die Doku »Montags in Dresden«, die unkommentiert drei Pegida-Fritzen ihren Unsinn verbreiten lässt, wurde im Blog schon alles gesagt. Immerhin hat der Auftritt auf dem Dok nun doch noch einen positiven Effekt: Pegida will die Veranstaltung für sich vereinnahmen und damit wird vielleicht auch der Schlichteste erkennen, woran man bei denen ist.

Die drei im Film porträtierten Talking Heads feiern die Doku schon einmal hart – und sich selbst. René Jahn nennt ihn in einem Facebook-Eintrag »die erste realistische Außendarstellung der sogenannten › Dresdner Verhältnisse ‹.« [Rechtschreibung im Original.] Und weiter: »Am Ende sind wir ganz normalen Bürger die authentischsten!« Sabine Ban, ebenfalls Protagonistin im Film, sekundiert: »Genau darum geht’s. Wir sind ganz normale Bürger. Jeder mit seinem Alltag und seinen Problemchen, wie eben alle anderen Bürger auch.« Einen Unterschied zwischen Porträtierten und Porträt kennen sie nicht: »Wir sind sogar für zwei Preise nominiert!«, freut sich Jahn. Die Fans applaudieren. Weiterlesen

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Alles (nur) Menschen

Die weltumspannende Kraft der Musik zeigt »Wann wird es endlich wieder Sommer« am Beispiel einer Band aus Dresden

sommerIn ihrer Wohnstatt Dresden und Umgebung sind sie unbekannter als über diese hinaus. Unter anderem erhielten sie den Weltmusikpreis auf dem renommierten Rudolstadt-Festival. Doch um Preise und Prestige geht es Banda Internationale – gegründet 2001 als Banda Communale – nicht. Es geht ihnen um Musik und deren Grenzen sprengende Kraft. Und damit sind sie in Dresden, in Sachsen genau richtig, weil wichtig.
Sie beteiligte sich an Potesten gegen die alljährlichen Naziaufmärsche zum 13. Februar. Als Pegida begann, die Straßen unsicher zu machen für alle, die nicht in deren Deutschenbild passten, beteiligte sich die Band immer wieder an Gegenprotesten. Wohl wissend, in der Unterzahl zu sein. Aber das schreckte sie nicht. Sie spielten vorm bedrängten Flüchtlingsheim in Freital und vielerorts, wo es darum ging, die Stimme gegen Rassismus zu erheben. Allmählich wurde die Band selbst zum Kristallisations- und Anziehungspunkt. Menschen verschiedener Herkünfte gesellten sich zur ursprünglichen Musikergruppe dazu, die Band wuchs auf heute rund 20 Mitglieder und benannte sich entsprechend um. Ihr ohnehin als Klezmer-Weltmusik-Brass-Amalgam ausgerichteter Stil wurde dadurch noch vielfältiger. Weiterlesen

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Failed State Kongo

»Das Kongo-Tribunal« von Milo Rau

kongo-tribunalSeit fast 20 Jahren toben im Ostkongo bewaffnete Auseinandersetzungen, an denen neben verschiedenen lokalen Kriegsparteien – Paramilitärs, Polizeitruppen und Rackets – auch diverse internationale Player direkt oder indirekt beteiligt sind – durch Rüstungsexporte, diplomatischen Einfluss, humanitäre Hilfe oder Großkonzerninteressen. Weiterlesen

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Frauenquote auf dem Dok wird eingeführt

pasanenAm Montagabend ist die Frauenquote mehr als erfüllt. Zu Eröffnungsfeier des 60. DOK Leipzig stehen nur Rednerinnen auf der Bühne – Grütters, Stange, Jennicke, Pasanen –, von denen einige auch gleich das Thema Frauenförderung anschneiden. Die sächsische Kunstministerin Eva-Maria Stange ist Schirmherrin des Regisseurinnenpreises und Festivaldirektorin Leena Pasanen betont seit ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren, dass sie gerne mehr Regisseurinnen im Programm hätte: »Frauen in der Filmbranche waren in den vergangenen Wochen in den Schlagzeilen, aber wieder nicht aus den Gründen, aus denen sie in der Öffentlichkeit präsent sein sollten: als gefeierte Filmemacherinnen«, erklärt Pasanen in ihrer Eröffnungsrede. Grundsätzlich sei die Präsenz von Regisseurinnen in den internationalen Wettbewerben zwar  relativ konstant. »Aber sichtbare Schwankungen nehmen wir seit einigen Jahren vorrangig im Deutschen Wettbewerb wahr. In diesem Jahr ist dort nur eine Filmemacherin vertreten, als Co-Regisseurin.« Sie wolle sich daran beteiligen, dieses Ungleichgewicht aufzuheben, daher werde es in den nächsten beiden Jahren eine Frauenquote geben, kündigt sie an und stößt auf Applaus – zumindest bei einigen der 700 Besucher.

