DOK LEIPZIG 28. OKTOBER – 3. NOVEMBER 2019
62. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Archiv 2018

Ein Königreich für 115 Lamas
4. November 2018

Short Documentary-Auswahl über Heimatgefühle und Grenzziehung The Green and Pleasant Land Anhand von Online-Kommentaren erforscht Max Colson via digitaler Karte das Heimatgefühl seiner Landsleute. Mit Schäfchen auf Hügeln, Telefonzellen, Familien, grünen Wiesen und anderen Texturen, die zur Grundausstattung eines Amateur-Animationsprogramms gehören, erschafft er ein trügerisches Bild, das mit der Realität recht wenig zu tun hat. Max Colson verzichtet komplett auf fremdenfeindliche Kommentare, trotzdem schwingt im Stolz der Briten auf ihr Land auch immer die Abwehr des Fremden mit und so ist »The Green and Pleasant Land« auch ein eindrücklicher Beitrag zum Rechtsruck in Europa.

Darüber reden

»In Search« von Beryl Magoko Am verheerendsten sind das Schweigen und die Scham. Im Verbund mit Traditionen haben sie für Jahrhunderte dafür gesorgt, dass Frauen beschnitten wurden. Beryl Magoko ist eine dieser Frauen. Als kleines Mädchen wurde ihr ein Teil ihrer Klitoris entfernt. Als junge Frau setzt sie sich damit auseinander. Und dokumentiert diese Auseinandersetzung mit der Kamera. Das Ergebnis ist »In Search«.

Tausend schöne Momente

»Immer und ewig« von Fanny Bräuning In der Schweiz lernen sie sich kennen. Sie, Kind einer strengen Schweizer Familie, er ein Seemann. Beide studieren an der Kunsthochschule. Er fotografiert, sie malt. Sie heiraten, bekommen zwei Kinder. Die Bilder zeugen von einer aufregenden, stürmischen Beziehung. Aufregend, das zeigt die Dokumentation, die Fanny Bräuning über das Leben ihrer Eltern drehte, bleibt die Beziehung auch später. Doch sie verändert sich auch stark. Denn Fannys Mutter hat Multiple Sklerose. Das heißt ihr Körper baut in Phasen immer mehr ab.

DOK Leipzig 2018: Die Preisträger
3. November 2018

Der Film »I Had a Dream« hat die Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb Langer Dokumentar- und Animationsfilm gewonnen. In der Langzeitstudie über das letzte politische Jahrzehnt Italiens stellt Regisseurin Claudia Tosi mit ihren beiden Protagonistinnen die brutale Frage, ob Demokratie und Politik überhaupt noch am Leben sind. Eine Lobende Erwähnung erhielt Goran Dević für den Film »On the Water« – eine poetisch-politische Studie über Menschen am Wasser. Die Goldene Taube im Deutschen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm ging an den kontrovers diskutierten Beitrag »Lord of the Toys« von Pablo Ben Yakov. »Mit seinen präzisen Beobachtungen legt der Film eine Jugendkultur … Weiterlesen 

Nach dem Krieg

Die DOK Spotters über »Stress« von Florian Baron Wenn von Krieg die Rede ist, erzeugt das Bilder in unseren Köpfen. Bilder von Terror, Blut, Chaos und Tod. Stress, der Dokumentarfilm von Florian Baron, handelt zwar von Krieg – kriegstypische Bilder bleiben jedoch aus. Stattdessen gleitet die Kamera während der Horrorerzählungen von Veteranen bedächtig über die statische Großstadtarchitektur von Pittsburgh. Vogelperspektiven und Zeitlupen kreieren ein surreales Setting, die Zeit scheint still zu stehen. Genau wie in den Geschichten der Protagonisten, wenn sie aus dem Off über ihre Zeit in Afghanistan berichten.

