DOK LEIPZIG 28. OKTOBER – 3. NOVEMBER 2019
62. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM

Empörung über Bilder

»Speaking for the Dead« hinterfragt die Berichterstattung über das Feuer im Greenfell Tower in London.

Eben erst ist der Untersuchungsbericht zu einem der verheerendsten Brände in Großbritannien fertig geworden. Bei dem, durch einen defekten Kühlschrank ausgelösten Feuer, waren am 14. Juni 2017 im Greenfell Tower 72 Menschen ums Leben gekommen. In dem jetzt erschienen Bericht werden der Feuerwehr und dem Brandschutz schwere Versäumnisse vorgeworfen. So wurde die Lage vor Ort völlig falsch eingeschätzt. In dem Glauben, das Feuer ließe sich unter Kontrolle bringen, wurden die Bewohner nicht rechtzeitig genug evakuiert. Durch das billige Dämmungsmaterial, dass beim Bau verwendet worden war, entfaltete der Brand in kürzester Zeit seine tödliche Wirkung.
»Speaking for the Dead« ist eine Momentaufnahme aus der Zeit nach der Katastrophe. Zu sehen sind verschiedene Begegnungen zwischen Bewohnern des Greenfell Towers, ihren Nachbarn und Medienvertretern. Die Empörung der Leute ist groß. Ihre Wut auf Leute, die versuchen den ausgebrannten Turm zu filmen ebenfalls. »Da sind Menschen gestorben«, ist eine Stimme zu vernehmen. Dann taucht eine Hand auf und drückt die Kamera weg.
Regisseur Peiman Zekavat versucht für seinen Kurzfilm eine Position zu finden, die empathischer mit den Überlebenden umgeht, als die Journalisten. Das das nicht leicht ist, zeigt seine Dokumentation. Sie wirft in kurzer Zeit viele Fragen auf: Wie soll man von einem Unglück berichten? Was muss gezeigt werden? Und was sollte, aus Respekt vor den Toten, verborgen bleiben? »Speaking for the Dead« regt zum Nachdenken an.

JOSEF BRAUN

Speaking for the Dead
England, 2019, 14 min., Peiman Zekavat
Schauburg / 01.11.2019 / 20:00

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