JULIANE STREICH

 

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Angst animiert

Das Animationsfilm-Sonderprogamm untersucht Formen der Furcht – ein paar Empfehlungen

logoramaEs sind nicht die Dinge selbst, vor denen wir uns fürchten, sondern die Bilder, die wir uns davon machen. So oder so ähnlich hat es mal ein Philosoph formuliert. Bilder halten uns gefangen, meinte ein anderer viel später. Es sind die Vorstellungen, die uns erbeben lassen und zu manch falschem Handeln antreiben. Man geht selten fehl, meinte ein Dritter, überzogene und extreme Aktionen auf Furcht und Eitelkeit zurückzuführen. Die Gegenwart steckt in einem Angst- und Sicherheitsdenken fest, fasste ein Vierter seine Arbeiten zusammen. Um der Angst zu entkommen, die Einleitung auf der Schlussgeraden des letzten Satzes noch zu vergeigen, leiten wir rasch zum Eigentlichen weiter: Es exstieren viele Formen der Furcht und das Sonderprogramm Animationsfilm dekliniert sie durch. Es sind bunte Bilderbogen und düstere Szenerien, die sich in vier Reihen den Themen Angstlust und Kitzel widmen, dem auch augenzwinkernden Reiz des Unheimleichen, der Gewöhnung an die Angst und dem brutalen Horror. Mannigfaltige Ansätze sind zu sehen, wir haben ein paar herausgepickt und möchten folgende Filme zur unbedingten Sichtung empfehlen.

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Der alte Mann auf dem Floß

Der Regisseur von »Drift« versucht, seinen Vater zu verstehen

driftUm 14.000 Meilen zurückzulegen, braucht es gut neun Monate. Jedenfalls, wenn die Reise auf einfachen Flößen vonstattengeht. Auf diese Weise schippert man von Ecuador nach Australien. Die Leute, die diese Reise 1973 unternahmen, haben damit gleich noch einen Rekord aufgestellt, denn das war die längste Floßfahrt, von der man weiß. Eine Männerstimme aus dem Off erzählt zu Originalaufnahmen von damals, wie das so war. Zum Beispiel nicht immer gemütlich, denn die See kann sich durchaus hoch auftürmen, und heftiger Regen sorgt dafür, dass die Kleidung nicht trocknen will. Weiterlesen

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Reptilienasyl

Eine Schildkröte immigriert verbotenerweise nach Deutschland und kann nicht nach Hause zurückkehren: »Schildkröten Panzer«

schildkroetenIn die Bundesrepublik reisen auch Tiere ein. Bisweilen haben sie die falschen Papiere oder sie wachsen ihren Haltern über den Kopf oder die Europäische Artenschutzverordnung legt fest, dass sie nichts bei ihren Haltern verloren haben. Dann darf die kleine Schildkröte aus Syrien nicht bei Frauchen wohnen, sondern ist mit anderen Exoten in der Münchner Auffangstation für Reptilien untergebracht. Frauchen kommt ab und an vorbei und überzeugt sich davon, dass es ihr gut geht. Beide haben viel hinter sich: In Syrien fiel eine Bombe auf ihr Haus und tötete das Herrchen, das sich noch um Verwundete kümmerte, während das Frauchen bereits aus der Stadt geflohen war. Die Schildkröte konnte dank ihres Panzers überleben und ist mit Frauchen die Flucht nach Europa angetreten. Weiterlesen

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»Warum soll man das nicht ausprobieren, verdammt noch mal?«

Wieviele Einreichungen gab es? Was sind großen Themen in diesem Jahr? Wie ist es um den Dokumentarfilm bestellt? Und kann man Animationsfilm und Dokumentarfilme wirklich gleich behandeln? Ralph Eue, Programmkoordinator des DOK Leipzig, gibt Antworten im Filmriss-Interview.