Der Krieg hört nicht auf
2. November 2018

»Diorama« und »No obvious Signs«: Zwei persönliche Berichte aus der Ukraine Als »Diorama« werden Schaukästen bezeichnet, in denen Modellfiguren vor bemalten Hintergründen stehen. Wer vor einem Diorama stehen muss, um sich den Ort seiner Kindheit anzusehen, dessen Welt muss sich stark verändert haben. Zoya Laktionova ist in Mariupol aufgewachsen. Vor dem Krieg verbrachte sie viel Zeit an dem Strand, den sie sich in der letzten Szene im Museum anschaut. Davor ist er der Protagonist ihres Kurzfilms. Wellen, die im Dunst langsam an den Sand schwappen. In der Ferne Schiffe, die geisterhaft vorübergleiten. Einmal eine struppige Katze, dann ein Hund, der in die Kamera hochblickt, als wollte er fragen was das alles soll.

Demokratieversagen

»I Had a Dream« erzählt vom Auseinanderbrechen der italienischen Gesellschaft Manchmal wird etwas erst möglich durch das Scheitern von etwas anderem. »I Had a Dream« ist so ein Fall. Ursprünglich sollte er die Reaktion zweier italienischer Politikerinnen auf die Wahlniederlage Silvio Berlusconis erzählen. Doch dann gewann Berlusconi 2008 die Wahlen, das Projekt zerplatzte und die Regisseurin Claudia Tosi musste sich etwas Neues überlegen.

Menschen wachsen aus der Landschaft

In Robertas Verbas frühem »The Old Man and the Land« entfaltet sich die Poesie litauischen Landlebens Die Kinder in der Schule singen Tonleitern, brav hören sie auf den Lehrer, gerade sitzen sie in den Bänken, auch wenn die Müdigkeit sie gähnen lässt. Ätherische Gesänge begleiten die morbide Stimmung und die Kälte, in der einer mit dem Pferdewagen den Grabstein für seine Frau aus der Stadt holt. Sein Alter lässt ihn krumm laufen, sein beeindruckender Schnurrbart ist schlohweiß und er erzählt. Von dem Leben, das er mit seiner Frau gehabt hat, und von den Kindern.

Zeitenwende

Arūnas Matelis schaut in »Ten Minutes before the Flight of Icarus« auf einen kaputten Stadtteil von Vilnius, in dem die neue Zeit schon in der Luft liegt Die Veränderungen scheinen nicht von jetzt auf gleich über Užupis zu kommen, ein Stadtteil am Rande der Altstadt von Vilnius. Vor der Unabhängigkeit Litauens galt das Viertel als das am stärksten vernachlässigte in der Stadt. Die Kamera fährt denn auch über runtergekommene Fassaden, krummes, rundgelaufenes Pflaster, Menschen, die mit Eimern Wasser holen oder wegbringen.

Eine gestörte Nation

Lutz Dammbecks Filmessay »Overgames« Deutschland als Versuchslabor? Die Umerziehung eines ganzen Volkes? Gefügigkeit durch Gameshows? Das Fass, welches Lutz Dammbeck in seinem Mammutwerk »Overgames« öffnet, gereicht wahrhaft zu einem Fest für Verschwörungstheoretiker. Aber der Filmemacher sucht Antworten, nicht Thesen. Akribisch sammelte er über Jahre hinweg Fakten und die Kamera begleitete ihn dabei. Herausgekommen ist eine 164-minütige Reise durch die Weltgeschichte und die Psychologie. Vom Geist der Aufklärung über das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus‘ bis hin zu den Gameshows der Gegenwart. Ein Kraftakt auch für den Zuschauer, aber ebenso ein einzigartiger Trip durch die Psyche des Menschen.

Die Magie einer guten Geschichte
1. November 2018

Dok-Animation Night Extended präsentiert die Arbeit des Cartoon Saloon Jedes Jahr wenn der irische Cartoon Saloon bei den Oscars in der Kategorie für den besten Animationsfilm mitmischt, gibt es ein kleines bisschen Hoffnung, dass die Übermacht der Disney-Pixar-Heile-Welt-Gewinnerfilme mal gebrochen werden könnte. Nur einmal bitte – die gewinnen die ja nicht zu Unrecht -, wirklich nur ganz kurz für einen Film, der anders aussieht, sich anders anfühlt. Und jedes Jahr ist da wieder die Enttäuschung, dass sich die Academy nicht auf Experimente einlassen mag. »Secret of Kells« wurde von »Oben« geschlagen, »Song of the Sea« von »Baymax«, in diesem Jahr konnte »The … Weiterlesen 

