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kreuzer_01_2015 - Kinder & Familie

Gib Mathe eine Chance: Das Theater der Jungen Welt bringt mit "Teil dich oder ich fress dich" Mathe auf die Bühne

064 Kinder & Familie 0115 Film 028 Spiel 034 Musik 036 Theater 046 Literatur 056 Kunst 060 Termine 072 Eigentlich kann man sie nur hassen oder lie- ben: die Mathematik. Niemand kommt an ihr vorbei. Jetzt bringt das Theater der Jungen Welt (TdJW) Mathematik auf die Bühne. »Teil dich oder ich fress dich – Eine theatrale Mathe- matikstunde für Kinder« ist der Nachfolger von »Mitten ins Herz – Eine theatrale Biologie- stunde«. Das Konzept, Theater mit einem Schulfach zu verquicken, kommt gut an beim Publikum. Warum aber haben sich Regisseurin Michaela Dicu und Dramaturgin Winnie Kar- nofka ausgerechnet für die Mathematik entschie- den? »Weil wir alle schlecht in Mathe waren«, sagt Karnofka. Das habe sie gereizt. Und je länger sich die beiden Frauen mit der Stückentwick- lung beschäftigten, desto mehr haben sie sich in die Mathematik verliebt. Diese Liebe wollen sie nun bei den Kindern säen. Bei »Teil dich oder ich fress dich« kommt jeder auf seine Kosten: Mathehasser wie Matheliebhaber. Der Protagonist Jakob ist in einem Zimmer eingesperrt. Gemeinsam mit seinem Nerd-Teddy muss er innerhalb einer Stunde einen Code knacken und nebenbei auch noch die Welt retten. Wie in einem Computerspiel muss Jakob meh- rere Levels erreichen. Das Publikum lernt dabei ein geheimes Codesystem kennen, mit dem man Sprache verschlüsseln kann. Das kann jeder gut gebrauchen. Es erfährt außerdem nützliche Dinge, zum Beispiel, dass die Quersumme der Handytasten immer durch 3 und 1 teilbar ist. Es geht um Bruchrechnung, um Maßstäbe und auch um Fragen wie: Ist ein Fußball wirklich rund? Das Stück ist für Kinder ab 10 Jahren empfohlen und mathetechnisch haben sich Kar- nofka und Dicu an den Lehrplänen orientiert. Sie zeigen auf, wie viel Mathematik im echten Leben steckt, und das ist viel spannender als in der Schule. Die Rechnung ohne das Theater zu machen, wäre ja auch langweilig. Und für noch mehr Suspense sorgt ein Musiker, der die Vor- stellung live begleitet. Mit Synthesizer, Zither, E-Gitarre und Schlagzeug erzeugt Vincent Hammel den richtigen Sound zur Mathematik. Übrigens ist Hammel von Haus aus Matheleh- rer, was für ein Zufall! Halt, Zufälle – gibt es die in der Mathematik? Oder ist das eher ein Fall für die Wahrscheinlichkeitsrechnung? Wenn meh- rere Menschen beginnen, sich mit Mathematik zu beschäftigen, dann lassen sich eins und eins zusammenzählen. Damit muss man rechnen! Flankiert wird das Stück von einer Ausstel- lung des Mathematikums aus Gießen. Karnofka und Dicu haben in der Stadt studiert. Bei der Planung des Stücks fiel ihnen wieder ein, wie sehr sie damals von der dort ausgestellten Welt der Mathematik begeistert waren. Schnell entstand eine Kooperation. Die Ausstellung im TdJW kann vor, nach und auch unabhängig von der Vorstellung besucht werden. Zu sehen sind interaktive Exponate, Experimentierstationen, an denen jeder seine mathematischen Erfah- rungen machen kann. Die Experimente sehen einfach aus, haben aber alle einen Punkt, an dem man staunt oder verwirrt ist oder nicht weiterweiß – und dann beginnt es, das große Nachdenken. Man bildet Vorstellungen, bekommt Einsichten, und häufig macht es ganz einfach »Klick«, weil man mit einem Mal alles versteht. Albrecht Beutelspacher, Erfinder und Initiator des Mathematikums, engagiert sich leidenschaftlich für die Liebe zur Mathematik. Warum aber ist Mathe überhaupt wichtig für Kinder? Seine Antwort: »Mit ihr erleben Kinder die Kraft des eigenen Denkens.« Und auch Dicu und Karnofka sind – obwohl sie früher schlecht in Mathe waren – voll des Lobes. Im Dialog mit der Mathematik erkenne man die verschiedenen Denkertypen. Es gibt jene, die bei einer Aufgabe einfach wild drauflos probieren. Andere über- legen vorher ganz genau, wie sie vorgehen. Es gibt einen »schnellen Weg« und einen »schö- nen Weg« – beide Varianten kommen auch im Stück vor. »Mathe bringt die Synapsen zum Leuchten«, schwärmt die Regisseurin. Und tat- sächlich ist es letztendlich ein Hochgefühl, wenn man die richtige Lösung errechnet. Das gibt es beim Vokabel-Pauken nicht. Mathematik verschafft Bestätigung. Es gilt hopp oder topp, richtig oder falsch. »Es ist einfach ein herrlich korrektes Fach«, meint Karnofka. Korrekt und trotzdem schön. Da gibt es den Goldenen Schnitt, die perfekte Zahl, gute und schlechte Zahlen. Da wird aus der Wissenschaft plötzlich Kunst und damit sind wir wieder im Theater ange- langt. Dort geben Kunst und Mathematik ein wundervolles Paar ab. JUDITH BURGER ▶Premiere: 13.1., 11 Uhr, 10 plus, 1 Stunde. Zusätzlich zur Vorstellung gibt es im TdJW die Ausstellung zum Mitmachen des Mathematikums Gießen: 15.–30.1., Mo–Fr 10–14, Sa 15– 18, So 10–14 Uhr. Eintritt: 2 €. Für Zuschauer von »Teil dich oder ich fress dich« ist der Besuch der Ausstellung kostenlos. Gib Mathe eine Chance Das Theater der Jungen Welt bringt mit »Teil dich oder ich fress dich« Mathe auf die Bühne »Mathe bringt die Synapsen zum Leuchten« Fanden Mathe früher auch doof: Michaela Dicu (r.) und Winnie Karnofka (l.) SandraNeuhaus (a+b)2 = a2 + 2ab + b2 a2 + b2 = c2 ab c

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