Kommt ein Pferd in ’ne Bar. I E G E Z N A Fragt der Barkeeper: »Warum denn so ’n langes Gesicht?« Gründe für lange Gesichter gibt es immer und reichlich, natürlich auch in der Leipziger Gastronomie. Wir mussten seit letztem Sommer wieder einige Abschiede verkraften, vom Prellbock zum Beispiel, vom Le Caphe, von der Landsberger Brauerei, von der Kleinen Leckerei, vom Forsthaus Raschwitz oder vom Hotel Seeblick. Das ist bitter. Es gibt jedoch eine gute Nachricht: Von Kneipensterben kann nämlich keine Rede sein. Die Zahl der gastronomischen Betriebe ist laut Stadt Leipzig vom Jahr 2024 auf 2025 sogar leicht gestiegen. Entsprechend gibt es auch in diesem Heft Tests von Lokalen, die im Vorjahr noch nicht dabei waren. Wir freuen uns über großartige Neueröffnungen (zum Beispiel Bistro Baerbel, Ice Kitchen, Bali oder Susuru) oder neue Konzepte (zum Beispiel Last Word, Siam oder Thüringer Hof ). Seit 1996 erscheint Leipzig Tag & Nacht und beobachtet die hiesige Gastronomie. In diesen 30 Heften spiegelt sich die geballte Expertise der Redaktion und außerdem, dass Trends kommen (und manche auch wieder gehen), dass Leipzig sich verändert und mit ihm die Gäste. (Für alle, die mitgerechnet haben und sich jetzt verwundert den Kopf kratzen: Es waren deshalb nur 30 Hefte, weil ein Jahrgang dank Corona entfallen musste.) Zwei Dinge lassen sich mit Blick auf die vergangenen 30 Jahre mindestens feststellen: Seit 1996 hat sich die Gastrolandschaft stark ausdifferenziert, und die Qualität ist insge- samt gestiegen. Heißt also: ein breiteres Angebot und mehr Spaß. Nicht immer geht es bei den Veränderungen wirklich ums Ausgehen oder um Gast- freundlichkeit, geschweige denn Spaß. Die einen steuern bestimmte Adressen nur an, um sich dort mit Dingen abzufilmen, die in den Socials als trendbewusst gelten (aktuell und nach wie vor: irgendwas mit Stäbchen in einer Bowl, Zimt- schnecken oder irgendwas mit Matcha). Die anderen steuern gar keine Adressen an, sondern lassen sich den Döner nach Hause liefern. Oder den Cappuccino von einer Bäckereifiliale. Aber auch hier gilt: kein Grund für lange Gesichter. In den Cafés und Biergärten, in den Restaurants und Bars kommen die Menschen in heiterer Geselligkeit zusammen, für schöne Momente und Begegnungen, auf ein schnelles Getränk oder ein gemeinsames Abendessen, zum Kartenkloppen oder zum Kneipenquiz. (Und bekommen nichts davon mit, dass irgendwo gerade jemand alleine in seiner Wohnung sitzt und sich ärgert, weil der Cappuccino von der Bäckereikette kalt bei ihm ankam oder im Bestell-Döner nach zwanzig Minuten Transfer die Sauce bereits das Brot zermatscht hat.) Zwischen diesen Zeilen und der letzten Seite dieser Ausgabe finden Sie: die 171 besten Lokale der Stadt. Außerdem Adressen und Tipps etwa zu Biergärten, Feinkost, Hotels oder Frühstücken am Wochenende. Dazu kommen Geschichten und Repor- tagen, beispielsweise zu Trends bei Wein und Cocktails, zum Essengehen mit Kindern oder zu Kneipen-Karaoke. Wir waren in Gasthöfen am Stadtrand, haben uns den Hopfen anbau in der Region angeschaut, aus Zörbig Fruchtaufstriche mitgebracht und aus Delitzsch Likör. Beim Thema Heiterkeit haben wir noch einen: Kommt Charles Dickens in ’ne Bar und bestellt einen Martini. Fragt der Barkeeper: »Olive oder Twist?« In diesem Sinne: Gehen Sie ruhig mal wieder aus! FRANZISKA REIF Leitende Redakteurin Leipzig Tag & Nacht MAGAZIN 3 In elegantem Ambiente bieten wir in unserem Restaurant ›Josephine‹ ein 2- oder 3-Gänge-Wahlmenü an, das mit dem Arrangement ›Show & Menü‹ zur Varietéshow dazugebucht werden kann. b u c h e n s i e i h r e n t i s c h a u c h o h n e s h o w - t i c k e t Magazingasse 4 – 04109 Leipzig josephine-leipzig.de