Platz finden

Šarūnas Bartas holt auch Außenseiter auf die Straßen des winterlichen Vilnius Es sind die alltäglichen Dinge, die nicht der Rede wert scheinen, an denen sich Wandel erkennen lässt. Deshalb gibt es den Tag wie jeden anderen nicht; die Dinge, Menschen, Gewohnheiten und Bewegungsmuster ordnen sich ständig neu. Da gehen zum Beispiel Mütterchen mit Kopftuch, die sich auf der Straße bekreuzigen, zur Kirche. Junge Typen stehen mit Zigarette herum, ein anderer mit Bart und langen Haaren hat eine Marionette dabei. Die Marionette tanzt über eine schön gepflasterte Straße mit hübschen Fassaden, während Leute ihren Müll auf dafür abgestellten Wagen entsorgen.

Exzellenz-Initiative

Sie kommen in Frieden: »All Creatures Welcome« setzt den Chaos Computer Club in Szene »Wenn Hamburg zu klein wird, dann ziehen wir eben nach Leipzig.« Diesem Motto folgte der Chaos Computer Club (CCC) vergangenen Dezember und verlegte seinen Chaos Communication Congress auf Leipziger Messegelände. Wer es nicht auf den Kongress geschafft hat, dem zeigt nun eine vergnügliche Doku, was es mit den Hacker-Space-Invaders auf sich hat. »All Creatures Welcome« besucht mehrere Zusammenkünfte des CCC und seiner Gleichgesinnten. Ganz unpathetisch muss man schon sagen: Ihnen kommt die Rolle einer Bürgerrechtsbewegung zu, wenn sie auf Gefahren von Digitalisierung hinweisen, Überwachung kritisieren, Verschlüsselungsmaßnahmen … Weiterlesen 

Dichterbriefe reloaded

https://filmfinder.dok-leipzig.de/de/film/?ID=21199&title=Die+Getr%C3%A4umten

»Die Geträumten« von Ruth Beckermann In »Die Geträumten« lässt Ruth Beckermann, diesjähriger Ehrengast der DOK, zwei junge Menschen, Briefe von Paul Celan und Ingeborg Bachmann lesen. Es gibt einen Satz von Westernregisseur John Ford, der auf die Frage, was denn im Falle eines Regengusses gedreht wird, geantwortet haben soll, »Die spannendste Landschaft, die ich kenne. Das menschliche Gesicht«. Das nimmt auch in Beckermanns Dokumentation großen Raum ein. Präziser, die Gesichter ihrer beiden Protagonisten. Die eine, Anja Plaschg, ist eine bekannte Musikerin. Der andere, Laurence Rupp, erfolgreicher Theater- und Filmschauspieler. »Die Geträumten« führt sie im Tonstudio zusammen, wo sie Briefe von … Weiterlesen 

Rechtsoffen für Menschlichkeit und Fairness
31. Oktober 2018

Unkritisch feiert »Lord of the Toys« Dresdner Youtube-Prahlhanse ab, die mit ein »bisschen Hitler« kein Problem haben Dresden trollt die Dok: Schon wieder lässt ein unkritischer Dresdendokumentarfilm auf dem Festival Menschen ungefiltert zu Wort kommen, die wenig Probleme mit rechten Positionen haben. Um es mal harmlos auszudrücken. Ganz so drastisch wie das Draufhalten auf Pegida in »Montags in Dresden« im vergangenen Jahr ist »Lord of the Toys« nicht. Er verweigert aber jeden Kontext und Hintergründe seiner Protagonisten. Womit er ihr Tun – je nach Lesart – verharmlost oder ihnen eine exklusive Bühne zur reinwaschenden Promotion bietet.

