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kreuzer_01_2015

The next big Ding: Handelshochschule und Spinnerei planen Leipzig als Hauptstadt der Start-ups

Film 028 Spiel 034 Musik 036 Theater 046 Literatur 056 Kunst 060 Termine 072010 Kreuzfahrt 0115 Mitte Januar soll es fertig sein: das »SpinLab – The HHL Accelerator«. Das klingt nach ganz großer Welt und beschleunigt doch das Kleine. Und es spint nicht irgendwo im geprie- senen Leipziger Westen, sondern in der 2. Etage der Halle 14 auf der Spinnerei. Der Beschleuni- ger kümmert sich um Start-ups, die im besten Fall brillante Firmenideen ersinnen, die inter- national skalierbare Geschäftsmodelle hervor- bringen und nun in Sachen Netzwerk und Kapital gepusht werden. So treffen wieder ein- mal Geist, Geld und Kunst auf der Spinnerei zusammen. Burkhard Jung meint: »Geist und Geld sind in Leipzigs Stadtgeschichte oft eine fruchtbare Verbindung eingegangen. Künstle- rische Kreativität und Geschäftssinn schließen sich nicht aus.« Das hat auch niemand gewagt zu bezweifeln, vor allem nicht auf der Spinnerei. Denn es war kein anderer als Gerd Harry Lybke, dem die Idee zu einer solchen Einrichtung an diesem Ort kam. Lybke fungiert bereits als künst- lerischer Berater vom »Axel Springer Plug and Play Accelerator«, einem weiteren Beschleuniger, der seit 2013 in Berlin-Kreuzberg zu Hause ist. Den durchlaufen in drei Etappen für jeweils drei Monate bis zu zehn Start-ups. Sie erhalten neben der kostenfreien Nutzung des Großraum- büros noch 25.000 €, mit denen sie fünf Pro- zent ihrer Gesellschaft an die Betreiber des Accelerators abgeben. Die Berliner Räumlich- keiten sollen auch von Künstlern temporär genutzt werden – gemäß dem Motto »Start-ups und Künstler sollen sich gegenseitig inspirie- ren«. So schauen nun blaubehemdete Mokassin- träger vor einer wild bepinselten Wand in die Kamera, die Erfolgsgeschichten von Start-ups einfängt. Clemens Graf von Wedel gab die Wandatmosphäre vor, die Tagträume von dyna- mischen Gründern schnell mal an einem Satz wie »Alter Sack wartet auf« zerplatzen lassen kann. Das steht dem ausgewählten Perspektivkader in Leipzig nicht bevor. Auch sonst unterschei- det sich das Programm in einigen Punkten von dem der Hauptstadt. Der Accelerator auf der Spinnerei finanziert sich über Investoren und Themenpartner, die aus dem Umfeld der Handelshochschule (HHL) stammen. Als Gesellschafter fungiert die Spin- Lab Accelerator GmbH. Diese stellt seitens der Leipziger Baumwollspinnerei Verwaltungsge- sellschaft mbH die Räume und finanziert den Ausbau der Büroflächen. Auf den Kauf von Anteilen der Start-ups wird zudem verzichtet, weshalb keine zusätzliche finanzielle Unter- stützung erfolgt. Die können sich die Teilnehmer von den üblichen Finanzierungsmodellen holen. Die kostenfreie Nutzung der Bürofläche dient der perspektivischen Ansiedlung auf der Spinnerei zu den üblichen Konditionen. Seitens der HHL zeichnen den neuen Standort vor allem die »kreative Atmosphäre« und der »Fabrikcharme« aus. Sie sollen dann auch die geplanten zehn Start-ups beflügeln, die ab dem 1. Februar 2015 für jeweils sechs Monate hier untergebracht sind. Das Projekt »SpinLab« ist zunächst auf drei Jahre begrenzt. Die HHL stellt ihr Netzwerk zur Verfügung, Mitarbeiter wie Mentoren sind vor Ort Ansprechpartner und alle zwei Wochen stehen Seminare und Workshops auf dem Programm. Aber es ist kein Ausschluss- grund, wenn die Teams von außerhalb kommen. Damit will die Handelshochschule die Grün- derszene in Leipzig stärken. Das Leipziger Architekturbüro Quartier 4, das von 2007 bis 2012 bereits das Erdgeschoss der Halle 14 sowie die Ausstellungsfläche, die zwi- schenzeitlich die Columbus Art Foundation bespielte, umgestaltete, errichtet nun das Klas- senzimmer, in dem möglicherweise »the next big thing« entsteht. Wie es sich für dynamische Start-ups gehört, wird im Co-Working-Space getüftelt. Drei kleinere und ein größerer Bespre- chungsraum sowie eine Teeküche ergänzen das Raumangebot. Gleich nebenan entstehen, wie im ersten Stockwerk, Ateliers für die Künstler- schaft. Zuvor wurde dieser Teil der Etage von der temporär angelegten Ausstellungsinitiative Universal Cube genutzt, die 2006 aus der Klasse für Installation und Raum der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) entstand. Dem voraus ging die Entscheidung, dass das gesamte Gebäude der Halle 14, das bis 2024 der Gemeinnützigkeit unterliegt, zweigeteilt ver- waltet wird. Der Verein Halle 14 kümmert sich um das Erdgeschoss und die erste Etage, die bereits ausgebaut sind, und die Spinnereiver- waltung um alles andere. Wenn die Start-up-Teams zur Arbeitsbank eilen, dann betreten sie das Gebäude durch das alte Treppenhaus, an der Stelle, wo die Gäste des Ende 2002 in der unsanierten Halle stattge- fundenen Symposiums »Wie Architektur sozial denken kann« eintraten. Frank Motz, langjäh- riger Künstlerischer Leiter der Halle 14, schrieb im Vorwort zum Tagungsband: »Kunst und Kultur sind ökonomische Beschleuniger, deren Wirkung innerhalb zeitgleich verlaufender Schrumpfungs- und Wachstumsprozesse deut- lich hervortritt, jedoch von Politikern u. a. immer noch zu wenig wahrgenommen wird. Gemeinnützigkeit und Kommerz können sich in ihrer Koexistenz oder gar ihrem Zusammen- spiel zuträglich sein, auch aus Nahdistanz, wenngleich in getrennten Häusern.« BRITT SCHLEHAHN The next big Ding Handelshochschule und Spinnerei planen Leipzig als Hauptstadt der Start-ups Der Pinky und der Brain: HHL-Chef Andreas Pinkwart (r.) und Galerist Gerd Harry Lybke (l.) bauen einen Beschleuniger (Bild rechts) HHL/VolkerStöSSeel,FranziskaBarth

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