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Logbuch_2016

www.kreuzer-leipzig.de18 | TITEL Das hohe Eisentor zum Westflügel öffnet sich unter der roten Laterne, eigentlich ein schlichtes »W« im Stil einer LED-Leuchtreklame. Hinter hölzernen Flügeltüren befindet sich die Bar »froelich & herrlich«. »Ein Ort, an dem vieles möglich ist«, sagt Stefan Wenzel und meint da- mit, dass sich das ehemalige Ballhaus mittlerweile in einen Ausstellungs- raum zwischen Kunst und Absurdität verwandelt hat. Zugleich steckt es voller Theaterbezüge, von der Plakatwand des Künstlers Robert Voss über den Bücherschrank bis hin zu den Spots, die von der Decke strahlen. Der Blick des über der Theke baumelnden Vogelwesens kreist von der wurmzerfressenen Hobelbank zum rotierenden Holzofen. Den Ofen, auf dem ein Topf Glühwein warmgehalten wird, dreht ein unermüdlich seine Runden ziehender Roboter mit Schuhgröße 30. An der Bar wird Absinth klassisch mit Löffel und Fontäne serviert. Und so plätschert, ne- ben den brennenden Kerzen am Klavier, eisgekühltes Wasser über Zu- ckerwürfel in die grün befüllten Gläser. Fast ein magischer Ort, an dem die Grüne Fee Dichter bezirzen könnte. Sie jagt, wenn auch nur gedanklich, mit dem geflügelten Teufelchen, fliegenden Fischen und Eseln mit verkno- teten Lauschern um den Windschutz der Teelichter. Aber auch ganz konkret beflügelt das »froelich & herrlich« die Fantasie. Seit 2010 stellen hier zu »Leipzig liest« Autoren und Autorinnen der Un- abhängigen Verlage ihre Bücher vor. Am Freitag, den 18. März werden in der Bar sowie im Theatersaal parallel Veranstaltungen stattfinden. Ein Highlight wird in jedem Fall die Lesung der Absolventin des Leipziger Li- teraturinstituts Babet Mader. Ihr neuer Roman »Dialoge« protokolliert mit viel Witz Zwischenmenschliches, das sonst im Alltagsrauschen unter- geht. Auch Sebastian Guggolz, Lektor, Gründer und Namensgeber des Guggolz-Verlags, wird sich von Berlin-Schöneberg auf den Weg nach Leip- zig machen, um eine der Neuübersetzungen aus seinem Programm vor- zustellen. Wer mag, kann sich auch am Tresen oder bei einer Zigarette mit dem Figurenspieler Michael Vogel unterhalten, der gemeinsam mit sei- ner Partnerin Charlotte Wilde regelmäßig im Westflügel spielt und insze- niert und unzählige Anekdoten zu erzählen hat. Zum Beispiel die von dem Schild über der Tür, das er gebaut hat. Nachdem Arbeiter die Flügel- türen abgebeizt hatten, musste Vogel erschrocken feststellen, dass die Schrift gleich mit entfernt worden war. Nach einem glücklicherweise er- haltenen Foto konnte er es jedoch neu anfertigen. Nun prangen in hellem Holz die typografisch merkwürdigen Buchstaben auf dunklem Unter- grund: »Ausgang«. PHILIPP MORITZ ▶ froelich & herrlich im Westflügel, Hähnelstr. 27 www.westfluegel.de Hinter dem etwas sperrigen Namen »Hochschule für Grafik und Buch- kunst« – von den Einheimischen mit ihrer Vorliebe für Kürzel wie auch von den Profs und Studenten nur »HGB« genannt – verbirgt sich eine der angesehensten Kunsthochschulen Europas. Wer »irgendwas mit Me- dien oder so« machen will, ist hier an der falschen Adresse; hier geht es zunächst um das »Handwerk«: Leinwand bespannen, Farben mischen oder die Druckerpresse bedienen. Da man an der HGB unter anderem ler- nen kann, schöne Bücher zu machen, liegt es nahe, hier auch Lesungen stattfinden zu lassen. Verglichen mit seinen Nachbarn, dem Reichsgericht und der Universitätsbibliothek Albertina, wirkt die ebenfalls im 19. Jahr- hundert erbaute HGB mit ihren strengen Formen fast wie das hässliche Entchen. Doch der erste Eindruck täuscht! Hinter dem wuchtigen Portal befindet sich ein grandioser Lichthof. Dahinter liegt als architektonischer Kontrapunkt die Galerie, die immer wieder Raum für interessante Aus- stellungen bietet. Der Festsaal im ersten Stock und die darüber liegenden Atelierräume bieten einen unverhofft großartigen Blick über die Leipzi- ger Innenstadt. Vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig ist der allgegenwär- tige Geruch von Farbe und Terpentin. Aber hier wird eben nicht nur Kunst gezeigt, sondern auch Kunst gemacht. Sogar auf der Toilette. Böte man die herrlich verzierten Klo-Türen des HGB-Cafés zum Verkauf, könn- te man vermutlich ein hübsches Sümmchen erzielen. Ansonsten sollten Sie am 19. März ab 20 Uhr einmal in der HGB vorbeischauen, da feiert nämlich der Verlag Reprodukt mit all seinen Autoren seinen 25. Geburts- tag und präsentiert eine neue Graphic-Novel-Reihe. BERND VOGEL ▶ Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Academy of Fine Arts), Wächterstr. 11, www.hgb-leipzig.de HOCHSCHULE FÜR GRAFIK UND BUCHKUNST LINDENFELS WESTFLÜGEL Grüne Fee jagt fliegende Fische Kunst auf dem Klo

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