I want to become a star in a Tarkovsky movie

»The Sleeping Land« von José Bautista, Alfons Rodríguez Mehrere tausend Kilometer von Moskau entfernt liegt Wladiwostok – die russische Hafenstadt am Pazifik mit der größten Bevölkerungszahl und dem höchsten wirtschaftlichen Impact. Dazwischen liegen nicht nur sieben Zeitzonen, sondern auch diverse fast unbewohnte Landschaften und Vegetationen – Sibirien, Steppe und Baikalgebirge – sowie dicht besiedelte, nicht vollkommen triste Lebensräume, aber solche, an denen Sinn schwer gestiftet wird.

Verloren

»Chris the Swiss«, eine spannend erzählte, visuell beeindruckende Spurensuche, die mit Leipziger Hilfe entstand Die Leinwand erwacht in grau-schwarzen Strichen. Ein kleines Mädchen kämpft sich durch das Dickicht eines Maisfelds. Am Ende erkennt sie eine großgewachsene Gestalt, die sorglos rauchend neben dem Feld steht. Doch dann erscheinen bedrohliche Gestalten, flüchtige Schemen zusammengesetzt aus Schwärmen hunderter, rabenähnlicher Fragmente, die den jungen Mann über die weite Ebene jagen. »Als ich klein war, erzählte mir meine Mutter von einem seltsamen Land mit Ebenen so weit wie das Meer – und dass dort manchmal Menschen verloren gehen.«

»Dokumentieren/Demonstrieren«

Eine Hommage bietet einen Querschnitt durch das politische Kino Ruth Beckermanns Unter dem Titel »Dokumentieren/Demonstrieren« versammelt das Dubnov-Institut in Zusammenarbeit mit DOK Leipzig fünf der insgesamt elf vorwiegend dokumentarischen Langfilme sowie zwei kurze Vorfilme, die die in Wien lebende Ruth Beckermann seit Ende der 1970er Jahre gedreht hat. Als Mitbegründerin des Verleihs »Filmladen« und der Interessensgemeinschaft Österreichischer Dokumentarfilm zählt sie auch abseits ihres Filmschaffens im engeren Sinne zu den zentralen Protagonistinnen der unabhängigen Szene Österreichs. Zu ihren Sujets gehören u.a. das jüdische Leben und die jüdische Diaspora, die gegen Widerstände durchgeführte Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der NS-Zeit sowie politische … Weiterlesen 

Deckmantel der Macht

»Waldheims Walzer« von Ruth Beckermann Kurt Waldheim streckt die langen Arme aus, grinst und verkündet süffisant: »Sie werden nichts finden. Wir waren anständig«. Anstand, Moral, Wahrheit, Lüge – in Ruth Beckermanns Archiv-Montage »Waldheims Walzer« werden diese Werte zur Referenz für die Dehnbarkeit vermeintlich feststehender Normen und deren ganz individuell ausgelegte Interpretation. Für ihr beeindruckendes Werk seziert die Regisseurin die sogenannte »Waldheim Affäre«, die ab 1986 erst die österreichische und dann die Weltöffentlichkeit erschüttert.

Intimitätssimulation

Der Berlinale-Gewinner »Touch me not« in der Spätlese Die bürgerliche Presse hat den Berlinale-Gewinner auf Grund expliziter Darstellung von Sexualität als »obszön« gelabelt. Bei denjenigen, die für identitätspolitische Forderungen nach gleicher Anerkennung und Sichtbarkeit von randständigen Sexualitäten offen sind, dürfte der Streifen allerdings keine Aufregung hervorrufen. In einer nur auf den ersten Blick experimentellen Erzählanordnung zeigt »Touch Me Not« drei Protagonisten in Situationen, in denen sie körperliche oder seelische Intimität erfahren.

Meet DOK Leipzig: Leena Pasanen

Leena Pasanen erzählt den DOK Spotters, was sie am DOK Festival verändert hat – und wie das Festival sie geprägt hat. In Vorbereitung auf das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm haben die DOK Spotters die Festivalleiterin Leena Pasanen getroffen. Im Interview verrät sie, was ihr am Festivalmotto gefällt und wie das DOK Leipzig sie geprägt hat.  