 

 

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Wunde Vergangenheit

»Über Leben in Demmin«: Ein schwieriges Kapitel lässt sich nicht einfach schließen

ueberlebenindemminPlötzlich machten Rasierklingen eine blutige Runde. Männer und Frauen ritzten sich die Handgelenke auf, ihren Kindern auch. Andere erhängten sich, Mütter banden sich ihre Kinder an die Körper und gingen ins Wasser. Der Massensuizid hunderter Demminer Bürger im April 1945 ist ebenso grausam wie unverständlich, wenn man nicht der simplen, geschichtsrevisionistischen Antwort folgt.

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Direct Cinema at its best

Einblicke in eine indische Textilfabrik gibt »Machines« auf hohem filmischen Niveau 

machines»Machines« zeigt eine gigantische Textilfabrik in Gurajat, Indien. Seit den 60er Jahren erfährt die Region im Westen des Subkontinents eine beispiellose unregulierte Industrialisierung, in der auch eine Vielzahl dieser Produktionsstätten errichtet wurde. Was »Machines« neben den aufgerufenen ethischen und sozialen Fragestellungen, etwa nach den Arbeitsbedingungen in einer globalisierten Welt und der Kontinuität kolonialer Verhältnisse, so spannend macht, ist, dass der Film sein Sujet handwerklich auf höchstem Niveau behandelt und dabei vor allem das Sinnliche der Filmerfahrung betont. Jains Debütfilm kommt ohne Voiceover, ohne Textinserts und ohne Score aus – Direct Cinema at its best.

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Idole

Einer, der noch seinen Idolen hinterher jagt. Eine, die selbst zum Idol geworden ist. Zwei Außenseiter träumen groß: »Call me Tony« und »Gwendolyn«

call-me-tonyKonrad ist ein klassischer Antiheld: Er träumt große Träume vom Bodybuilding und von einer Schauspielkarriere, doch so richtig gelingen will ihm nichts. Sein Vater stellt hohe Ansprüche, seine Mutter versucht ihn auf die (ihrer Ansicht nach) rechte Bahn zu lenken. Dazwischen geht der junge Pole seinen eigenen Weg, reist allein zu einem Amateur-Bodybuildingwettbewerb, nur um grandios zu scheitern, steht wieder auf, scheitert erneut. Und dann sind da auch noch die Abschlussprüfungen an der Schule. Die Kamera inszeniert Konrad meist als einsamen Außenseiter, der anderen Menschen zwar überaus hilfsbereit, aber distanziert gegenübertritt. Ein Einzelgänger, ganz wie seine Idole: Al Pacino als Tony Montana in »Scarface« und Robert DeNiro in »Taxi Driver«. Konrad bewundert vor allem, dass sie durch ihre Exzentrik unsterblich geworden sind. Und vielleicht ist das auch ihm eines Tages vergönnt, immerhin hat er nun etwas erreicht, was nur wenige schaffen: Einen Dokumentarfilm ganz für sich allein. Weiterlesen

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Von der Schönheit des Kindseins

»Childhood« zeigt eine norwegische Bullerbü-Idyll

childhoodHerzlich Willkommen im 6-Jahre-Club! Für ein paar auserwählte Kinder eines norwegischen Waldkindergartens ist es endlich soweit: Sie gehören zu den Großen, streunen durch den Wald und schnitzen ihre eigenen Steckenpferde. Es ist eine aufregende Zeit, die Margreth Olin mit ihrer Kamera für ein Jahr begleitet hat. Große, leuchtende Kinderaugen staunen über alles um sie herum: Den Wald, den Himmel, die Tiere. Spielen ist die einzige Aufgabe der Kinder in dieser märchenhaften Umgebung. Keine Smartphones, niemanden interessiert, was gestern im Fernsehen lief. Alles ist harmonisch, naturverbunden, wohlig und geborgen – eine große Idylle, wie sie sich Astrid Lindgren kaum bezaubernder hätte ausmalen können. Auch die Kinder sind allesamt entzückend und es ist eine Freude, sie beim uneingeschränkten Entdecken ihrer Umwelt zu beobachten.

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DOK LEIPZIG 30. OKTOBER – 5. NOVEMBER 2017
60. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Alerta, Antifascista!

