DOK LEIPZIG 28. OKTOBER – 3. NOVEMBER 2019
62. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Blick zurück voraus

Das 62. Dokumentar- und Animationsfilmfestival wirft seinen Schatten voraus und schon darin kann man sich hervorragend verlieren

Tief Luft holen und hinein ins Dok: Noch bevor überhaupt ein Film im Wettbewerb bekannt ist, bietet die Vielzahl an Sonderprogrammen und Specials bereits genug Stoff, um in der Woche Ende Oktober, Anfang November das Kino überhaupt nicht mehr verlassen zu müssen. Das gilt für beide Säulen des Festivals gleichermaßen.

Die Brüder Timothy und Stephen Quaye sind die diesjährigen Ehrengäste des Animationszweigs beim Dok Leipzig. Hoher Besuch aus Großbritannien, schließlich wurden ihre Kurzfilme vielfach preisgekrönt und Kollegen wie Terry Gilliam gehören zu ihren Fans. Das Festival ehrt sie mit der »Brothers Quaye Night« in der Schaubühne, wo die Zwillingsbrüder einen Einblick in ihr Schaffen geben. Das wird es auch separat in einem Sonderprogramm zu sehen geben, neben einer Carte Blanche, in der die Brüder Filme kuratiert haben, die sie maßgeblich beeinflusst haben. Zu guter Letzt und gleich zu Beginn eines jeden Films des gesamten Programms wird es auch den von ihnen gestalteten Festivalrailer zu sehen geben. Die kreative Verbindung zu Leipzig scheint bei den Quayes also weiterhin vorhanden, schließlich inszenierten sie in den Studios der Media City 2005 ihren letzten Langfilm »The Piano Tuner of Earthquakes«. Die »Animation Perspectives« bringt derweil zwei junge Regisseure von Animationsfilmen zusammen: Die deutsche Filmemacherin Brenda Lien und Max Colson aus Großbritannien, die sich beide mit Internetstrandgut beschäftigen.

Die Retrospektive widmet sich dem 30-jährigen Jahrestag der Friedlichen Revolution von einer anderen Seite, erklärt Ralph Eue, Programmer beim Dok Leipzig. »Wir wollen bewusst nicht das Datum 1989 ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit stellen. Uns interessiert viel mehr seine Vor- und Nachgeschichte.« Ankerpunkt der Filmauswahl war der Gedanke, dass die ehemalige BRD und die DDR ohne einander nicht existieren konnten: »Das Provisorium BRD und das Provisorium DDR haben sich verhalten wie zwei feindliche Brüder, die den jeweils anderen dringend für ihr eigenes Selbstverständnis brauchten«, sagt Eue. Das Festivals spiegelt Dokumentarfilme von Ost und West und versucht den Blickwechsel.
Der Länderfokus Kroatien zeugt von den Spuren des Krieges in der Gegenwart. Die DEFA Matinee widmet sich dem einzigen Essayfilmer der DDR, Eduard Schreiber. Die Gründe im Kino zu überwintern sind zahlreich.
Lars Tunçay

»Dok Leipzig«: 28.10.–3.11., CineStar, Passage Kinos, Cinémathèque, Schaubühne Lindenfels u.a.

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