C R E D T I : I F R É D É R C C H A U B N I LITERATUR Jehona Kicaj »ë« F O T O : TIPPS DES MONATS R O B L E W S I »Historisch ein Lehrstück. Die Prosa präg- nant. Kein Wort zu viel.« – So umschreibt eine Stimme aus dem Buchhandel den Roman »ë« von Jehona Kicaj, der in die- sem Jahr auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Die Erzählerin kommt als Kind von Geflüchteten aus dem Koso- vo nach Deutschland, wo ihre Geschichte auf wenig Verständnis, dafür aber viel Un- kenntnis und Vorurteile stößt. Über Spra- che und Stimme sucht sie nach Zugehö- rigkeit – im Kindergarten, in der Schule, in der Uni. Als der Kosovokrieg Ende der neunziger Jahre wütet, erlebt sie ihn aus si- cherer Entfernung. Doch auch in der Dias- pora sind Krieg und Tod präsent. AHu ■ 15.1., 19.30 Uhr, Haus des Buches KUNST »Cosmic Soviet Modernism« F O T O : THEATER »Mülheim Absturz Ruhr« »Mülheim Absturz Ruhr« zeigt, was sich hinter kalten Worten wie »Firmenum- strukturierung« verbirgt. Der Vater des Theatermachers Dennis Schwabenland wurde bei Tengelmann als Chefeinkäufer vor die Tür gesetzt – unter falschen Vor- würfen. Es folgte der Absturz in die Sozial- hilfe. Anhand von Interviews zeichnet die Produktion diesen nach und parallelisiert ihn mit dem Verschwinden des Tengel- mann-Erben. (S. 51) tpr ■ 23./24.1., 20 Uhr, Lofft F O T O : T O M S C H U L Z E THEATER »The Addams Family« Das perfekte Unterhaltungstheater beginnt als Film mit fettem Sound aus dem Orches- tergraben. Herrlich schräg ist diese Familie und die Darstellenden verstehen es, ihren Figuren Profil zu geben. Es geht um Selbst- findungsprozesse im Figurentableau, das die abendländische Kulturgeschichte zi- tiert. Die Botschaft des Finales: »Sei fürs Unbekannte bereit!« Hier kommt Gesell- schaft zusammen. Mit Humor werden hier politische Haltungen auf die Schippe genommen. Und mit Humor wird das quit- tiert. (S. 53) tpr ■ 17., 31.1., 19 Uhr, 18.1., 15 Uhr, Musikalische Komödie I C A R L P H L P P R O T H I Zwölf für 31 Die Veranstaltungstipps im Januar LITERATUR »Speak easy« mit Katja Lewina »Die schlecht gemalte Deutschlandfahne« hat Rebecca Maria Salentin Ende 2023 an den Nagel gehängt. Nun ist die Litera- turshow zurück unter neuem Titel in neu- er Location – den Cammerspielen. »Speak easy« ist eine Reminiszenz an den Frei- heitsdrang in den Flüsterkneipen der USA, gleichzeitig soll eben ungezwungen geplau- dert werden. Einstand war bereits im Okto- ber mit Buchpreisträgerin Dorothee Elmi- ger, im Januar empfängt Salentin nun die Schriftstellerin Katja Lewina und spricht mit ihr über deren neuen Erzählband »Wir können doch Freunde bleiben«, der Ge- schichten über das vielgestaltige Ende von Liebesbeziehungen versammelt. AHu ■ 8.1., 20 Uhr, Cammerspiele F O T O : I J U L J A G O Y D Wie sieht die Zukunft aus und wie deren Bauten? Der französische Fotograf Frédéric Chaubin zeigt Aufnahmen von Gebäuden und Architekturensembles aus der ehema- ligen Sowjetunion, die das Zukunftsmo- ment mit eigenwilligen Formen und viel Beton begrüßten. Ob stromlinienförmige Anordnungen oder Wabenmotive für die Beschwörung des Kollektivs: Die immer noch kaum bekannte osteuropäische Mo- derne kann hier erkundet werden. bsC ■ ab 10.1., Kunstraum Techne Sphere T R E N H A R G E T T E R N E H I : O T O F KUNST Winterrundgang Frisch im neuen Jahr präsentieren die Ga- lerien auf der Spinnerei Neues aus der künstlerischen Produktion. Bei Kleindienst beispielsweise sind digitale Zeichnungen von Henriette Grahnert (Bild) zu sehen, Eigen+Art zeigt Stefan Guggisberg, Anna Kautenburger stellt neue Arbeiten bei Intershop vor und Rigo Schmidt stellt im Laden für Nichts aus. Zudem gibt es einen Neuzugang: Im ehemaligen Thaler-Projekt- raum eröffnet Johannes Kämper eine Ga- lerie und präsentiert Arbeiten von Lena Stühmeier. bsC ■ 10.1., 11–19 Uhr, Baumwollspinnerei KREUZER 0126 7