»Wildes Herz« zeigt eine Band mit Haltung und ja, ein paar Bengalos brennen Feine Sahne Fischfilet auch ab

wildesherzMuss man Feine Sahne Fischfilet überhaupt noch vorstellen? Es sind schon einige Jahre ins Land gegangen, seitdem die Ska-Punker ihr später lokal legendär gewordenes Soli-Konzert in der Connewitzer Liwi abhielten (Vorsicht Insider: »Hi Dave!«, »Danke, Dave!«). Damals kannte noch nicht einmal der Verfassungsschutz die Truppe, die antifaschistische Arbeit als kompromisslose Pflicht erachtet. Ja, jene Feine Sahne Fischfilet also sind gemeint, die mittlerweile durch die Decke gingen. Jene, die vom Verfassungsschutz als »linksextrem« beobachtet wurden, weil sie unter anderem einen polizeikritischen Song schrieben. Was ihnen wiederum in Erfolg umgemünzte Aufmerksamkeit bescherte. Um die Band und insbesondere ihren Frontmann Jan Gorkow dreht sich der Film. Eins vorweg: Warum er Monchi genannt wird – vielleicht aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Monchhichis – wird nicht erklärt. Weiterlesen

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Pegida-Quatsch mit Michel

»Montags in Dresden« hält einfach drauf, wenn rechte Talking-Heads wüten

imontagsindresden»Jeden Montag versammeln sie sich auf den schönsten Plätzen der Stadt.« »Woher kommt diese Wut und kann sie in dieser Form überhaupt die Richtigen treffen?« »Dresden gedenkt jedes Jahr der totalen Zerstörung.« Schon nach den ersten Minuten des Films wird klar, dass daraus nichts zu lernen sein wird. Mit »Montags in Dresden« will Sabine Michel nach eigener Aussage mit unverstelltem Blick die Pegida-Demonstrationen in ihrer Geburtsstadt betrachten. Herausgekommen ist ein naives Filmchen, dass ein Sammelsurium aus rechten Weltbildern, gekränkten Egos und Wahnwichtelergüssen vereint. Weiterlesen

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Dokumente des Wandels

Das 60. DOK Leipzig blickt zurück in die Festivalgeschichte

dok-logoDie Sechs vorne unterstreicht: Das DOK Leipzig zählt zu den alten Damen des Festivaltreibens. Die Berlinale zählt 68 Lenze, Cannes und Venedig haben jüngst die 70 überschritten, aber keines der großen Festivals kann auf eine so bewegte Vergangenheit zurückblicken wie das DOK, fand es doch in zwei unterschiedlichen Staatssystemen statt.

Eine Historie, die es lohnt, beleuchtet zu werden – wenn nicht zu einem runden Jubiläum, wann dann? An drei Tagen vor offiziellem Festivalbeginn (vom 27. bis 29.10.) finden daher drei Veranstaltungen mit Filmen statt, die in der 60-jährigen Geschichte des Festivals eine große Rolle gespielt haben. »Now and then / then and now« – der Titel des Jubiläumsprogramms zeigt schon, dass es sich um eine wechselseitige Zeitreise handelt. Weiterlesen

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»Brachliegendes Potenzial«

Der neue Kopf der Dok-Auswahlkommission Ralph Eue über Verantwortungen und Kompetenzen

Foto: Susann Jehnichen

Foto: Susann Jehnichen

Ralph Eue sieht nicht mehr ganz so frisch aus wie auf dem Foto, das ihn auf den Seiten des Dok Leipzig als Vorsitzenden der Auswahlkommission ausweist. Kein Wunder: Es ist Anfang August und der Sichtungsprozess läuft auf Hochtouren. Eine Phase, in der er und die anderen fünf Köpfe in seinem Team selten Tageslicht sehen. Das hat für den 63-Jährigen bereits Tradition, verbringt er doch seit 2007 jeden Sommer in Leipzig, um das Programm für das Internationale Festival für Dokumentar- und Animationsfilm zusammenzustellen. Und doch ist in diesem Jahr vieles anders, denn er hat die Leitung des Teams übernommen und tritt damit die Nachfolge von Grit Lemke an, deren unfreiwilliger Abgang Anfang des Jahres für Aufruhr sorgte (kreuzer 01/17). Der kreuzer traf den Berliner am Connewitzer Kreuz, um darüber zu reden, wie er zum Dok kam und wie er das schwierige Erbe antritt.

kreuzer: Wie kamen Sie zum Film?

RALPH EUE: Ich hatte in Marburg einen Filmclub gegründet und ging nach meinem Studium nach Berlin mit der Schnapsidee, dort ein Kino zu eröffnen. So kam ich in das Umfeld der Zeitschrift Filmkritik, die gerade von München nach Berlin gezogen war. Das war meine entscheidende Prägung für das, was für mich Film ausmacht. Dort habe ich die Erfahrung gemacht, dass nicht nur ich auf Filme gucke, sondern auch die Filme auf mich. Ich habe dann in vielen Funktionen, sowohl in der Produktion als auch in der Distribution, gearbeitet.

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