Über das Erhabene
30. Oktober 2018

Kunst- und Sakralbau erfahren in »Architektur der Unendlichkeit« eine faszinierende Zusammenführung Ein Film, über den man nicht viele Worte verlieren sollte – sondern den man schauen muss. Jedenfalls wenn man sich für Architektur interessiert und dem Begriff der Erhabenheit nachgehen möchte. Die reicht ja weit über das rein ästhetisch Schöne hinaus. Sie löst Gefühle von Ergriffenheit und Unendlichkeit – als deren Teil man sich begreift – aus und bewegt das Gemüt, um den Philosophen Immanuel Kant zu paraphrasieren. In »Architektur der Unendlichkeit« kommen keine Philosophen zu Wort. Es sind Architekten und Künstler, die über das in Bauten gegossene Ewige sinnieren: … Weiterlesen 

So einsam die Nacht

»Nightwanderers« – Schöne Bilder und erschütternde Geschichten Da ist dieses Bild gleich zu Beginn. Der Blick durch das Fenster eines Wohnwagens, hinaus auf eine nächtliche Tankstellenlandschaft. Verschwommene Lichter, die durch das Plastik der Scheibe gebrochen werden. Benjamin Rost erkundet in »Nightwanderers« auf der Autobahn das nächtliche (Süd-)deutschland. Er hat seine, etwas mehr als einer Stunde dauernde Dokumentation recht klassisch angelegt. Nächtliche Impressionen wie die aus dem Wohnwagenfenster, oder einer hellerleuchteten Baustelle, wechseln sich ab mit Geschichten von den Menschen, die diese Nächte bevölkern. Vornehmlich an den Schnellstraßen der Republik. So wie die Frau, die ein Pornokino betreibt und spät in der … Weiterlesen 

Die Bilder und das Licht

»Living the Light« – Leben und Werk des niederländischen Kameramanns Robby Müller Mithilfe von Archivmaterial und den Stimmen Verwandter und Freunde nähert sich die Regisseurin Claire Pijman dem in diesem Jahr verstorbenen Niederländer. Das Licht. Es stand im Mittelpunkt für Robby Müller. Und vielleicht passt das, denn immerhin ist der Mann Niederländer und damit Teil eines Landes, dessen Kunsttradition stark vom Umgang mit dem Licht geprägt ist. Man braucht sich nur die alten holländischen Meister ansehen und welche Rolle das Licht in ihren Werken spielt. Oder man sieht sich gleich die Filme an, die Robby Müller gemacht hat und die … Weiterlesen 

Im Hufeisen gefangen

»Exit« dokumentiert die Hilflosigkeit der Extremismusformel Hufeisen sollen Glück bringen. In einem Fall aber verstellen sie den Blick: bei der so genannten Extremismustheorie. Diese besagt, dass die Gesellschaft aus einer unproblematischen Mitte besteht, an deren politischen Rändern rechts wie links Extremisten ihr Unwesen treiben. Wesentlich unterscheiden sich diese Extremisten nicht, weshalb sie sich wie die beiden Enden eines Hufeisens einander annähern. Links- und Rechtsextremismus sind demzufolge die gleiche Chose, mit nur vorgegebenen anderen Vorzeichen. Den »Ausländerextremismus« hat man dann auch noch irgendwie ins Bild gestopft, fertig ist die Hufeisen-Topografie des Extremismus. In der Wissenschaft wird diese Annahme weitestgehend abgelehnt, weil … Weiterlesen 

Auf den Nerv

»#Female Pleasure« zeigt Ursprünge globaler Frauenverachtung »Feminismus nervt«, meinte einmal hellsichtig die Slamerin und Autorin Sarah Bosetti – das müsse er aber auch, solange Gleichberechtigung unter den Geschlechtern nicht hergestellt sei. Solange patriarchale Strukturen herrschen, bleibt er notwendig – da kann man(n) nach #meetoo etc. auch noch so genervt die Augen rollen. Dass das patriarchale Korsett nicht nur mit Frauen etwas macht, wird übrigens von solch Genervten auch gern übersehen.

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Esquire von Matthew Buchanan