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Friedrich Rothe — Harry Graf Kessler

Diplomat, Dandy, Diarist

Wer immer sich mit der Zeit um 1900 beschäftigt, kommt um ihn nicht herum: den Weltreisenden, Diplomaten, Mäzen, Politiker und Lebemann Harry Graf Kessler (1868?1937). Aus kosmopolitischem und märchenhaft begütertem Elternhause stammend, verkehrte er in der Welt der Reichen und Schönen ebenso wie in derjenigen der Künstler und Intellektuellen - und über all das hat er 57 Jahre lang Tagebuch … weiterlesen

Olaus Faber — Das babylonische Handbuch der Sprache

Spaziergänge im Sprachenzoo

Noch im Gedächtnis? Steven Spielbergs galaktische Friedensbotschaft »Die Begegnung der dritten Art« anno 77? Das berühmte Musik-Licht-Schwätzchen zur Begrüßung der Außerirdischen? »Boböbababu« - blink-blink. »Das babylonische Handbuch der Sprache« klärt unerwartet auf: Es handelte sich seinerzeit um waschechtes Solresol - eine der universellen Kunstsprachen wie das Esperanto, in der sich etwa ein prosaisches »Ich liebe dich« zu einem schmachtenden »Dore … weiterlesen

Peter Gosse — Helfried Strauß

»Achtung, Paradies!«

Gerade 20 Jahre ist es her, da war Leipzig die unumstrittene Buchmetropole des »Leselandes DDR« - eine Rolle, an die die Messestadt im wiedervereinigten Deutschland nicht wieder anschließen konnte. Ein klein wenig Sehnsucht nach dieser vermeintlich guten alten Zeit schwingt mit, wenn nun im Mitteldeutschen Verlag ein großformatiger Bildband zum »Literarischen Leben in Leipzig 1970?1990« erscheint, der Hunderte Fotos von … weiterlesen

Otto Werner Förster und Günter Martin Hempel — Leipzig und die Freimaurer

Ein Who ?s Who der Leipziger Geschichte

Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte hat einmal gemeint: »Das größte Geheimnis der Freimaurer ist, dass sie keins haben.« Das stimmt. Jeder, der will, kann sich umfassend über Geschichte, Riten und Ideale der weltumspannenden Bruderschaft informieren. Der Rest ist Verschwörungstheorie. Deswegen stört es auch nicht, dass sich Förster und Hempel in ihrer kleinen Schrift »Leipzig und die Freimaurer« mit den Inhalten … weiterlesen

Jan Böttche — Nachglühen

Sex macht die Grenzer fertig

Von DDR-Romanen hat man eigentlich die Nase voll. Damals wurde eben bespitzelt und verraten, und nicht selten waren die Bespitzelten selbst auch Verräter. Aber manchmal gibt es DDR-Geschichten, die nicht nerven, denn sie sind authentisch und gleichzeitig überraschend. Ein Beispiel dafür ist der Roman »Nachglühen« des Autors und Musikers Jan Böttcher: Verraten wird Jens, der Verräter ist Jo. Beide wohnen … weiterlesen

Mark Lehmstedt — Leipzig wird braun

Fotos aus dunkler Vergangenheit

Als vor einigen Jahren im Bertelsmann Verlag die Anthologie der P.E.N.-Autoren »Menschen sind Menschen. Überall« erschien, war es insbesondere der Brief eines Hitlerjungenführers an den Autor Wieland Herzfelde, der die jugendliche Zielgruppe aufwühlte. Denn die Sprache sprach für sich. Nicht minder überzeugt von der Wirkung eines Dokuments ist Herausgeber und Verleger Mark Lehmstedt. Auch er setzt in »Leipzig wird braun« … weiterlesen

Angela Krauß — Triest ? Theater am Meer

»Hierher also hatte ich so viele Jahre gewollt«

Die Grande Dame der Leipziger Literaturszenerie, Angela Krauß, veröffentlichte jüngst in der traditionsreichen Inselbücherei den schönen poetischen Text »Triest, Theater am Meer«. Es muss ihr dort gefallen haben. Und ganz besonders der morbide Charme der Stadt hat es ihr angetan. Diese spezielle Triestiner Melancholie, die noch aus Österreich kommt - denn Triest wurde groß durch Österreich, besser gesagt: durch die … weiterlesen

Dejan Enev — Zirkus Bulgarien

Jedes Wort ein Gewinn

»Zirkus Bulgarien« ist kein guter Titel für dieses Buch. Selbst wenn man die tragikomischen Elemente, die viele dieser Erzählungen aufweisen, als basso continuo interpretieren möchte, mit Zirkus haben all die einfachen und doch sehr besonderen Figuren Enevs nicht zwingend etwas zu tun. Auch metaphorisch nicht. Der Untertitel erscheint ebenso verfehlt. »Geschichten für eine Zigarettenlänge« ist kein guter Untertitel. Denn die … weiterlesen

Reinhard Kaiser-Mühlecker — Der lange Gang über die Stationen

Buchstabe für Buchstabe ein Genuss

Unruhe liegt über dem Hof, auf den in den 50er Jahren eine junge Frau aus Linz zieht: Sie hat Theodor geheiratet, den Erben des Hofs, der Dinge nur gerne sieht, wenn er sie kennt, der Städte nicht kennt, Züge und Autos nicht. Statt seiner Frau Aufmerksamkeit zu widmen, beschreibt der nicht mehr ganz junge Bräutigam seitenweise seine Mutter. Verschwiegen wird … weiterlesen

Bernhard Schlink — Das Wochenende

Mord und Marmelade

Das 68er-Gedächtnis-Jahr läuft auf vollen Touren. Jetzt legt Bernhard Schlink dazu einen Roman vor: »Das Wochenende«.Darin lässt er ein paar ehemalige Revoluzzer in einer brandenburgischen Villa zusammenkommen. Anlass ist die Entlassung Jörgs, der wegen mehrfachen Mordes 20 Jahre im Gefängnis verbrachte und nun mit einer von seiner Schwester Christiane organisierten Party sein Leben neu starten soll. Doch wohin?Während die alten … weiterlesen